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Senua-Ankündigung: Ging es Microsoft um Investoren?

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Microsoft hat beim Xbox Games Showcase mit Senua das nächste Spiel aus der Hellblade-Reihe angekündigt. Kurz danach kippt die Stimmung: Berichten zufolge könnte Ninja Theory geschlossen oder ausgegliedert werden.

Besonders heikel ist der Zeitpunkt. Die Ankündigung von Senua soll laut Berichten auch dazu gedient haben, Interesse möglicher Investoren an Ninja Theory zu wecken. Für Fans bleibt damit nicht nur die Zukunft des Studios offen, sondern auch die Frage, ob Senua überhaupt erscheint.

Ein starkes Showcase, dann der harte Schnitt

Der Xbox Games Showcase kam bei vielen Xbox-Fans gut an. Senua war dabei ein klares Signal an alle, die Hellblade und Ninja Theory weiter verfolgen. Zu diesem Zeitpunkt wirkte die Fortsetzung nach außen nicht wie ein Wackelkandidat.

Nur wenige Tage später sorgte ein internes Reset-Memo der neuen Xbox-Chefin Asha Sharma für eine andere Lesart. Darin wurde eine sogenannte Accountability Margin von 3 Prozent genannt, die im Vergleich zum Vorjahr gesunken sei. Außerdem hieß es, Microsoft habe ohne Activision Blizzard King in fünf Jahren mehr als 20 Milliarden US-Dollar in Inhalte, Plattform und Hardware-Subventionen gesteckt, während der Jahresumsatz in dieser Zeit um fast eine halbe Milliarde US-Dollar zurückgegangen sei.

Das ist die Art Zahl, bei der in einem Konzern schnell über Strukturen gesprochen wird. Nicht über Fanlieblinge. Nicht über künstlerisches Ansehen. Sondern über Kosten, Rendite und die Frage, welche Studios in den nächsten Plan passen.

Ninja Theory steht offenbar nicht allein im Fokus

Neben Ninja Theory sollen auch Double Fine und Compulsion Games mit Microsoft über mögliche Übernahmen oder andere Wege aus der aktuellen Lage sprechen. Ziel wäre offenbar, eine Schließung zu vermeiden.

Alle drei Studios haben ein starkes Profil, aber sie stehen nicht für riesige Blockbuster-Zahlen. Genau das macht sie in einer Phase gefährdet, in der Xbox offenbar stärker auf große Marken und schneller getaktete Reihen schaut.

Zusätzlich soll Craig Duncan, Chef der Xbox Game Studios, zurückgetreten sein. In dieser Gemengelage wirken die Berichte über mögliche Studioschließungen nicht wie ein isoliertes Gerücht, sondern wie Teil eines größeren Umbaus.

Warum die Senua-Ankündigung so irritiert

Der zentrale Punkt ist nicht nur, dass ein Studio gefährdet sein könnte. Das passiert in der Branche leider zu oft. Der Punkt ist: Microsoft hat Senua öffentlich angekündigt, während intern oder auf Management-Ebene laut Berichten bereits über Schließung oder Ausgliederung von Ninja Theory nachgedacht wurde.

Der Gedanke dahinter soll gewesen sein, dass ein frisch angekündigtes Spiel das Studio für Investoren interessanter macht. Falls das stimmt, wäre Senua nicht nur ein Versprechen an Spielerinnen und Spieler gewesen, sondern auch ein Verkaufsargument.

Unklar bleibt, wie viel die Führung von Ninja Theory zu diesem Zeitpunkt wusste. Auch das ist wichtig. Denn ein Studio kann seine eigene Zukunft kaum planen, wenn es die eigentlichen Optionen erst spät oder nur teilweise kennt.

Die Rechtefrage könnte entscheidend werden

Selbst wenn Ninja Theory eine unabhängige Zukunft finden sollte, ist damit nicht automatisch geklärt, woran das Team arbeiten dürfte. Eine Ausgliederung bedeutet nicht zwingend, dass Markenrechte mitwandern.

Microsoft hat in der Vergangenheit gezeigt, dass wichtige Marken im Konzern bleiben können. Beim geschlossenen britischen Studio Lionhead gab es Interesse von möglichen Investoren. Die Gespräche scheiterten aber daran, dass Microsoft die Fable-Rechte nicht abgeben wollte.

Für Senua und Hellblade ist genau diese Frage entscheidend. Könnte Ninja Theory die Reihe behalten? Würde Microsoft die Marke im Haus lassen? Ohne Antwort darauf bleibt die Ankündigung von Senua für Fans seltsam schwebend.

Was das für Xbox-Fans bedeutet

Wer sich auf Senua freut, sollte die Ankündigung aktuell nicht wie eine normale Spielvorstellung behandeln. Es gibt ein Spiel auf dem Papier. Es gibt eine Marke mit Publikum. Aber die geschäftliche Lage des Studios scheint offen zu sein.

Auch Double Fine und Compulsion zeigen, worum es hier größer gedacht geht. Xbox könnte sich von einem breiten Portfolio kleinerer und eigenwilliger Projekte weiter entfernen und stärker auf bekannte Blockbuster-Reihen setzen. Genannt werden dabei neue Spiele zu The Elder Scrolls, Fallout und Halo, die Berichten zufolge schneller vorangetrieben werden sollen.

Das muss aus Konzernsicht nicht überraschend sein. Für Spieler ist es trotzdem ein Verlust, wenn gerade die ungewöhnlicheren Studios zuerst unter Druck geraten. Sie liefern nicht immer die größten Zahlen, aber sie geben einer Plattform Charakter.

Der nächste Stichtag rückt näher

Microsofts Geschäftsjahr endet am 30. Juni. Laut Berichten laufen zu diesem Zeitpunkt auch viele freie Verträge aus, von denen einige derzeit nicht verlängert wurden.

Bis dahin dürften weitere Entscheidungen sichtbar werden. Für Ninja Theory, Double Fine und Compulsion geht es nicht nur um Projekte. Es geht um Jobs, Rechte und die Frage, ob diese Teams in irgendeiner Form weiterarbeiten können.

Für Senua bleibt deshalb nur eine vorsichtige Einordnung: Die Ankündigung ist real, aber sie reicht nicht aus, um Entwarnung zu geben. Solange Microsoft keine klare Zukunft für Ninja Theory nennt, bleibt dieses Spiel ein Symbol für eine Xbox-Sparte im Umbau.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.