Bei Xbox spitzt sich die Lage offenbar weiter zu. Nach mehreren Entlassungswellen, gestrichenen Projekten und Studioschließungen soll Microsoft erneut harte Einschnitte vorbereiten. Im Raum stehen weitere Stellenstreichungen, mögliche Verkäufe, Ausgliederungen oder Schließungen von Teams.
Für Spieler ist das mehr als eine Wirtschaftsmeldung. Wenn Studios nicht wissen, ob sie in wenigen Monaten noch existieren, entstehen weniger verlässliche Spielepläne. Für die Beschäftigten ist es noch direkter: Sie tragen die Folgen einer Strategie, die sich bei Xbox in den letzten Jahren mehrfach verschoben hat.
Was laut Bericht gerade bei Xbox passiert
Ein aktueller Bericht von Jason Schreier spricht davon, dass intern ein sehr düsteres Bild erwartet wird. Unter Personen, die mit den kommenden Entscheidungen vertraut sein sollen, falle sinngemäß das Wort „Blutbad“. Gemeint sind damit keine Spielinhalte, sondern mögliche Entlassungen und Studioentscheidungen in größerem Umfang.
Als betroffene oder gefährdete Namen werden unter anderem Compulsion Games, Double Fine und Ninja Theory genannt. Sicher festgelegt scheint noch nicht alles zu sein. Der Bericht beschreibt laufende Gespräche darüber, welche Studios verkauft, ausgegliedert oder unabhängig weitergeführt werden könnten. Auch solche Wege würden aber wohl nicht ohne Stellenabbau auskommen.
Als möglicher Zeitrahmen wird das Ende des Microsoft-Geschäftsjahres am 30. Juni genannt. Das passt zu der Vermutung, dass größere Maßnahmen in die Finanzplanung des Konzerns eingeordnet werden.
Der Druck kommt nicht aus dem Nichts
Xbox trägt seit Jahren mehrere Probleme gleichzeitig. Die Marke hat sich laut Bericht nie vollständig von der schwierigen Xbox-One-Phase erholt. Die Xbox Series X/S konnte den Abstand zur PlayStation nicht so aufholen, wie Microsoft es gebraucht hätte. Gleichzeitig soll das Wachstum des Game Pass nicht mehr so stark sein wie erhofft.
Dazu kommt die teure Übernahme von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden US-Dollar. Sie wurde noch in einer Phase angeschoben, in der Gaming durch die Corona-Jahre stark gewachsen war. Als der Deal durch war, hatte sich die Lage bereits verändert. Das Wachstum kühlte ab, andere Plattformen wie Roblox banden viel Aufmerksamkeit, und Microsoft verschob als Tech-Konzern stärker den Fokus auf KI.
Das Ergebnis wirkt aus Konzernsicht logisch, aber für Studios hart: strengere Finanzziele, mehr Druck auf Profitabilität und weniger Geduld mit Projekten, die nicht schnell genug Geld bringen.
Game Pass wird zum Reibungspunkt
Besonders bitter ist der Blick auf Studios, die Microsoft vor einigen Jahren übernommen hat. Laut Bericht sollten diese Teams Spiele liefern, die den Game Pass stärken und den Katalog füllen. Genau das war lange ein Kernversprechen der Xbox-Strategie.
Jetzt scheint dieselbe Logik gegen einige Teams zu arbeiten. Wenn einzelne Spiele im Abo landen, können klassische Verkäufe fehlen. Im Bericht wird auch angesprochen, dass Call of Duty im Game Pass hohe Einnahmen gekostet haben soll. Was für das Abo gut aussieht, muss für ein einzelnes Studio nicht automatisch gut sein.
Das ist der gefährliche Punkt an dieser Entwicklung. Studios können eine Strategie korrekt ausführen und später trotzdem für die neue Strategie zu teuer wirken.
Warum das auch kommende Spiele trifft
Xbox hat in den letzten zwei Jahren bereits schwere Schnitte erlebt. Genannt werden mehrere Massenentlassungen, die Schließung von Arkane Austin und Tango Gameworks sowie gestrichene Projekte wie Everwild, Perfect Dark und Project Blackbird. Tango Gameworks ging später an Krafton, wodurch zumindest dieses Studio eine neue Perspektive bekam.
Auch Ninja Theory steht im Bericht im Fokus. Es gibt die Behauptung, Microsoft habe ein neues Senua-Spiel angekündigt, obwohl intern bereits eine Schließung des Studios im Raum gestanden habe. Der Gedanke dahinter soll gewesen sein, mit einem angekündigten Projekt mögliche Investoren für das Studio interessierter zu machen. Ob das Spiel wirklich erscheint, ist damit aus heutiger Sicht unsicher.
Für Fans ist das frustrierend. Für Entwickler ist es schlimmer. Gute Spiele brauchen Zeit, klare Ziele und ein Mindestmaß an Sicherheit. Wenn Teams ständig mit Absagen, Umbauten oder Schließungen rechnen müssen, leidet am Ende auch das Spiel selbst.
Was Spieler jetzt realistisch erwarten sollten
Solange Microsoft keine endgültigen Entscheidungen öffentlich macht, bleibt ein Teil dieser Lage unscharf. Trotzdem ist die Richtung klar genug: Xbox steht unter starkem Kostendruck, und die nächsten Wochen könnten für mehrere Teams entscheidend werden.
Für Spieler heißt das: Angekündigte Projekte sind nicht automatisch sicher. Studios im Xbox-Verbund könnten ihren Status ändern. Mehr Xbox-Spiele auf PlayStation 5 und Nintendo Switch passen ebenfalls in dieses Bild, weil Microsoft zusätzliche Einnahmen sucht.
Mich stört an der Lage vor allem die Wiederholung. Erst kauft Microsoft Studios, um den Game Pass zu füllen. Dann ändern sich die Ziele. Dann müssen Teams erklären, warum sie nicht in ein neues Modell passen. Das ist kein gesundes Umfeld für kreative Arbeit, und es ist auch kein gutes Signal an Spieler, die Xbox wegen genau dieser Studios spannend fanden.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
