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Preview

The Sinking City 2: Horror aus Wasser, Krieg und Wahnsinn

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

The Sinking City 2 löst sich deutlich vom Detektiv-Adventure des Vorgängers. Frogwares setzt stärker auf Survival-Horror, knappe Mittel, verschlossene Wege, Monsterdruck und eine Stadt, die sich nicht wie Kulisse anfühlt, sondern wie ein kranker Körper.

Interessant ist dabei nicht nur der Genrewechsel. Das ukrainische Team arbeitet weiter unter Kriegsbedingungen. In der Preview wirkt das nicht wie eine Randnotiz, sondern wie ein Einfluss, der sich in Klang, Bildern und Stimmung bemerkbar macht.

Arkham fühlt sich feucht, kalt und unsicher an

Die Preview führt nach Arkham, einen Ort mit klarem Lovecraft-Bezug. Anstelle von Charles Reed steht nun Calvin Rafferty im Mittelpunkt. Er ist Okkultist und Abenteurer, nicht mehr der Privatdetektiv und Kriegsveteran aus dem ersten Teil. Dadurch verschiebt sich auch der Ton. Es geht weniger um klassische Ermittlungsarbeit und stärker um eine persönliche Geschichte mit Schuld, Rettung und Verzweiflung.

Schon die beschriebenen Startmomente setzen auf körperliches Unbehagen. Calvin bewegt sich mit kleiner Lampe durch verfallene, nasse Gebäude. Wände, Böden und Fassaden wirken aufgeweicht. Wasser ist überall. Es tropft, steht in Straßen, frisst sich durch Räume und macht Arkham zu einem Ort, in dem nichts stabil scheint.

Dazu kommen Kreaturen, die nicht nur als Gegner funktionieren. Manche wirken insektenartig, andere erinnern an etwas aus der Tiefe. Ein früher Angriff durch ein spinnenähnliches Wesen endet in einem kurzen Reaktionsmoment, bei dem Calvin das Ding abschütteln muss. Das passt zur neuen Ausrichtung: The Sinking City 2 will nicht nur neugierig machen, sondern dich unter Druck setzen.

Ermitteln bleibt, ist aber nicht mehr der Kern

Der erste Teil war im Kern ein Adventure mit Horror-Anteilen. Der Nachfolger dreht dieses Verhältnis offenbar um. Investigation ist weiter vorhanden, aber eher als nützliche Zusatzebene. Wer genauer sucht, findet mehr Hintergrund, Geheimnisse und Ressourcen. Wer direkter spielt, soll die Handlung trotzdem vorantreiben können.

Das ist ein wichtiger Punkt. Viele Horrorspiele verlieren Tempo, wenn jedes Detail Pflicht wird. The Sinking City 2 scheint hier flexibler zu werden. Gründliches Erkunden soll belohnen, aber nicht blockieren. Für Survival-Horror kann das gut funktionieren, wenn Ressourcen, Rätsel und Wege sauber ineinandergreifen.

Die Levelstruktur wirkt laut Preview verwinkelt, aber nachvollziehbar. Hindernisse sind nicht nur Barrieren. Eingestürzte Treppen, überflutete Straßen und verbarrikadierte Wege erzählen etwas über den Zustand der Stadt. Arkham ist kein sauber gebauter Parcours, sondern ein Ort, der kaputtgeht.

Lovecraft als Werkzeug, nicht nur als Monsterkiste

Frogwares nutzt Lovecraft nicht nur für Tentakel, Portale und Fischwesen. Der Mythos dient als Rahmen für das Unbegreifliche. Das Studio trennt dabei offenbar stärker zwischen der problematischen historischen Person Lovecraft und den erzählerischen Möglichkeiten seines Kosmos.

Eine Szene aus der Preview bringt das gut auf den Punkt: Ein Bibliothekar hat sich die Augen entfernt und durch wurmartige Tentakel ersetzt. Das ist Ekel-Horror, aber nicht nur Schockeffekt. Es zeigt, dass in dieser Welt sogar der menschliche Körper verhandelbar wird. Normalität hat keinen festen Boden mehr.

Solche Wesen werden als Verbindung zum Leben unter dem Meer beschrieben. Das passt zur Rolle des Wassers. Es ist hier keine hübsche Oberfläche und kein reiner Leveltrenner. Es ist Naturgewalt, Bedrohung und langsame Zersetzung. Jeder kennt nasse Schuhe, kalte Luft und Regen. The Sinking City 2 zieht genau dieses bekannte Unbehagen in den Horror.

Das Boot bleibt einer der starken Momente

Ein größerer Abschnitt der Preview spielt in einem überfluteten Stadtbezirk. Calvin bewegt sich mit dem Boot durch Gassen, vorbei an halb versunkenen Fassaden und verlassen wirkenden Häusern. Das erinnert an den Vorgänger, wirkt aber stärker auf Horror getrimmt.

Wichtig ist dabei die Ruhe zwischen den Angriffen. Arkham wirkt nicht einfach leer. Es wirkt beobachtend. Vereinzelt leben noch Menschen dort, aber die Stadt scheint den Punkt überschritten zu haben, an dem sie gerettet werden kann.

