Valor Mortis klingt erst wie ein sehr spezieller Pitch: ein Soulslike aus der Ego-Perspektive, angesiedelt in einer verdorbenen Version von Napoleons Armee. Nach den Demo-Eindrücken steckt dahinter aber mehr als nur eine schräge Idee.
Der erste Blick auf das Spiel zeigt einen Soldaten namens William, der offenbar schon gestorben ist und trotzdem wieder aufsteht. In seinem Kopf spricht Napoleon. Um ihn herum liegen Leichen in französischen Uniformen. Die Welt wirkt krank, feindselig und voller Fragen.
Ein Soulslike, aber direkt vor deinen Augen
Valor Mortis setzt auf bekannte Soulslike-Bausteine. Es gibt Ausdauer für leichte und schwere Angriffe. Es gibt Gegner, die dich schnell töten können. Es gibt einen Rastpunkt in Form einer Laterne. Dort wird kurz durchgeatmet und verdientes Geld ausgegeben.
Der große Unterschied ist die Perspektive. Du siehst die Kämpfe nicht von außen, sondern aus Williams Augen. Das verändert den Druck. Ein Säbelhieb kommt frontal auf dich zu. Ein Parry sitzt nicht abstrakt, sondern direkt im Blickfeld. Genau das scheint der Demo gutzutun.
Die einfachen Gegner sind keine großen Taktikrätsel. Viele wirken wie kaputte Reste von Soldaten. Sie taumeln, knurren und greifen an. Trotzdem entsteht Spannung, weil die Ego-Perspektive jeden Fehler enger wirken lässt. Ein Gegner, der in einem Third-Person-Spiel nur Füllmaterial wäre, kann hier unangenehm nah kommen.
William ist kein normaler Soldat
Die Geschichte hält sich in der Demo noch bedeckt, setzt aber sofort Haken. William trägt die Farben der Grande Armée, ist für Napoleon gestorben und steht erneut auf. Gleichzeitig scheint mit seinem Körper etwas nicht zu stimmen. Ein verfärbter Ausschlag taucht auf und verschwindet wieder. Heilung läuft über eine Flasche, deren Inhalt in die Haut eindringt und ebenfalls Spuren hinterlässt.
Dazu kommt Napoleons Stimme im Kopf. Sie gibt Befehle, klingt aber nicht sauber menschlich. Das Spiel stellt dadurch früh eine einfache, starke Frage: Folgt William wirklich Napoleon, oder folgt er nur etwas, das wie Napoleon klingt?
Auch die Begegnungen mit anderen Soldaten werfen Fragen auf. Manche tragen dieselben Farben wie William, greifen ihn aber sofort an. Andere zeigen sichtbare Veränderungen, etwa orangefarbene Wucherungen. Valor Mortis nutzt diese Details nicht nur als Kulisse. Die Demo deutet an, dass die Verderbnis die Regeln dieser Welt bestimmt.
Schwert, Pistole und Flamme
Im Kampf startet William mit dem Schwert. Leichte und schwere Angriffe verbrauchen Ausdauer. Parieren spielt eine wichtige Rolle. Später kommt eine Pistole dazu, genauer gesagt ein Revolver. Sie ergänzt das Schwert und wird nicht nur gegen Gegner genutzt. In der Demo lassen sich damit auch Hindernisse oder seltsame Auswüchse in der Umgebung bearbeiten.
Ein weiterer Schritt ist das Geschenk der Flamme. Damit kommt William durch Gestrüpp, das zuvor den Weg versperrt hat. Der Preis wirkt aber nicht harmlos: Nach dieser Gabe ist er weniger menschlich als vorher. Das passt zum Grundton des Spiels. Fortschritt fühlt sich nützlich an, aber selten sauber.
Solche Fähigkeiten sind wichtig, weil die Demo nicht nur geradeaus läuft. Bereits früh gibt es Wege, die erst später wieder interessant werden. Das ist noch kein Beweis für ein großes, verzweigtes Leveldesign. Es zeigt aber, dass Valor Mortis mehr will als reine Kampfarenen.
Die Welt ist hässlich, aber nicht lieblos
Valor Mortis setzt stark auf Körperhorror. Leichen, Massengräber, verwachsene Innereien, verformte Soldaten und orangefarbene Pusteln gehören zum Bild. Das ist nichts für Spieler, die empfindlich auf Ekelmotive reagieren.
Gleichzeitig scheint die Welt bewusst gebaut zu sein. Die Überreste eines Lagers, zerstörte Kanonen, zerfetzte Fahnen und eine Notiz an den Kommandanten der Garde Éternelle deuten auf eine größere Katastrophe hin. Diese Garde bewacht offenbar etwas Wichtiges und darf nicht zurückweichen. Mehr verrät die Demo nicht, aber sie setzt genug Spuren, um neugierig zu machen.
Spannend ist auch, dass William Erinnerungen sieht, die nicht seine eigenen sind. Damit rückt Valor Mortis näher an Mystery-Horror als an reine Schlachtfeld-Fantasy. Die Kämpfe sind der Motor, aber die Fragen dahinter könnten das Spiel tragen.
Der Schwierigkeitsgrad scheint ernst gemeint
Die Demo lief 30 Minuten. Fast niemand soll sie innerhalb dieses Zeitfensters beendet haben. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Valor Mortis kein lockerer Spaziergang werden will.
Besonders ein Soldat mit Umhang, Hut und Schwert fällt als harte Barriere auf. Er tötet mehrfach und zwingt dazu, Timing und Abstand ernst zu nehmen. Später ist ein Boss zu sehen: General Lothaire. Er wirkt wie ein massiver Körper aus mehreren Männern, trägt einen Fahnenmast, ein riesiges Schwert und mehrere Pistolen an Armen auf seinem Rücken.
Das klingt nach genau der Art Gegner, die ein Soulslike braucht. Nicht nur größer, sondern anders zu lesen. Die Demo zeigt, dass der Spieler Schwachstellen nutzen, Angriffen ausweichen und Gegenfenster finden muss. Wie fair das im fertigen Spiel bleibt, lässt sich daraus noch nicht sicher sagen.
Warum Valor Mortis auf unsere Liste gehört
Valor Mortis hat drei klare Stärken im Ansatz. Erstens die Ego-Perspektive, die bekannte Soulslike-Regeln direkter macht. Zweitens das Setting, das Napoleons Armee nicht als historische Deko nutzt, sondern in Horror verdreht. Drittens die vielen offenen Fragen um William, Napoleon und die Verderbnis.
Risiken gibt es auch. First-Person-Nahkampf ist schwer gut zu treffen. Wenn Trefferfeedback, Paraden oder Ausdauer nicht sauber sitzen, kippt so ein Spiel schnell. Auch die starke Ekeloptik wird nicht jeden abholen.
Trotzdem wirkt Valor Mortis nach dieser Demo wie ein Projekt mit klarer Identität. Es kopiert nicht nur Souls-Elemente, sondern verschiebt sie in einen unangenehmen, engen Blickwinkel. Wenn One More Level die Kämpfe sauber hält und die Rätsel der Welt nicht zu früh erklärt, könnte daraus ein sehr eigenes Soulslike werden.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
