Mixtape ist kein Adventure, das über Rätsel, Skill oder große Systeme kommt. Es will ein Gefühl festhalten: den letzten gemeinsamen Tag von drei Jugendlichen, bevor sich ihre Wege nach der High School trennen.
Das funktioniert nicht sofort. Die Figuren treten anfangs laut, kantig und bewusst überzeichnet auf. Wer dabei durchhält, bekommt aber eine kurze, sehr musikalische Geschichte über Unsicherheit, Freundschaft und das schwierige Erwachsenwerden.
Worum es geht
Im Zentrum stehen Stacy Rockford, Cassandra und Slater. Stacy will nach New York, um im Musikgeschäft durchzustarten. Cassandra und Slater hatten eigentlich andere Pläne: ein gemeinsamer Roadtrip nach der Schule. Mixtape erzählt ihren letzten Tag zusammen.
Das Spiel läuft etwa drei bis fünf Stunden. In dieser Zeit skatet ihr durch eine Vorstadt, hängt in Zimmern ab, redet mit Freundinnen und Freunden, löst kleine Interaktionen aus und springt immer wieder in Erinnerungen. Diese Erinnerungen zeigen wichtige Momente aus der gemeinsamen Zeit der drei.
Am Anfang kann das hart auf die Nerven gehen. Alles wirkt betont cool, betont rebellisch und sehr laut. Mixtape setzt genau darauf. Die Fassade ist Teil der Erzählung. Nach und nach wird klarer, warum Stacy Musik wie einen Schutzschild benutzt und warum Cassandra gegen ein Leben ankämpft, das andere schon für sie geplant haben.
Spielerisch bleibt Mixtape sehr leicht
Mixtape mischt Walking-Simulator, kurze Minispiele, Dialoge, Cutscenes und interaktive Musikvideo-Momente. Mal fahrt ihr Skateboard, mal untersucht ihr Stacys Zimmer, mal erledigt ihr kleine Aktionen mit Stickbewegungen oder Tastenkombinationen.
Die Erinnerungssequenzen sind oft stark überhöht. Eine Flucht mit einem Einkaufswagen vor Polizeiwagen wirkt eher wie die dramatische Version, die Teenager später im Kopf behalten, nicht wie ein nüchterner Ablauf. Andere Szenen sind viel kleiner: Steine über Wasser springen lassen, ein altes Sofa in ein Versteck bringen oder Laub wegkehren.
Die meisten Aufgaben sind schnell erledigt. Ein Controller wird nach den vorliegenden Eindrücken klar empfohlen, weil viele Aktionen auf kurze Eingaben und Bewegungen setzen. Wer spielerische Tiefe sucht, wird hier wenig finden. Mixtape fordert kaum. Es nutzt Gameplay eher als Rhythmusgeber für Stimmung und Erinnerung.
Die Musik trägt fast alles
Musik ist in Mixtape kein Hintergrund. Sie ist das Gerüst. Stacy führt durch eine Playlist, kündigt Songs an und liefert kleine Trivia-Momente direkt an die Spielenden. Die Szenen richten sich stark nach dem jeweiligen Lied.
Der Soundtrack setzt auf bekannte Namen wie The Smashing Pumpkins, Iggy Pop, Joy Division und Siouxsie and the Banshees. Dazu kommt ein deutlicher 80er-Jahre-Einschlag. Wer mit Rock, Post-Punk und dieser Art Popkultur wenig anfangen kann, verliert einen wichtigen Teil der Wirkung.
Für alle anderen ist genau das der stärkste Punkt. Mixtape versteht, dass bestimmte Lieder Erinnerungen nicht nur begleiten, sondern verändern können. Eine Szene muss mechanisch nicht anspruchsvoll sein, wenn Musik, Blick, Timing und Dialog zusammenpassen.
Optisch kantig, aber stimmungsvoll
Auch die Grafik arbeitet mit einem klaren Kontrast. Die Figuren sind stark stilisiert, mit harten Kanten und puppenhaften Gesichtern. Die Umgebung wirkt dagegen deutlich realitätsnäher. Dadurch fällt Mixtape nicht in eine unangenehme Zwischenzone, sondern bekommt einen eigenen Look.
Die amerikanische Vorstadt ist detailreich gestaltet. Abendlicht, brüchiger Asphalt, Zimmer voller Gegenstände und kleine Umgebungsaktionen helfen dabei, den Ort glaubwürdig zu machen. Besonders beim Skaten entsteht eine starke Stimmung, wenn Bewegung und Musik zusammenlaufen.
Was stört
Mixtape ist sehr kurz. Weil fast jede Sequenz anders funktioniert, hätte manche Idee mehr Raum verdient. Das Spiel springt oft weiter, sobald der passende Song durch ist. Das hält den Ablauf frisch, lässt aber auch Potenzial liegen.
Der Einstieg ist ebenfalls ein Risiko. Die überzeichneten Teenager, die betont rotzige Art und einzelne unangenehme Momente können abschrecken. Wer nach einer halben Stunde aussteigt, sieht wahrscheinlich noch nicht, was Mixtape später besser macht.
Für wen lohnt sich Mixtape?
Mixtape lohnt sich für dich, wenn du kurze, erzählerische Adventures magst und Musik als Teil der Geschichte ernst nimmst. Es passt auch, wenn du mit Coming-of-Age-Themen etwas anfangen kannst und kein Problem damit hast, dass Gameplay hier nicht im Vordergrund steht.
Schwierig wird es, wenn du klare Herausforderungen, Rätsel oder lange Spielzeit erwartest. Auch wer mit Metal-, Rock- und 80er-Jahre-Stimmung nichts anfangen kann, bekommt hier weniger zurück.
Für mich ist Mixtape am Ende ein spezielles, aber interessantes Adventure: spielerisch dünn, erzählerisch deutlich stärker, beim Sound am sichersten. Es braucht Geduld für seinen lauten Einstieg. Danach zeigt es mehr Herz, als die ersten Minuten vermuten lassen.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
