Hideki Kamiya hat keine neue Resident-Evil-Ankündigung gemacht. Genau deshalb ist seine Idee so interessant. Der Regisseur, der Leon S. Kennedys Einstieg in Resident Evil 2 mitprägte, stellte in sozialen Medien ein Konzept vor, das mit klassischem Survival-Horror kaum noch etwas zu tun hat.
Statt Zombies, Mutationen und Dauerstress denkt Kamiya an einen pensionierten Leon auf dem Land. Er angelt, sammelt wildes Gemüse, backt Brot, geht mit seinem Hund spazieren, pflegt den Garten und fährt lange Wege zum Gemischtwarenladen. Dazu kommen Grillabende mit alten Freunden, Hilfe für Nachbarn und ein Stand mit selbstgemachter Limonade auf einem lokalen Fest.
Leon ohne Zombie-Druck
Der Reiz an der Idee liegt nicht nur im Kontrast. Leon ist seit Jahrzehnten eine Figur, die fast immer in Krisen steckt. Wenn Kamiya ihn in ein ruhiges Landleben schickt, verschiebt sich der Blick: Was bleibt von einem Action- und Horror-Helden, wenn er nicht mehr kämpfen muss?
Genau diese Frage macht das Gedankenspiel stärker als einen einfachen Witz. Ein ruhiges Spiel mit Leon müsste nicht die Reihe ersetzen. Es könnte eine Nebenidee sein, die zeigt, wie sehr Spielerinnen und Spieler inzwischen auch an den Menschen hinter den bekannten Videospielrollen hängen.
Der Cozy-Gedanke passt überraschend gut
Auf dem Papier klingt Resident Evil als gemütliches Spiel falsch. Die Reihe steht für Angst, knappe Ressourcen, Rätsel, Monster und biotechnischen Schrecken. Kamiyas Vorschlag nimmt fast alles davon heraus und lässt nur die Figur, den Alltag und kleine Aufgaben übrig.
Gerade deshalb funktioniert die Vorstellung. Viele bekannte Reihen haben Figuren, die über Jahre nur in Extremsituationen gezeigt wurden. Ein älterer Leon, der Brot backt oder den Ofen einer Nachbarin repariert, wäre ein Bruch mit der Erwartung. Aber kein beliebiger Bruch. Leon hatte immer auch den Ton eines erschöpften Profis, der zu viel gesehen hat. Ein friedlicher Ruhestand wäre für ihn fast schon die größte Wendung.
Keine Hinweise auf ein echtes Projekt
Wichtig bleibt: Kamiyas Beitrag ist nach aktuellem Stand eine persönliche Idee und keine bestätigte Entwicklung. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Capcom an einem solchen Resident-Evil-Spiel arbeitet.
Der Gedanke steht auch neben anderen Themen rund um die Reihe. Zu Resident Evil Requiem gibt es Erwartungen an eine größere Story-Erweiterung. Fans wünschen sich dort eher bekannte Namen und offene Handlungsstränge als Gemüsegärten. Außerdem wurde Resident Evil: Veronica für 2027 angekündigt.
Kamiyas Cozy-Leon ist damit vor allem ein gutes Gesprächsstück. Es zeigt, wie breit die Reihe inzwischen gedacht wird. Manche Fans wollen mehr Horror. Andere hätten gern mehr Rätsel ohne Schreckmomente. Und einige würden offenbar auch ein Spiel akzeptieren, in dem Leon einfach nur endlich zur Ruhe kommt.
Warum solche Ideen wichtig sind
Große Marken werden oft eng geführt. Das ist verständlich, weil Erwartungen hoch sind und Experimente riskant sein können. Trotzdem leben Serien wie Resident Evil auch davon, dass ihre Figuren lange im Gedächtnis bleiben. Eine ungewöhnliche Idee kann zeigen, welche Seiten einer Figur noch nicht genutzt wurden.
Ein offizielles Cozy-Resident-Evil wäre sicher schwer zu verkaufen. Es müsste klar machen, ob es Parodie, Nebenprojekt oder Charakterstück sein will. Aber als Gedanke trifft Kamiya einen Punkt: Nach so vielen Katastrophen wäre ein ruhiger Leon nicht langweilig. Es wäre vielleicht das Seltsamste, was man mit ihm machen könnte. Und genau deshalb hört man hin.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
