Ein gutes Remaster muss kein Spiel neu erfinden. Es sollte vor allem die Stellen verbessern, die Spielerinnen und Spieler über viele Stunden ausbremsen. Genau dort setzt The Witcher 3: Wild Hunt Remastered an.
Nach rund zehn Stunden im Gebiet White Orchard und darüber hinaus zeichnet sich ein klares Bild ab: Die bekannte Reise und ihre Geschichte bleiben der Kern. Aber Geralt kommt deutlich besser durch die Welt, Kämpfe laufen kontrollierter und die Charakterentwicklung lässt früher mehr eigene Entscheidungen zu.
Unterwegs sein kostet weniger Geduld
Die größte Erleichterung steckt oft in kleinen Handgriffen. Geralt überwindet Zäune und Höhenunterschiede flinker als früher. Gerade in einem großen Rollenspiel macht das einen Unterschied, weil Erkundung nicht ständig durch hakelige Bewegungen oder unnötige Umwege gebremst wird.
Auch Plötze profitiert sichtbar. Die Steuerung wirkt nachvollziehbarer, das Pferd bleibt seltener an der Umgebung hängen und leichte Berührungen mit Bäumen unterbrechen den Galopp nicht sofort. Besonders praktisch: Materialien wie Kräuter lassen sich nun vom Pferd aus einsammeln. Wer gerne jeden Wegesrand absucht, spart damit viele unnötige Stopps.
Mehr Spielraum für Geralts Build
Die überarbeiteten Fertigkeitsbäume öffnen wichtige Fähigkeiten früher. Statt lange Punkte in einen Zweig investieren zu müssen, bevor sich eine Spezialisierung lohnt, können Spieler ihren gewählten Weg schneller verfolgen.
Das passt gut zu einem RPG, das von unterschiedlichen Spielstilen lebt. Ob man Geralts Hexerzeichen, Schwertkampf oder andere Schwerpunkte ausbauen will, die Entscheidungen fühlen sich weniger durch künstliche Hürden eingeengt an. Für einen erneuten Durchlauf ist das ein guter Grund, andere Ideen auszuprobieren.
Der Kampf verliert viel von seiner alten Unruhe
Die Kämpfe gehörten lange zu den Teilen von The Witcher 3, die nicht so gut gealtert waren wie Welt und Geschichte. Das Remaster verbessert vor allem das Zusammenspiel aus Kamera, Zielerfassung und Gegnerverhalten.
Geralt reagiert schneller, und Gegner verhalten sich aktiver. Sie weichen zurück, starten weniger berechenbare Angriffe oder wechseln ihre Position. Das erreicht noch nicht die Qualität moderner Actionspiele, macht Begegnungen mit Gruppen aber deutlich angenehmer. Wichtig ist auch die überarbeitete Kamera: Sie klebt weniger starr hinter Geralt, und der Wechsel zwischen mehreren Zielen funktioniert zuverlässiger.
Damit verschwinden nicht alle Eigenheiten des alten Systems. Manche Gegner bleiben leicht auszumanövrieren. Trotzdem ist der Fortschritt groß genug, dass Kämpfe weniger gegen die Steuerung und mehr gegen die eigentlichen Gegner stattfinden.
Die Welt wirkt frischer, technische Aussetzer bleiben
Optisch legt das Remaster deutlich zu. Dramatischere Beleuchtung, detailliertere Oberflächen sowie gleichmäßigere Schatten und Reflexionen lassen die Welt moderner wirken. Auch Geralts Haare sehen klarer aus. Ein Fotomodus gibt Spielern zusätzlich die Möglichkeit, die überarbeitete Kulisse festzuhalten.
Auf PC und Konsolen treten weiterhin vereinzelt Einbrüche bei der Bildrate auf. Das ist kein kompletter technischer Neuanfang. Sehr kurze Ladezeiten stehen dem aber positiv gegenüber, und gegenüber dem Original wirkt die technische Seite insgesamt nicht schlechter, sondern klar aufgewertet.
Für wen sich die Rückkehr lohnt
Wer The Witcher 3 bereits liebt, bekommt mit dem kostenlosen Update zur vorhandenen Originalversion die bislang rundeste Fassung. Die Änderungen respektieren, was das Spiel ausmacht, und nehmen vielen alten Komfortproblemen ihre Schärfe.
Für Neueinsteiger ist es ebenfalls ein guter Zeitpunkt: Die Welt, die Geschichte und Geralts Reise stehen weiterhin im Mittelpunkt, während Bewegung, Builds und Kämpfe heute deutlich besser mit dem Umfang eines langen Rollenspiels zusammenpassen. Kleine technische Schwächen bleiben, aber sie ändern wenig daran, dass dieses Remaster eine spürbar angenehmere Art ist, in den Norden zurückzukehren.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.