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The Expanse: Osiris Reborn zeigt starke Sci-Fi, aber noch Ecken

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

The Expanse: Osiris Reborn wirkt auf den ersten Blick wie ein klarer Kurswechsel für Owlcat Games: weg von der isometrischen Distanz, hin zu einem Third-Person-Action-RPG mit Deckung, Gadgets und viel direktem Druck.

Die spielbare Vorbesteller-Beta umfasst eine gut einstündige Mission. Sie ist ab dem 22. April 2026 für Käufer des Miller’s Pack für 80 Euro oder der Collector’s Edition für 289 Euro direkt bei Owlcat zugänglich. Der Ausschnitt reicht noch nicht für ein Urteil über das ganze Spiel, zeigt aber gut, wohin die Reise gehen soll.

Ein Einstieg kurz vor der Katastrophe

Osiris Reborn setzt im bekannten The-Expanse-Universum an. Erde, Mars und der Asteroidengürtel leben in einer Zukunft mit klaren politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bruchlinien nebeneinander. Die Beta-Mission führt in die Ereignisse rund um Eros hinein, also an einen Ort, an dem eine außerirdische Substanz und die Experimente eines Konzerns eine zentrale Rolle spielen.

Ihr startet nicht als großer Held, sondern als Überlebende oder Überlebender einer Flucht. Der eigene Charakter kann als Gürtler oder Erder angelegt werden und ist als Hacker oder Offizier unterwegs. Begleitet werdet ihr von eurem Zwilling J, dessen Geschlecht vom eigenen Charakter abhängt.

Diese Figur ist mehr als ein Kommentar aus dem Off. J kämpft mit, nutzt eigene Fähigkeiten und bringt außerhalb der Gefechte eine persönliche Note in die Gespräche. Gerade diese Geschwisterbindung könnte wichtig werden, wenn das fertige Spiel über die geplanten 30 bis 40 Stunden tragen soll.

Die Welt wirkt glaubwürdig, weil sie nicht glatt ist

Der stärkste Punkt der Beta ist die Umsetzung des Settings. Gürtler sprechen nicht nur mit Begriffen aus Belter Creole, sie nutzen auch passende Gesten. Das ist mehr als Dekoration, weil diese Kultur im Universum stark durch Arbeit und Leben im All geprägt ist.

Auch die Körper der Gürtler fallen auf. Sie sind größer und schlanker gebaut als viele andere Menschen auf der Station. Dazu kommen Gesichter mit Augenringen, Falten, unreiner Haut oder Rasierpickeln. Das klingt klein, hilft aber, weil die Figuren nicht wie polierte Platzhalter wirken.

Die Stationen selbst setzen auf einen harten Sci-Fi-Look. Technische Aufbauten, zurückhaltende Lichtquellen und sichtbare Details geben der Umgebung eine nüchterne Glaubwürdigkeit. Wer The Expanse wegen genau dieser bodennahen Zukunft mag, dürfte hier schnell andocken.

Deckung, Gadgets und ein Zwilling an eurer Seite

Die Kämpfe laufen in Third-Person-Perspektive. Deckung ist wichtig, denn Gegner nutzen erhöhte Positionen und flankierende Angriffe. Wer einfach offen stehen bleibt, wird schnell bestraft.

J lässt sich im Kampf gezielt einsetzen. Eine Granate zur richtigen Zeit kann eine Gegnergruppe ausdünnen. Ein Hacker-Drohnenschwarm kann Feinde vorübergehend ausschalten. Das bringt eine taktische Ebene hinein, ohne das System gleich zu überladen.

Interessant wird es auf der Außenhülle der Station. Magnetstiefel erlauben Bewegung im All, während sich die Perspektive dem aktuellen Standort anpasst. Das kann Gefechte lesbarer und zugleich ungewohnter machen, weil Deckung und Winkel anders funktionieren als in einem normalen Korridor.

Nicht alles sitzt schon sauber. Kampfanimationen beim Deckungswechsel oder beim Einsatz von Gadgets wirken in der Beta noch hakelig. Auch eine schwerelose Szene verschenkt Potenzial, weil der gefährlichste Teil als Zwischensequenz läuft, statt euch selbst handeln zu lassen.

Rollenspiel ohne Zahlenwand

Das Fähigkeitensystem bleibt nach den bisherigen Eindrücken überschaubar. Je nach Hintergrund sind bereits Punkte in Kampf- und Erkundungsbereiche verteilt. Dadurch verursacht ihr mehr Schaden oder bekommt bessere Chancen in Gesprächen.

Das klingt weniger nach riesigem Charakterbau und mehr nach klaren Entscheidungen, die auch Einsteiger verstehen können. Für ein Action-RPG ist das sinnvoll, solange die späteren Stunden genug Unterschiede zwischen Builds bieten.

Abseits der Hauptmission gibt es Nebenaufgaben. Dazu zählen etwa der Transport eines Bildes für die Mutter eines Kollegen oder ein mysteriöses Raumsignal. Solche Aufgaben findet ihr durch Erkundung und über Nachrichten in der Umgebung.

Beim Loot zeigt sich noch Arbeit. Ihr sammelt Geld, Ausrüstung und Handwerksmaterial. Crafting ist in der Beta aber noch nicht nutzbar. Das Ausrüsten neuer Gadgets wirkt außerdem umständlich, weil ihr euch durch mehrere Plätze für Waffen, Rüstung und Gadgets klicken müsst, um passende Funde zu finden.

Was der Beta-Ausschnitt verspricht

Osiris Reborn macht vieles richtig, wenn es um Stimmung geht. Das Spiel erklärt seine Welt nicht nur über Dialoge, sondern über Körper, Sprache, Nachrichten und Räume. Das ist genau der Teil, der bei The Expanse wichtig ist.

Die Kämpfe haben ebenfalls Substanz. Deckung, Begleiterfähigkeiten, Gadgets und Gegnerpositionen sorgen schon auf normalem Schwierigkeitsgrad für Bewegung. Wer direkt schwer startet, dürfte aber eine steile Eingewöhnung erleben, zumal die Beta noch kein richtiges Tutorial bietet.

Entspannend ist das Wiederbelebungssystem. Euer Zwilling kann euch mit gefundenen Medikamenten zurückholen. Umgekehrt helft ihr J auf dieselbe Weise. Alternativ setzen faire Speicherpunkte ein, wenn es schiefgeht.

Der wichtigste offene Punkt bleibt die Vielfalt. Eine lineare, gut gebaute Mission kann stark wirken. Ein komplettes Action-RPG über 30 bis 40 Stunden braucht aber mehr: bessere Bedienung beim Loot, saubere Animationen und Missionen, die den guten ersten Eindruck nicht nur wiederholen.

Für Fans von The Expanse ist Osiris Reborn damit schon jetzt spannend. Für Neulinge könnte es ebenfalls funktionieren, weil die Beta nicht voraussetzt, dass man jede Fraktion und jedes Ereignis vorher kennt. Wenn Owlcat die Kanten glättet, steht hier ein ernstzunehmendes Sci-Fi-Rollenspiel in den Startlöchern.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.