Wild West Pioneers möchte eine wachsende Siedlung im Wilden Westen nicht nur zur Rechenaufgabe machen. Neben Holz, Lagern und Wohnraum gibt es kleine Aufträge, Figuren mit Sorgen und Expeditionen auf einer separaten Karte. Das sorgt für willkommene Abwechslung.
Der bisherige Early-Access-Stand macht vieles angenehm verständlich und sieht beim Heranzoomen lebendig aus. Gleichzeitig braucht das Spiel an mehreren Stellen klarere Hinweise und ein besseres Tempo, damit aus der hübschen Westernstadt auch ein rundes Aufbauerlebnis wird.
Der Einstieg bleibt überschaubar
Am Anfang stehen Rathaus, Zelte, Holzfäller und Lagerhäuser. Wer City Builder kennt, findet sich schnell zurecht. Wer neu im Genre ist, kann ein Tutorial zuschalten. Auch die Quests geben eine brauchbare Richtung vor, statt Spielerinnen und Spieler einfach mit vielen Menüs allein zu lassen.
Über die Kartenansicht werden unter anderem Wasser- und Pilzvorkommen sichtbar. Neue Gebäude wie Brunnen oder Sammlerhütten werden mit Questpunkten im Ideenmenü freigeschaltet. Dazu kommen ein Technologiebaum für kleinere Verbesserungen und weitere Ausbaustufen, die nach erfüllten Aufgaben und errichteten Gebäuden erreichbar werden.
Das Grundprinzip ist nachvollziehbar. Einnahmen aus Stadteinrichtungen finanzieren Verbesserungen, während neue Gebäude weitere Möglichkeiten öffnen. Gerade für Menschen, die lieber Schritt für Schritt bauen, kann diese klare Führung gut funktionieren.
Wenn die Produktion ohne Erklärung stehen bleibt
Die größte Baustelle ist derzeit der Spielfluss. Holz kann trotz voll besetzter Arbeitsplätze lange unterwegs sein, obwohl die Wege kurz wirken. Arbeitsstätten lassen sich mit fünf bis zehn Siedlerinnen und Siedlern besetzen, doch Ressourcen erreichen Lager und Baustellen nicht immer in dem Tempo, das man erwartet.
Icons über Gebäuden helfen oft weiter, etwa bei fehlenden Arbeitskräften, vollen Lagern oder einem zu weit entfernten Lagerhaus. Andere Probleme bleiben dagegen zu lange unsichtbar. Bei der Landwirtschaft müssen Felder separat angelegt werden. Wer diesen Schritt übersieht, fragt sich zunächst, warum eine Produktionsstätte nichts abwirft.
Auch die Reichweiten von Brunnen oder Barbieren sind anfangs klein. Gebäude lassen sich zwar unkompliziert versetzen, trotzdem entsteht dadurch mehr Ausprobieren als nötig. Hier würden deutlichere Hinweise vielen Frustmomenten vorbeugen.
Eine Stadt, die nach und nach lebendig wird
Besonders stark ist der Wunsch, die eigene Siedlung schön aussehen zu lassen. Verbesserte Häuser verändern ihr Aussehen und bringen neue Wünsche mit, etwa nach Dekorationen oder bestimmten Gebäuden. Zäune, Pferde, Hunde, Bänke und Blumentöpfe geben den Straßen zusätzlich Leben.
Beim nahen Heranzoomen ist viel Betrieb zu sehen. Einige Arbeitsstätten ähneln sich zwar, doch mit Saloon, Kirche und ausgebauten Wohnhäusern entwickelt die Stadt einen eigenen Western-Look. Das ist ein guter Anreiz für alle, die beim Aufbau nicht nur auf Zahlen schauen wollen.
Kleine Geschichten statt großer Dramatik
Die Geschichte begleitet die Suche nach dem verschollenen Vater. Zu Beginn stehen vier Figuren zur Auswahl, die Wahl verändert den Verlauf aber nicht. Immer wieder kommen Siedlerinnen und Siedler mit kleinen Anliegen vorbei: Eine verschwundene Frau soll gefunden werden, ein Paar braucht ein richtiges Haus oder eine Situation führt überraschend ins Gefängnis.
Diese Episoden lockern den Baualltag auf und sind eine nette Idee. Sie bleiben bisher aber eher kurze Anekdoten. Entscheidungen wirken meist klar vorhersehbar, auch wenn etwa Bürgermeister oder Sheriff mit unterschiedlichen Effekten für die Siedlung bestimmt werden können.
Expeditionen bringen Abwechslung
Regelmäßig verlässt ein Planwagen mit Vorräten die Stadt und fährt über eine gezeichnete Karte zu verschiedenen Orten. Dort warten Händler, Ressourcen oder versteckte Schätze. Die Fundstücke werden in kurzen Wimmelbild-Abschnitten gesammelt.
Spielerisch sind diese Ausflüge bislang einfach, sie bringen aber neue kleine Begegnungen und Quests mit. Manche Erzählstränge führen sogar über mehrere Orte. Für den Rhythmus des Spiels ist das wichtig, weil der Baumodus gerade am Anfang bewusst langsam bleibt.
Für wen sich der Early Access schon lohnt
Schwere technische Probleme fallen im beschriebenen Stand nicht auf. Eine Mission konnte zwar festhängen, der Fortschritt blieb durch andere Wege zu Questpunkten aber möglich. Für einen Early-Access-Titel ist das eine solide Grundlage.
Geplant sind unter anderem neue Quests, Gebäude, Landschaftstypen, Wettereffekte und weitere besuchbare Regionen auf der Strategiekarte. Der Early Access soll ungefähr ein Jahr dauern. Wild West Pioneers eignet sich schon jetzt für Fans eines ruhigen Städtebaus, die ein ungewöhnliches Western-Setting mögen und kleine Stolperstellen akzeptieren können. Wer ein besonders anspruchsvolles Managementspiel oder eine tiefgehende Geschichte sucht, sollte die weiteren Updates abwarten.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.