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Review

Battlestar Galactica: Scattered Hopes im Test: Flucht unter Druck

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Battlestar Galactica: Scattered Hopes setzt nicht auf Heldenglanz, sondern auf Mangelverwaltung. Die Menschheit ist auf der Flucht, die Zylonen sitzen im Nacken, und jede ruhige Runde vor der nächsten Schlacht fühlt sich eher wie Schadensbegrenzung als wie Planungssicherheit an.

Das Spiel mischt pausierbare Echtzeitstrategie mit Roguelite-Struktur und Entscheidungen, die selten sauber wirken. Wer Frostpunk wegen seiner harten Abwägungen mochte und bei FTL gern mit einer angeschlagenen Crew weitergekämpft hat, findet hier schnell den Reiz. Ganz so tief wie seine Vorbilder wird Scattered Hopes aber nicht.

Serienwissen hilft, ist aber keine Pflicht

Die Grundlage stammt aus dem Battlestar-Galactica-Remake von 2004. Die Zylonen wurden von Menschen erschaffen, versklavt, lehnten sich auf und gewannen den Krieg. Jetzt versuchen die Überlebenden, die Battlestar Galactica zu erreichen.

Das Spiel erklärt genug, damit auch Neueinsteiger mitkommen. Wichtig ist nicht jedes Detail der Serie, sondern die Lage: Deine Flotte ist verwundbar, Ressourcen sind knapp, und die nächste große Schlacht kommt sicher.

Planen zwischen Krise und Kompromiss

Zwischen den Gefechten bleiben zehn friedliche Züge. Diese Zeit reicht nie für alles. Du schickst Heldinnen und Helden auf Patrouille, sammelst Schrott, Treibstoff oder Vorräte, reparierst Schiffe, verbesserst Systeme oder kümmerst dich um Krisen.

Diese Krisen sind besonders wichtig, weil sie die Flotte dauerhaft schwächen, bis du sie löst. Gleichzeitig kostet jede Lösung Zeit und Ressourcen. Setzt du deine besten Leute zum Sammeln ein, fehlen sie vielleicht im nächsten Konflikt. Sparst du Vorräte, verärgerst du möglicherweise eine Fraktion.

Drei Gruppen ringen ständig um Einfluss: Arbeiter, Militär und Unterwelt. Unterstützt du eine Seite, bekommst du Vorteile. Die anderen reagieren mit Sabotage, Aufruhr oder neuen Problemen. Das ist die stärkste Idee des Spiels, weil sie Management und Erzählung eng verbindet.

Die Raumschlachten verlangen Aufmerksamkeit

Die Kämpfe laufen in pausierbarer Echtzeit. Kleine Schiffe wie Viper und Raptor übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Dazu kommen Spezialwaffen über das Hauptschiff, mit denen du große Bereiche des Schlachtfelds räumst.

Einfach Einheiten abstellen und zuschauen reicht nicht. Manche Gegner werden erst angreifbar, wenn sie schon attackieren. Andere weichen aus, wenn du sie nicht mit zwei Schiffen gleichzeitig unter Druck setzt. Deshalb stoppst du regelmäßig die Zeit, prüfst Ziele und änderst Formationen.

Wichtig ist auch der Ton der Gefechte. Du kämpfst nicht, um sauber zu gewinnen. Du hältst durch, bis der Sprung in die nächste Galaxie möglich ist. Das passt sehr gut zur Vorlage und gibt selbst erfolgreichen Schlachten einen bitteren Nachgeschmack.

Roguelite-Druck mit sinnvollen Hilfen

Scheitern gehört fest dazu. Verlierst du ein Gefecht oder bricht die Flottengesundheit zwischen den Schlachten zusammen, startet ein neuer Durchgang. Ein Run dauert etwa fünf bis acht Stunden, je nachdem, wie lange du über Entscheidungen nachdenkst.

Nach einem Lauf bleiben Fortschritte. Du schaltest Boni frei, startest etwa mit mehr Reserve-Treibstoff oder erhältst zusätzliche Absicherung für den ersten verlorenen Kampf. Vor neuen Durchgängen wählst du außerdem Flottentypen und Modifikationen.

Das ist wichtig, weil Scattered Hopes fordernd sein kann. Gut ist deshalb der detaillierte Hilfemodus. Wer auf Normal oder Veteran festhängt, kann einzelne Faktoren wie Gegnerschaden gezielt anpassen. Das nimmt dem Spiel nicht seinen Kern, macht es aber fairer für unterschiedliche Spielstile.

Die Story trägt, aber nicht jede Figur

Die große Flucht funktioniert. Du weißt immer, warum du weitermachst und was auf dem Spiel steht. Auch persönliche Aufgaben einzelner Figuren können Druck aufbauen, etwa wenn ein Pilot sich unbedingt beweisen will oder eine mögliche Zylonen-Agentin enttarnt wird.

Das Problem liegt in der Wiederholung. Namen, Porträts und Hintergründe werden neu kombiniert, doch bestimmte Konflikte kehren wieder. Auch Ereignisse wie Bomben, Streiks oder Wrack-Untersuchungen folgen mit der Zeit bekannten Mustern.

Dadurch verlieren Entscheidungen etwas von ihrer moralischen Schärfe. Am Anfang überlegst du noch, was richtig wäre. Später schaust du häufiger auf Ressourcen, Erfolgschancen und Debuffs. Das ist spielerisch nachvollziehbar, aber erzählerisch weniger stark als die besten Momente von Frostpunk.

Starke Optik aus mehreren Stilen

Optisch wechselt Scattered Hopes zwischen einfacher Pixeloptik, modellierten Raumschlachten und gezeichneten Charakterbildern. Die Porträts wirken ausdrucksstark, die Weltraumkämpfe haben genug Übersicht und Wucht.

Der Mix ist nicht nur Dekoration. Er hilft, die zwei Seiten des Spiels zu trennen: harte Tabellen- und Ressourcenarbeit auf der einen Seite, greifbare Bedrohung im All auf der anderen.

Wertung

  • Gameplay: 4 von 5, starkes Priorisieren, gute Echtzeitkämpfe, klare Roguelite-Schleife.
  • Grafik: 4 von 5, abwechslungsreicher Stil mit schönen Porträts und wirkungsvollen Raumschlachten.
  • Story: 3 von 5, die Flucht überzeugt, einzelne Ereignisse nutzen sich aber ab.
  • Sound: 3 von 5, die vorliegenden Eindrücke tragen keine detaillierte Audio-Wertung über Mittelmaß hinaus.

Für wen lohnt sich Scattered Hopes?

Battlestar Galactica: Scattered Hopes ist ein gutes Spiel für alle, die Druck mögen. Du musst damit leben, nie genug Zeit, nie genug Ressourcen und nie eine perfekte Antwort zu haben.

Am stärksten ist das Spiel, wenn Management, Fraktionsstreit und Raumschlacht ineinandergreifen. Schwächer wird es, wenn generierte Figuren und wiederkehrende Ereignisse zu sichtbar nach System aussehen. Trotzdem bleibt ein forderndes Sci-Fi-Roguelite, das seine Fluchtfantasie sauber in Regeln übersetzt.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.