Ein Friedhofsmoment bleibt besonders hart: Ein Schlüssel liegt bei einer Leiche, die am Tisch sitzt, als wäre sie nur eingeschlafen. Der Tod wird nicht groß inszeniert. Er steht da, fast beiläufig. Genau dadurch bekommt die Szene Gewicht.

Das Asylum zieht den Horror enger

Der zweite große Preview-Abschnitt führt in ein Asylum auf einem Hügel. Dort fehlt das Wasser weitgehend. Stattdessen setzen starke Rot- und Grüntöne einen anderen Akzent. Die Räume werden enger, die Konfrontationen direkter, zombieartige Gegner erhöhen den Druck.

Das klingt nach einem bewussten Wechsel im Rhythmus. Die Stadt liefert Weite, Unsicherheit und langsamen Verfall. Das Asylum konzentriert die Bedrohung. Für ein Survival-Horror-Spiel ist diese Abwechslung wichtig, solange sie nicht nur aus Kulissenwechseln besteht.

Auch Rätsel bleiben Teil des Spiels. Sie orientieren sich am okkulten Hintergrund und sollen die Erkundung ergänzen. Wie anspruchsvoll sie im fertigen Spiel werden, lässt sich aus der Preview noch nicht sicher ableiten.

Der Sound scheint das eigentliche Rückgrat zu sein

Lead Sound Designer und Komponist Viacheslav Pakalin beschreibt die Stadt sinngemäß als Ort, der sich akustisch nass, kalt und unangenehm anfühlen soll. Genau dort scheint The Sinking City 2 seine stärkste Wirkung zu entwickeln.

Die Klangwelt arbeitet mit Tropfen, Schmatzen, Regen, metallischem Kratzen und tiefen Frequenzen, die körperlichen Druck erzeugen sollen. Hohe Geräusche schneiden dagegen in die Oberfläche. Das Ziel ist klar: Räume sollen nicht nur gezeigt werden. Man soll sie spüren.

Ein Beispiel sind verlassene Autos, deren Metall im Wind seltsame Töne erzeugt. Solche Details sind leicht zu überhören. Sie sind aber wichtig, weil sie die Stadt auch dann erzählen lassen, wenn gerade kein Gegner angreift und keine Figur spricht.

Der Krieg sitzt im Hintergrund

The Sinking City 2 entsteht unter Bedingungen, die weit von normaler Spieleproduktion entfernt sind. Eine Einblendung zu Beginn weist auf die Lage des Teams hin. Laut den Angaben sind 95 Prozent der Teammitglieder in der Ukraine geblieben. Stromausfälle, Luftalarm und die dauerhafte Nähe des Krieges begleiten die Arbeit.

Pakalin spricht dabei ausdrücklich aus seiner eigenen Perspektive. Er beschreibt die Entwicklung als Verarbeitung dessen, was er und andere erleben. Besonders beim Sound wird das greifbar. Glissando-Effekte erinnern ihn an die Wellenform von Luftschutzsirenen. In einer Szene wird Feuerwerk mit Klängen verbunden, die an Flugabwehr erinnern.

Das macht The Sinking City 2 nicht automatisch zu einem Spiel über den Krieg. Aber es wäre naiv, diese Ebene völlig auszublenden. Verfall, Sirenen, leere Straßen, Leichen und Routine im Ausnahmezustand wirken in der Preview wie mehr als reine Lovecraft-Dekoration.

Technisch weiter, aber noch nicht fertig

Die etwa zweistündige Preview lief auf dem PC. Technisch wirkt der Nachfolger deutlich dichter als der erste Teil. Die Umgebungen zeigen mehr Details, die Stadtpanoramen arbeiten mit schiefen Dächern, kaputten Fassaden und improvisierten Barrikaden. Auch der Ton scheint viel Verantwortung für die Wirkung zu tragen.

Ganz rund ist der spielerische Eindruck aber noch nicht. Kamera und Gamepad-Steuerung fielen in der Preview auf. In den Standardeinstellungen reagierte die Kamera zu empfindlich. Nach Anpassungen in den Optionen wurde das Spielgefühl besser. Für das finale Spiel bleibt wichtig, wie präzise sich Zielen, Ausweichen und Ressourcenverwaltung unter Druck anfühlen.

Ein Termin steht noch nicht fest. Frogwares peilt Sommer 2026 an. Neben PC soll The Sinking City 2 auch für Xbox Series und PS5 erscheinen.

Warum diese Preview im Kopf bleibt

The Sinking City 2 wirkt wie ein Nachfolger, der seine Richtung klarer gefunden hat. Weniger Detektiv-Abenteuer, mehr Survival-Horror. Weniger reine Mythos-Verweise, mehr körperliches Unbehagen. Weniger saubere Trennung zwischen Fiktion und Realität, mehr persönliche Spannung im Material.

Ob das fertige Spiel die Balance hält, ist noch offen. Ressourcen, Kampf, Rätsel und Ermittlung müssen zusammenpassen. Die Preview deutet aber an, dass Frogwares hier nicht nur größer oder düsterer werden will. Das Studio scheint seinen Horror bewusster zu setzen.

Für Horrorfans ist das spannend. Für Spieler, die den ersten Teil vor allem wegen der Ermittlungen mochten, könnte der Wechsel härter ausfallen. Wer Survival-Horror, Lovecraft-Motive und eine dichte Klangwelt sucht, sollte The Sinking City 2 im Blick behalten.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.