EA Sports FC 27 hat ein klares Problem: Seine beste Seite ist der Fußball selbst, doch die größte Neuheit führt davon weg. The Grounds soll als offene Welt Clubs, Avatar-Fortschritt und Minispiele verbinden. In der Praxis bremsen leere Wege, schwache Aufgaben, technische Fehler und ein ungünstiges Fortschrittssystem den Spielfluss.
Wer klassische Partien, Karriere oder Clubs spielen will, bekommt trotzdem ein starkes Fußballspiel. Besonders die Defensive verlangt mehr Aufmerksamkeit. Das ist eine gute Richtung, denn gewonnene Zweikämpfe fühlen sich wieder nach eigener Leistung an.
The Grounds: Viel Aufwand, wenig Fußball
In The Grounds steuerst du einen erstellten Avatar durch einige Straßenzüge, die sich an Orte in Argentinien, Frankreich und England anlehnen. Dort wählst du eine Rolle, etwa als defensiver Mittelfeldspieler, Passgeber oder Stürmer, und trittst in Minispielen an. Die meisten Aufgaben laufen jedoch auf schnelle Dribblings und Abschlüsse hinaus. Die gewählte Rolle hat dabei deutlich weniger Gewicht als im Clubs-Modus.
Neben Duellen und Rush-Partien gibt es etwa ein Basketballspiel und eine Ballonjagd. Das bringt Abwechslung, baut aber keine dauerhafte Motivation auf. Für die wenigen Wege zwischen den Aktivitäten gibt es sogar einen Teleport. Das sagt viel über den Nutzen der offenen Welt aus: Wer schnell spielen möchte, überspringt sie besser.
Auch die Wartezeiten sind schlecht gelöst. Vor Minispielen sitzt du in einem kleinen Bereich fest, bis genug Mitspielende da sind. Währenddessen kannst du weder frei herumlaufen noch Menüs für Aufgaben oder Verbesserungen öffnen. Bei weniger gefragten Spielen kann die Suche nach Gegnern zusätzlich zäh werden.
Fortschritt mit deutlichem Beigeschmack
Für erledigte Aufgaben gibt es Kleidung, Währung und Verbesserungen für den Avatar. Zusätzliche Erfahrungspunkte und Werte lassen sich aber auch für ungefähr zwei bis sechs Euro beschleunigen. Kosmetikpakete können bis zu zwölf Euro kosten.
Das wird zum Problem, wenn früh Spieler mit weit entwickelten Figuren in direkten Duellen auftauchen. Ohne faires Matchmaking können niedrigere Werte schnell über Sieg oder Niederlage entscheiden. Wer mehrere Rollen aufbauen oder später einsteigen will, bekommt damit einen spürbaren Anreiz, Geld auszugeben.
Ähnlich kritisch bleibt Ultimate Team. Starke Kader hängen weiter eng mit vielen geöffneten Packs zusammen. Doppelte Spieler bringen nur begrenzten Gegenwert. Die Nähe solcher Mechaniken zum Glücksspiel ist auch ein Grund dafür, dass EA Sports FC 27 erstmals eine internationale Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten hat.
Technik und Dialoge bremsen zusätzlich
The Grounds kämpft nicht nur mit seinem Konzept. Im Test traten Abstürze auf, außerdem verschwand der Avatar zeitweise komplett und bewegte sich nur noch als Geist durch die Welt. Die Straßen selbst wirken zudem dünn bevölkert. Einige Figuren wiederholen dieselben Abläufe.
Bekannte Fußballprofis wie Kylian Mbappé und Chloe Kelly führen durch die Aufgaben. Ihre Dialoge bestehen aber vor allem aus kurzen Motivationssätzen und sind unterschiedlich vertont. Das reicht nicht, um den Hub als Ort mit eigener Atmosphäre zu tragen.
Karriere mit besseren Entscheidungen
Zum Glück ist The Grounds kein Pflichtprogramm. Im Karrieremodus kannst du direkt als Trainer loslegen und den Verein führen. Hier passt die Fußball-Atmosphäre, vor allem in den großen Partien.
Das neue Transfersystem bringt mehr Planung in den Kaderbau. Echtzeit-Daten von TransferRoom fließen ein, Verhandlungen und Gespräche werden wichtiger. Nicht jeder Spieler möchte zu jedem Verein wechseln. Als kleiner Klub einen Star zu holen, ist schwerer. Gleichzeitig musst du unzufriedene Leistungsträger im Blick behalten, damit sie nicht zur Konkurrenz wechseln. Das sorgt für nachvollziehbarere Entscheidungen statt schneller Wunschtransfers.
Auf dem Rasen liegt die Stärke
Die wichtigste Verbesserung betrifft das Verteidigen. Die KI nimmt dir weniger Arbeit ab. Wenn du den Ball gewinnen willst, musst du Stellung, Timing und Zweikampf selbst sauber setzen. Das braucht Eingewöhnung, belohnt danach aber gute Reaktionen und kluge Laufwege.
Auch das Ballverhalten wirkt glaubwürdiger. Technisch starke Spieler haben den Ball nicht mehr ständig fest am Fuß. Pässe können verspringen, der Ball prallt ab und Aktionen laufen weniger glatt durch. Zusammen mit den verbesserten Bewegungen entstehen auf dem Platz mehr Situationen, die du wirklich ausspielen musst.
Genau hier sollte die Reihe ansetzen. EA Sports FC 27 ist dann überzeugend, wenn es um Taktik, Zweikämpfe, Kaderplanung und Fußball geht. The Grounds fügt dagegen einen Hub hinzu, der kaum spielerischen Mehrwert liefert und seine Shops zu stark in den Vordergrund stellt.
Für wen lohnt es sich?
Fans von Karriere und klassischen Spielen profitieren von den besseren Transfers sowie dem fordernderen Defensivsystem. Wer Clubs mit einem festen Team spielt, findet dort weiterhin deutlich mehr Tiefe als in den Minispielen von The Grounds.
Für Spieler, die auf eine sinnvolle offene Fußballwelt gehofft haben, ist The Grounds dagegen eine Enttäuschung. Mein Rat ist klar: Nutze die Modi, die auf dem Platz stattfinden, und ignoriere den neuen Hub, wenn er dich nicht anspricht.
Über den Autor
Von FIFA bis Call of Duty, von Farming Simulator bis Age of Empires – ich liebe Games, bei denen Skill, Planung und Reaktion zählen. Ob auf dem virtuellen Schlachtfeld oder im Stadion: Ich spiele smart, schnell und immer mit Spaß. Let’s play smarter, not harder!