Wer sich in Uncharted: Drake’s Fortune plötzlich von deutlich härteren Gefechten ausgebremst fühlte, lag offenbar nicht falsch. Laut dem ehemaligen Naughty-Dog-Designer Benson Russell konnte der erste Teil seinen Schwierigkeitsgrad dynamisch erhöhen, wenn Spieler Kämpfe schneller als erwartet abschlossen.
Der Hintergrund war pragmatisch: Das Team sah nach der Fertigstellung offenbar das Risiko, dass die Kampagne zu kurz ausfallen könnte. Ein Multiplayer-Modus stand dafür nicht als zusätzlicher Inhalt bereit. Also wurde ein System eingebaut, das gute Spieler stärker forderte und damit zugleich ihren Fortschritt verlangsamte.
Tempo war ein Messwert
Russell zufolge basierte die Anpassung auf Fokus-Tests. Das Team ermittelte durchschnittliche Zeiten für einzelne Kämpfe. Wer ein Gefecht schneller als diese Vergleichswerte beendete, konnte auf stärkeren Widerstand treffen.
Das erklärt, weshalb der Schwierigkeitsgrad im ersten Uncharted für manche Spieler unvermittelt anzuziehen schien. Die Anpassung war nicht allein darauf ausgelegt, eine passende Herausforderung zu liefern. Sie hatte auch eine klare Funktion für das Tempo der gesamten Kampagne.
Spätere Teile gingen vorsichtiger vor
Auch die beiden weiteren Spiele der ursprünglichen Uncharted-Trilogie nutzten dynamische Schwierigkeitsanpassungen. Dort wurde das System laut Russell jedoch stärker darauf ausgerichtet, auf das Können der Spieler zu reagieren, statt die Spielzeit zu beeinflussen.
Das ist ein bemerkenswerter Blick auf ein bekanntes Problem der Spieleentwicklung. Dynamische Systeme wirken für Spieler oft unsichtbar. Sie können aber großen Einfluss darauf haben, ob sich ein Spiel fair, fordernd oder künstlich gebremst anfühlt.
Kein klarer Wunsch nach einem Remake
Russell hatte sich zuletzt auch skeptisch zu einem möglichen Remake von Drake’s Fortune geäußert. Aus seiner Sicht funktionieren die Spiele im Kern weiterhin. Ein Remake müsste womöglich so viele Änderungen vornehmen, dass gerade die Eigenschaften verloren gehen könnten, die Fans am Original schätzen.
Ob der erste Teil irgendwann neu aufgelegt wird, ist offen. Die neue Aussage zeigt jedenfalls: Selbst eine Rückkehr zum Original würde mehr Fragen aufwerfen als nur bessere Grafik und modernere Steuerung.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
