Star Citizen hat eine Grenze überschritten, die selbst in dieser Branche ungewöhnlich ist: mehr als eine Milliarde US-Dollar an eingeworbenen Mitteln. Das Geld stammt aus dem Crowdfunding-Modell von Cloud Imperium Games, dessen Finanzierungsstand öffentlich einsehbar ist und stündlich aktualisiert wird.
Der Zeitpunkt sorgt für Diskussionen. Kurz vor dem Meilenstein startete im Rahmen der DefenseCon der Verkauf neuer virtueller Schiffe. Besonders im Mittelpunkt steht die Anvil Odin, ein Großraumschiff für 5.000 US-Dollar, das aktuell noch nicht im Spiel geflogen werden kann.
Eine Milliarde Dollar und ein sehr teures Versprechen
Cloud Imperium Games weist die Einnahmen über die eigene Website aus. Am 24. Mai kamen demnach in nur einer Stunde 6.624.741 US-Dollar hinzu. Das Ingame-Event DefenseCon, bei dem neue Raumschiffe angeboten wurden, hat den Sprung über die Milliardenmarke offenbar deutlich beschleunigt.
Star Citizen ist damit erneut ein Sonderfall. Seit dem Start der Crowdfunding-Kampagne vor 14 Jahren begleitet das Projekt eine Mischung aus Faszination, Geduld und harter Kritik. Die zentrale Frage bleibt: Wann wird aus dem ambitionierten Weltraumprojekt ein vollständig veröffentlichtes Spiel?
Die Antwort ist weiter offen. Genau deshalb entzündet sich die Debatte immer wieder an den Verkäufen virtueller Schiffe. Einige davon kosten mehrere Tausend Dollar. Manche sind beim Verkauf noch nicht spielbar.
Was die Anvil Odin ist
Die Anvil Odin wurde als Limited Vehicle Concept Pledge angeboten. Das bedeutet laut Cloud Imperium Games: Das Schiff befindet sich noch in Entwicklung und ist noch nicht bereit für den Einsatz in Star Citizen. Es soll später per Patch als spielbarer Inhalt erscheinen. Ein Datum dafür gibt es nicht.
Wer die Odin kauft, erhält bis dahin ein Leihfahrzeug. Der Preis liegt bei 5.000 US-Dollar als Warbond. Bei Zahlung mit Store-Guthaben werden 5.900 US-Dollar genannt. Warbond meint in diesem Zusammenhang: Der Kauf ist nur mit neuem Echtgeld möglich, nicht mit Guthaben aus zuvor eingetauschten oder eingeschmolzenen Schiffen.
Die Daten des Schiffs zeigen, warum es im Spiel eine andere Rolle einnehmen soll als ein normaler Jäger. Die Odin ist 752 Meter lang, 222 Meter breit und 213 Meter hoch. Gedacht ist sie für eine Crew von 33 bis mehr als 65 Spielenden.
Erst bewerben, dann kaufen
Ungewöhnlich ist auch der Zugang. Interessierte mussten sich für den Odin Founders Club bewerben und in einem Text erklären, warum sie eine Anvil Odin besitzen möchten. Danach wurde der Verkauf in mehreren Wellen für Personen geöffnet, die diese erste Zugangsstufe bestanden hatten.
Cloud Imperium Games beschreibt die Aktion als Würdigung von Gruppen, Organisatoren und Spielenden, die große Multiplayer-Erlebnisse in Star Citizen umsetzen wollen. Kritiker sehen darin eher eine künstliche Hürde vor einem sehr teuren Kauf.
Aus Sicht von CIG finanzieren solche Pledge-Schiffe die weitere Entwicklung. Das Studio betont außerdem, dass diese Schiffe im finalen Universum auch gegen Ingame-Credits verfügbar sein oder auf andere Weise erspielt werden sollen. Für den Start oder Erfolg im Spiel sollen sie nicht nötig sein.
Warum der Streit nicht verschwinden wird
Der neue Finanzierungsrekord zeigt zwei Dinge gleichzeitig. Star Citizen hat weiterhin eine zahlungsbereite Community. Und das Projekt bleibt ein Reizthema, weil sein Geschäftsmodell weit über das hinausgeht, was viele Spieler von klassischen Spielen kennen.
Ein 5.000-Dollar-Schiff, das noch nicht fliegbar ist, wirkt für Außenstehende wie ein Warnsignal. Für Teile der Community ist es ein Beitrag zu einer Vision, die nur durch lange Entwicklung und hohe Finanzierung möglich sein soll. Beide Sichtweisen werden durch die Milliardenmarke eher verstärkt als entschärft.
Squadron 42 soll näher rücken
Neben dem Finanzierungsrekord gibt es auch neue Aussagen zu Squadron 42. Das Einzelspieler-Projekt soll noch in diesem Jahr erscheinen und befindet sich laut CIG-Chef Chris Roberts in der Endphase der Entwicklung.
Roberts ist durch Wing Commander bekannt. Für Squadron 42 sind mehrere prominente Darsteller genannt, darunter Mark Hamill, Gillian Anderson, Henry Cavill, Gary Oldman und Mark Strong. Roberts verglich die lange Arbeit am Projekt in einem Interview mit der Möglichkeit, sich ähnlich viel Zeit für eine persönliche Vision zu nehmen, wie James Cameron es bei Avatar getan habe.
Für Star Citizen selbst gibt es weiterhin keinen festen Veröffentlichungstermin. Berichtet wird von einem möglichen vollständigen Release 2027 oder 2028, beziehungsweise ein bis zwei Jahre nach Squadron 42. Bis dahin bleibt Star Citizen eines der spannendsten und umstrittensten Experimente der Spielebranche.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
