Beast of Reincarnation ist für Game Freak ein bemerkenswerter Schritt. Statt Taschenmonstern gibt es ein melancholisches Japan der Zukunft, eine Schwertkämpferin mit einer gefährlichen Gabe und einen vierbeinigen Partner, der im Kampf weit mehr ist als bloße Begleitung.
Nach rund 25 Stunden bleibt vor allem ein Eindruck: Das Spiel hat ein sehr gutes Gespür für direkte Action. Seine beste Idee, das Zusammenspiel aus Katana, Parade und den Fähigkeiten des Hundes Kuu, trägt viele der stärksten Momente. Der Weg dorthin wiederholt sich allerdings zu oft, und die Technik kann bei hohem Tempo nicht immer mithalten.
Paraden sind der Kern
Emma kämpft mit dem Katana gegen aggressive Mischwesen aus Pflanzen und Tieren, Roboter und weitere Gegner. Entscheidend ist dabei nicht bloß das Ausweichen. Gut getimte Paraden bringen Feinde aus dem Takt, öffnen sie für starke Treffer und laden zugleich wichtige Ressourcen auf.
Diese Ressourcen aktivieren Emmas mächtige Klingentechniken, können die Zeit verlangsamen und versorgen auch Kuu. Dessen Blütenkünste wählt man in einem verlangsamten Kampfmoment aus. So entsteht ein System, das Reaktion und Planung verbindet: Erst muss der eigene Rhythmus sitzen, dann setzt man die passende Fähigkeit im richtigen Augenblick ein.
Die Nähe zu Sekiro ist klar. Beast of Reincarnation macht daraus aber keine oberflächliche Kopie, sondern baut seine Kämpfe konsequent um das Abwehren herum. Wer mit Parierfenstern grundsätzlich nichts anfangen kann, wird hier kaum glücklich. Wer genau diese Herausforderung sucht, bekommt ein erfreulich präzises System.
Die Bosse liefern die besten Duelle
Am Ende der einzelnen Gebiete warten große Nushi. Elche, Stiere oder Wildschweine verlangen, dass Emma und Kuu als Team funktionieren. Die Kämpfe sind fordernd, aber laut Testeindruck fair. Siege schalten zudem neue Möglichkeiten für beide Figuren frei.
Gerade zu Beginn sind diese Begegnungen ein klarer Antrieb. Später nutzt das Spiel einzelne Bossentwürfe häufiger erneut. Das passt zwar zur Handlung, nimmt den Duellen aber einen Teil ihrer Wirkung. Aus einem Höhepunkt wird dann eher eine bekannte Pflichtaufgabe.
Bewegung macht die Erkundung besser
Vor jedem Boss wird eine abgegrenzte Zone erkundet. Emma erreicht höhere Punkte mit einem Enterhaken, erzeugt Rankenwege über Abgründe und kann Gegner aus der Höhe angreifen. Diese Bewegungsoptionen sorgen dafür, dass die Suche nach Lagern, Ressourcen und Gegnern nicht statisch wirkt.
Zwischen den Regionen gibt es Aufstiege, Ausrüstung und Gerichte mit Attributboni. Das ist funktional und gibt den gesammelten Materialien einen Zweck. Mit der Zeit wird die Schleife jedoch sehr deutlich: Gebiet absuchen, Ressourcen mitnehmen, Boss besiegen, Werte verbessern, weiterfahren. Die Welt wirkt dadurch weniger wie ein zusammenhängender Ort als wie eine Reihe ähnlicher Etappen.
Schöne Welt, unruhige Technik
Das postapokalyptische Japan setzt nicht auf graue Ruinen. Wiesen, Wälder und die ruhige Musik bilden einen starken Kontrast zur Seuche, die Menschen und Tiere verändert hat. Auch die Geschichte um Emma, Kuu und die Jagd auf das Biest der Wiedergeburt soll mit bittersüßer Stimmung punkten und setzt sich deutlich von der leichteren Pokémon-Formel ab.
Optisch ist das Spiel für Game Freak ein sichtbarer Fortschritt. Einzelne Animationen wirken aber steif, Texturen teils weich oder detailarm. Ärgerlicher sind die wiederkehrenden Einbrüche der Bildrate. Sie treten laut Test sowohl im Qualitäts- als auch im Leistungsmodus auf. Gerade bei einem Spiel, das schnelle Reaktionen belohnt, ist das kein kleiner Makel.
Für wen lohnt es sich?
Beast of Reincarnation empfiehlt sich vor allem für Spielerinnen und Spieler, die anspruchsvolle Nahkämpfe mögen und bereit sind, Paraden wirklich zu lernen. Kuu bringt dabei eine eigene taktische Ebene hinein, ohne den Fokus von Emma zu nehmen.
Die Formel der Gebiete und die wiederholten Bossideen bremsen das Abenteuer auf längere Sicht. Trotzdem bleibt ein gutes, eigenständiges Action-Rollenspiel, das zeigt, dass Game Freak abseits von Pokémon interessante Wege einschlagen kann. Für den nächsten Teil wären eine stabilere Technik und mehr Abwechslung im Ablauf die wichtigsten Aufgaben.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
