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Kingdom-Come-Mitgründer fordert mehr Mut von Rollenspielen

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Rollenspiele müssen nicht immer von einer auserwählten Figur handeln, die eine Welt vor dem Untergang rettet. Martin Klima, Mitgründer von Warhorse Studios und an Kingdom Come: Deliverance beteiligt, hält diese bekannte Struktur für zu oft wiederholt.

Sein Punkt ist nicht, dass Machtfantasien grundsätzlich keinen Platz mehr hätten. Klima sieht aber ein Publikum, das nach anderen Konflikten, Figuren und Zielen sucht. Gerade für ein Genre, das von Entscheidungen und Rollen lebt, ist das eine nachvollziehbare Kritik.

Wenn die Formel zur Routine wird

Klima beschreibt sich selbst als Fan von Rollenspielen. Was ihn ermüdet, ist das Muster vom besonderen Helden mit einer übergroßen Mission. Beim wiederholten Einsatz verliere dieses Konzept seine Wirkung, weil Ablauf und Erwartung zu vertraut würden.

Seiner Einschätzung nach orientieren sich viele große Produktionen an Modellen, die sich schon bewährt haben. Das senkt Risiken, kann aber auch dazu führen, dass sich unterschiedliche Reihen in ihrer Grundidee ähnlicher anfühlen, als es ihre Welten und Kampfsysteme vermuten lassen.

Die Kritik richtet sich dabei nicht pauschal gegen jüngere Spieler. Klima verbindet das Bedürfnis nach einer starken Machtfantasie mit einem bestimmten Lebensabschnitt. Zugleich betont er, dass das heutige Publikum älter und damit vermutlich auch breiter in seinen Erwartungen geworden sei.

Technische Qualität allein reicht nicht

Als Beispiel nennt Klima Ubisoft. Er bescheinigt den Spielen des Unternehmens hohe handwerkliche Qualität, etwa bei Animationen und Charaktermodellen. Trotzdem vermisst er häufiger neue Ideen innerhalb dieser aufwendig produzierten Spiele.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Kritik an Wiederholungen bedeutet nicht automatisch, dass ein Spiel schlecht gemacht ist. Gerade große Produktionen können technisch sehr sauber wirken und trotzdem das Gefühl erzeugen, bekannte Aufgaben und Strukturen erneut abzuhaken.

Klima verweist auf seine Erfahrungen mit den ersten Teilen von Assassin’s Creed, Far Cry und Watch Dogs. Diese frühen Spiele hätten ihm Spaß gemacht. Nach vielen ähnlich aufgebauten Folgen stelle sich für ihn aber Ermüdung ein.

Mehr als Rettergeschichten

Für Rollenspiele liegt in dieser Debatte eine klare Chance. Persönlichere Ziele, kleinere Konflikte oder Figuren ohne Sonderstatus können ebenso starke Geschichten tragen wie eine drohende Apokalypse. Entscheidend ist, ob Entscheidungen, Folgen und die Spielwelt einen Grund liefern, weiterzumachen.

Klima nennt keine einfache Lösung für die wirtschaftlichen Risiken großer Experimente. Das ist realistisch: Neue Ansätze kosten Geld und können scheitern. Seine Aussage ist deshalb weniger ein fertiges Rezept als ein Hinweis darauf, dass technische Größe und bekannte Erfolgsformeln nicht dauerhaft dieselbe Begeisterung garantieren.

Er stellt außerdem klar, dass seine Äußerungen nicht als Angriff auf Expedition 33 gemeint seien. Im Kern geht es ihm um die wiederkehrende Grundform vieler Rollenspiele und um die Frage, wie viel Überraschung ein Genre noch zulässt.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.