World of Warcraft: Forever soll kein bloßes Classic-Update werden. Das Projekt erweitert die bekannte Grundlage deutlich, hält aber an Spielgefühl, Animationen und Klangbild der ursprünglichen Version fest. Genau diese Balance wird darüber entscheiden, ob die Idee aufgeht.
Ein erster spielbarer Eindruck von der BlizzCon 2026 macht zumindest Hoffnung: Neue Inhalte wirkten zunächst ungewohnt, fanden über vertraute Kämpfe und Sounds aber schnell wieder zurück zum klassischen WoW-Gefühl. Die Beta startet am 17. September und muss nun zeigen, wie belastbar dieser Eindruck ist.
Mehr Welt statt nur mehr Endgame
Zum Start sind mehr als 1.000 neue Quests geplant. Sie sollen nicht nur neue Gebiete füllen, sondern auch bekannte Classic-Zonen erweitern. Dazu kommen zwei neue Raids und neun Dungeons. Einer davon ist The Drowned City, eine teils überflutete Trollstadt, die von einem riesigen Hai beherrscht wird.
Das ist ein sinnvoller Ansatz. Classic lebt stark von seiner offenen Welt und dem Weg zum Maximallevel. Wenn neue Aufgaben dort stattfinden, statt ausschließlich am Ende der Progression zu warten, kann Forever auch für Rückkehrer interessant werden, die nicht direkt wieder in den nächsten Raid einsteigen wollen.
Skyborne und Klassenänderungen sorgen für Gesprächsstoff
Mit den Skyborne kommt eine neue Rasse ins Spiel. Die blauen Elfen können auf Seiten von Allianz und Horde gespielt werden und kosten laut den vorliegenden Informationen 30 Euro. Inhaltlich orientieren sie sich eng an Blutelfen, liefern aber einen neuen Einstieg in die Welt.
Wichtiger für den Alltag dürften die Anpassungen an Klassen und Talentbäumen werden. Genannt wurden etwa ein stärker ausgebauter Feral-Druide, ein tankfähiger Paladin und Schurken, die Combopunkte auf ein anderes Ziel übertragen können. Solche Änderungen greifen tief in die Classic-Meta ein. Sie könnten aber auch verhindern, dass bestimmte Klassen und Rollen in Gruppen dauerhaft außen vor bleiben.
Zusammenspielen ohne Serverfalle
Besonders praktisch klingt die geplante realmlose Struktur. Statt vorab einen einzelnen Server auszuwählen, entscheiden sich Spieler für Normal, PvP oder RP. Hardcore soll später folgen. Wer dieselbe Spielart und dieselbe Fraktion gewählt hat, soll direkt zusammen spielen können.
Damit fällt eine der ältesten MMO-Hürden weg: Freunde müssen nicht mehr feststellen, dass ihre Charaktere auf getrennten Realms festsitzen. Für Gilden, spontane Dungeon-Gruppen und Rückkehrer ist das wahrscheinlich eine der wichtigsten Neuerungen von Forever.
Lagerfeuer sollen Begegnungen fördern
Auch das Lagerfeuer-System zielt auf mehr Austausch. Ab Berufsstufe 20 können Spieler am Feuer berufsabhängige Boni an andere Anwesende verteilen. Schneider sollen beispielsweise einen Intelligenz-Buff beisteuern können.
Der Effekt ist spielerisch nützlich, der soziale Gedanke dahinter noch interessanter. Classic war stets dann am stärksten, wenn aus einer kurzen Begegnung eine Gruppe, eine Freundesliste oder eine feste Spielrunde wurde. Ob Lagerfeuer das wirklich fördern, wird erst der Alltag zeigen.
Alte Optik bleibt eine Option
Forever bietet neben dem klassischen Erscheinungsbild aufpolierte Charaktere und Umgebungen. Wasser und Beleuchtung werden grundsätzlich überarbeitet. Gleichzeitig soll die alte Optik auswählbar bleiben. Transmog ist ebenfalls vorgesehen, kann aber deaktiviert werden. Das ist vor allem im PvP praktisch, weil Ausrüstung damit weiterhin sichtbar bleibt.
Mit dem Legacy-System will Forever außerdem das Spielen mehrerer Figuren belohnen. Punkte gibt es unter anderem für Levelaufstiege, Berufe sowie Dungeon- und Raid-Abschlüsse. Als Belohnungen sind Erfahrungsvorteile, Begleiter und Reittiere vorgesehen.
Die Beta wird entscheidend
World of Warcraft: Forever nimmt sich viel vor. Neue Zonen, Quests und Instanzen sind die sichtbare Seite des Projekts. Die größeren Folgen haben vermutlich Klassenbalance, realmlose Spielwelten und die Frage, wie weit die Modernisierung gehen darf.
Der erste Eindruck spricht dafür, dass die klassische Identität nicht leichtfertig über Bord geworfen wird. Nun muss die Beta beweisen, ob die vielen neuen Systeme auch zusammenpassen und ob sich Classic wirklich erweitern lässt, ohne seinen eigenen Charakter zu verlieren.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
