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ChatGPT-Studie: Fanfiction wird von wenigen Vielnutzern geprägt

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Eine neue Untersuchung zu KI-generierten Geschichten zeigt, wie stark einzelne Vielnutzer den sichtbaren Teil solcher Datensätze prägen können. Im Mittelpunkt steht der WildChat-Datensatz mit 573.453 anonymen englischsprachigen ChatGPT-Unterhaltungen, die mit Zustimmung der Beteiligten für Forschung gesammelt wurden.

Für Spielerinnen und Spieler ist vor allem ein Detail interessant: Unter den häufigen Fanfiction-Quellen tauchen mehrere Games auf. Besonders auffällig war ein Nutzer, der immer wieder Geschichten im Universum von Doki Doki Literature Club! anforderte.

Was die Studie untersucht hat

Die Arbeit mit dem Titel AI Fiction in the Wild stammt von Forschenden der University of Washington und der University of Colorado Boulder. Sie wollten wissen, wie Menschen ChatGPT für fiktionale Texte nutzen. Dazu zählten eigene Geschichten, Drehbücher, Rollenspiele und Fanfiction.

Von den 573.453 untersuchten Unterhaltungen wurden 195.271 zur Erzeugung von Geschichten genutzt. Das entspricht 34 Prozent. Fanfiction war dabei mit 49 Prozent die größte Gruppe. Erotik lag bei 29 Prozent.

Die Forschenden fanden außerdem, dass 57.724 fiktionale Unterhaltungen als explizit markiert wurden. 94.870 wurden als toxisch eingestuft. Diese Einordnung erfolgte über OpenAI Moderation oder Detoxify. Solche Zahlen zeigen nicht automatisch, was einzelne Nutzer beabsichtigten. Sie zeigen aber, dass KI-Fiktion oft in Bereiche rutscht, die Plattformen, Moderation und Forschung ernst nehmen müssen.

Der Doki-Doki-Fall fällt aus dem Raster

Der auffälligste Einzelfall war ein besonders produktiver Nutzer, der wiederholt Fanfiction zu Doki Doki Literature Club! anstieß. Die Prompts drehten sich um schwangere Figuren aus dem Spiel. Natsuki kam dabei besonders oft vor.

Nach Angaben der Studie gab der Nutzer häufig lange Dialogpassagen vor, die mitten im Satz endeten. ChatGPT sollte dann weiterschreiben. Dieses Muster tauchte nicht nur einmal auf, sondern wiederholt und mit nur kleinen Änderungen.

Wichtig ist die Einordnung: Eine Schwangerschaft von Natsuki gehört nicht zum Visual-Novel-Spiel von 2017. Die Studie beschreibt hier also keine Spielhandlung, sondern Fanfiction-Material, das Nutzer mit KI weiterführen lassen.

Wenige Nutzer erzeugen sehr viele Texte

Der Fall wirkt bizarr, ist aber für die Forschung vor allem ein Hinweis auf ein größeres Muster. Die Studie beschreibt, dass die aktivsten 2 Prozent der Fiktionsnutzer rund 80 Prozent der entsprechenden ChatGPT-Unterhaltungen auslösten. Das wären etwa 200 Personen, die für ungefähr 150.000 fiktionale Prompts verantwortlich waren.

Die Forschenden unterscheiden dabei zwei Verhaltensweisen:

  • Infinite Story Demanders: Nutzer, die immer wieder fast dieselbe sehr konkrete Geschichte anfordern, teils über Monate.
  • Story-Cycler: Nutzer, die viele Varianten eines Themas erzeugen lassen und später zu einem anderen Thema wechseln.

Auch weniger aktive Nutzer wiederholten ihre Eingaben. Im Durchschnitt enthielten 42 Prozent der Prompts zur Story-Erzeugung wiederkehrende Muster. Bei den zehn produktivsten Nutzern stieg dieser Anteil auf 85 Prozent.

Warum das für Gaming-Communities relevant ist

Fanfiction war schon lange Teil vieler Spiele-Communities. KI verändert daran nicht den Grundimpuls, aber sie senkt die Hürde. Wer eine sehr spezielle Variante einer Geschichte sehen will, kann sie in Sekunden anfordern und beliebig oft abwandeln lassen.

Die Studie nennt neben Doki Doki Literature Club! auch Naruto, League of Legends und Freedom Planet als häufige Quellen für KI-generierte Fanfiction. Spiele und Manga liefern Figuren, Welten und Konflikte, an denen sich solche Texte leicht festhalten können.

Für Communities entsteht dadurch ein Spannungsfeld. Einerseits können Fans mit KI kreativ experimentieren. Andererseits zeigen die Zahlen, wie schnell sich Wiederholung, explizite Inhalte und sehr enge Fixierungen in großen Mengen ansammeln. Das betrifft nicht nur Forschung, sondern auch Moderation, Fanforen und Plattformregeln.

Der Doki-Doki-Fall ist deshalb weniger eine kuriose Randnotiz als ein Beispiel dafür, wie KI-Nutzung in Fandoms aussehen kann: sehr persönlich, sehr wiederholend und oft weit entfernt von dem, was das ursprüngliche Spiel tatsächlich erzählt.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.