Assassin’s Creed Black Flag Resynced klingt nach genau der Art Remake, die viele ältere Spiele brauchen: nicht neu erfunden, aber spürbar entrümpelt. Die Neuauflage bleibt beim Piratenabenteuer um Edward Kenway, rückt aber einige alte Reibungspunkte zur Seite. Ab dem 9. Juli soll das Spiel für alle verfügbar sein.
Für mich ist dabei weniger spannend, ob Black Flag noch Black Flag ist. Das scheint der Fall zu sein. Interessanter ist, dass Ubisoft offenbar verstanden hat, wo frühe Assassin’s-Creed-Teile heute schwerfällig wirken: beim Schleichen, bei Missionsfehlern, beim HUD und bei den Übergängen zwischen heimlichem Vorgehen und offenem Kampf.
Die alte Geschichte bleibt, der Animus-Teil schrumpft
Die Grundhandlung bleibt erhalten. Ergänzt werden neue Nebenstränge, die Lücken in der Geschichte füllen sollen. Dazu kommen neue Figuren und zusätzliche Erzählteile, die im ursprünglichen Black Flag nicht enthalten waren.
Gestrichen wurde dagegen die Neuzeitgeschichte rund um den Animus. Ganz verschwunden ist dieser Bereich aber nicht. In der Spielwelt liegen Erinnerungsfragmente, mit denen sich Stück für Stück ein Kurzfilm freischalten lässt. Das ist eine klare Verschiebung: weniger Unterbrechung, mehr Piratenabenteuer am Stück.
Schleichen wirkt endlich weniger starr
Eine der wichtigsten Änderungen ist schlicht, aber groß: Edward kann nun jederzeit in die Hocke gehen. Für moderne Spieler klingt das selbstverständlich. In den frühen Teilen der Reihe war es das nicht. Black Flag Resynced übernimmt damit eine Bewegungsfreiheit, die erst später in der Serie selbstverständlich wurde.
Auch Verfolgungsmissionen wurden entschärft. Wer beim Beschatten entdeckt wird, landet nicht mehr automatisch in der Desynchronisation mit Ladebildschirm. Stattdessen entsteht ein offener Kampf. Das nimmt den Missionen nicht jede Spannung, aber es verhindert den alten Frust, wenn ein kleiner Fehler sofort den Ablauf abwürgt.
Passend dazu lässt sich das HUD auf Knopfdruck abschalten. Das unterstützt einen stärkeren Fokus auf die Welt, ohne aus Black Flag plötzlich ein völlig anderes Spiel zu machen. Die Hauptgeschichte bleibt ein geradliniges Action-Adventure. Nebenmissionen, Inseln und Punkte auf der Karte gibt es weiterhin, aber der Kern ist klar geführt.
Kämpfe an Land setzen auf Tempo statt Zahlenbau
Das Kampfsystem soll flüssig sein und Kettenangriffe sowie Fähigkeiten erlauben, ohne sich in Skillpunkten oder verschachtelten Talentbäumen zu verlieren. Das passt zu Black Flag. Hier geht es weniger um perfekte Werteplanung, mehr um saubere Reaktionen und den richtigen Moment.
Viele Auseinandersetzungen laufen über Paraden und anschließende Exekutionen. Wer genauer spielt, nutzt zusätzliche Werkzeuge. Genannt werden unter anderem eine Pistole, ein Seil-Wurfmesser und schmutzige Tricks wie Tritte gegen die Beine der Gegner. Das klingt nach einem Kampfsystem, das nicht komplizierter werden will, sondern griffiger.
Auf See wird es flexibler und gefährlicher
Die Seeschlachten bleiben ein zentraler Teil von Black Flag Resynced. Neu ist, dass jede Schiffwaffe einen zweiten Feuermodus hat. Dadurch entstehen mehr Optionen, wenn du ein gegnerisches Schiff stellen oder auf Distanz bleiben willst.
Der später freischaltbare Mörser bringt hohe Reichweite und starken Schaden, verlangt aber Timing. Das Geschoss schlägt nicht sofort ein, während sich Schiffe weiterbewegen. Wer nur stumpf in die Breitseiten fährt, kann den eigenen Kahn trotzdem verlieren. Das ist wichtig, denn Seeschlachten sollten nicht nur gut aussehen, sondern auch Entscheidungen verlangen.
Meer, Haie und Wetter machen Druck
Neben Gefechten gibt es weitere Aktivitäten auf dem Wasser. Beim Tauchen nach Schätzen sind Haie eine Gefahr. Beim Speerfischen wird der Spieß umgedreht: Von einem kleinen Boot aus werden Haie mit Harpunen getroffen und ziehen das Boot durch den Ozean. Das wird als deutlich brutal beschrieben und ist nichts, was man als leichte Nebenbeschäftigung verkaufen sollte.
Eine weitere Neuerung ist dynamisches Wetter. Stürme können plötzlich aufziehen, Shantys abbrechen lassen und die Stimmung auf See stark verändern. Die neue Engine soll Black Flag Resynced dadurch lebendiger wirken lassen als das Original.
Auch optisch wurde sichtbar nachgearbeitet. Neben besserer Grafik wurden Animationen und Gesichter angepasst. Bei Edward Kenway floss dabei Feedback mehrerer Community-Playtester ein, damit die Figur näher an der Erinnerung vieler Fans liegt, nur eben mit modernerer Darstellung.
Für wen das Remake interessant wird
Black Flag Resynced richtet sich klar an zwei Gruppen. Erstens an Fans des Originals, die das Piraten-AC ohne alte Bedienhaken noch einmal spielen wollen. Zweitens an Spieler, die Black Flag damals verpasst haben und heute keine Lust auf ein sichtbar gealtertes Action-Adventure haben.
Wichtig ist: Das Remake scheint kein radikaler Neubau zu sein. Es bleibt beim linearen Kern, bei Inseln, Nebenaufgaben, Schleichwegen, Kämpfen und Seeschlachten. Genau darin liegt aber der Reiz. Wenn die Änderungen im fertigen Spiel halten, was die Anspielversion zeigt, könnte Resynced ein sehr vernünftiger Weg zurück zu einem der ungewöhnlichsten Assassin’s-Creed-Teile werden.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.