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Masters of Albion im Preview: Molyneux baut wieder Götterlaune

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Masters of Albion wirkt wie ein Spiel, das Peter Molyneux sehr bewusst an seine alten Stärken anschließt: eine göttliche Hand, schräge Untertanen, britischer Humor, Gut und Böse, dazu ein Albion, das an Fable erinnert.

Die Early-Access-Fassung auf Steam zeigt schon jetzt, warum God-Game-Fans genauer hinsehen sollten. Sie zeigt aber auch, warum ein Kauf zum Start keine Selbstverständlichkeit ist.

Albion hängt an einer Hand

Masters of Albion stammt von 22cans und ist seit dem 22. April im Early Access auf Steam verfügbar. Der Preis liegt bei rund 25 Euro. Im Mittelpunkt steht ein Auserwählter, der in einer Welt voller Umbrüche landet. Wissenschaftlicher Fortschritt trifft auf dunkle Mächte, und schon früh führt der Weg in eine Krypta mit einem Thron.

Dort wird aus der Spielfigur keine klassische Heldengestalt, sondern eher eine gefesselte Schnittstelle zur Welt. Eine abgetrennte, göttliche Hand wird zum Werkzeug, mit dem du Gebäude, Objekte und Bewohner beeinflusst. Wer Black & White kennt, versteht die Grundidee sofort.

Die Anleihen an ältere Molyneux-Spiele sind nicht versteckt. Populous, Dungeon Keeper, Black & White und Fable stehen deutlich im Raum. Masters of Albion will aber kein reines Retro-Zitat sein. Es vermischt Aufbau, kleine Produktionsketten, direkte Heldensteuerung und nächtliche Verteidigung.

Aufbau mit kleinen Produktionsketten

Dein Reich wächst über Gebäude wie Farmen, Fabriken, Minen, Mühlen, Sägewerke und Wasseraufbereitung. Die Abläufe bleiben in der bisherigen Fassung eher überschaubar, sind aber ineinander verschachtelt. Felder brauchen Wasser, Getreide geht in die Mühle, Mehlsäcke landen in der Fabrik, daraus entstehen Waren für den Handel.

Interessant wird es, weil Masters of Albion den trockenen Aufbau immer wieder mit kleinen Mini-Spielen bricht. In der Fabrik entwirfst du etwa Speisen per Drag and Drop. Eine Kundenbestellung gibt grob vor, was gefragt ist. Danach kombinierst du Zutaten, lässt ein Testsubjekt probieren und sammelst bei Erfolg Sterne.

Diese Sterne füllen einen Gunst-Balken. Daraus entstehen Gunstmünzen, mit denen du im Talentbaum neue Hand-Fähigkeiten, Zauber, Gebäude-Upgrades und Rezepte freischaltest. Der Technikbaum ist in vier Bereiche aufgeteilt.

Die göttliche Hand greift auch direkt in die Arbeit deiner Leute ein. Du kannst Ressourcen selbst von einem Ort zum anderen tragen oder Produktionsgebäude per gedrücktem Klick beschleunigen. Das ist am Anfang schön greifbar. Nach vielen Wiederholungen kann genau diese Handarbeit aber auch zäh werden.

Helden sind mehr als nur Kämpfer

Eine wichtige Rolle spielt die Heldengilde. Dort rekrutierst du Helden, anfangs für 250 Pfund. Diese Figuren brauchst du, um neue Gebiete freizulegen, Quests zu lösen und nachts gegen Angreifer zu bestehen.

Die Welt wird durch Miasma-Nebel begrenzt. In solchen Regionen kann sich die Hand zwar bewegen, aber nicht mit der Umgebung arbeiten. Um das zu ändern, übernimmst du einen Helden aus der Third-Person-Perspektive, suchst einen zerstörten Obelisken und setzt ihn in einem einfachen Puzzle wieder zusammen.

Diese direkte Kontrolle ist einer der auffälligsten Genre-Wechsel im Spiel. Sie gibt Masters of Albion mehr Körperlichkeit als eine reine Göttersimulation. Gleichzeitig wirkt das Erkunden aus Heldenperspektive bislang noch nicht stark genug, weil du aus der Hand-Perspektive ohnehin viel von der Welt überblickst.

Nachts wird Albion angegriffen

Der zweite große Block ist die Verteidigung. Jede Nacht greifen untote Kreaturen an. In der Early-Access-Fassung bestimmst du noch selbst per Knopfdruck, wann die Nacht beginnt. Sobald es dunkel wird, musst du Helden platzieren, Verteidigungen nutzen und selbst mit der Hand eingreifen.

Zur Abwehr gehören Palisaden, Türme mit Ballisten und später Katapulte. Dazu kommen Lichtblitze, Feuerbälle, Felsbrocken, explosive Fässer und Fähigkeiten wie ein Fingerschnipp gegen niedrigstufige Untote. Wenn eine Kreatur den Thronsaal erreicht, endet der Versuch. Aktuell wird dann auf die Mittagszeit des vorherigen Tages zurückgespult, Schäden an der Infrastruktur bleiben aber bestehen.

Gerade diese Angriffe scheinen schon jetzt der druckvollste Teil zu sein. Wenn eine Verteidigungslinie fällt und die Gegner Richtung Krypta laufen, verlangt Masters of Albion Aufmerksamkeit und gutes Umsetzen. Für überstandene Nächte gibt es Gunstmünzen und teils neue Crafting-Rezepte.

Humor, Stimmen und kleine Macken

Albion setzt stark auf britischen Humor. Questgeber nehmen den göttlichen Status nicht immer ehrfürchtig ernst. Eine Mission mit entlaufenen Hühnern zeigt gut, welchen Ton das Spiel sucht: Statt die Tiere einfach mit der Hand zu greifen, müssen sie per Kick in Richtung Gehege befördert werden.

Auch die Vertonung fällt positiv auf. Das gilt für die Einführung, die Begleitfiguren Valmey und Cricket sowie viele Questgeber. Der Haken: Bisher ist alles auf Englisch. Weitere Sprachen sind für die Early-Access-Phase geplant.

Technisch und spielerisch bleibt genug Baustelle. Die Produktionsketten wirken noch nicht rund. Das Kämpfen aus der Heldenperspektive ist simpel. Das Greifen von Gegenständen braucht Feinschliff. Es können Bugs auftreten, die sogar Quests blockieren. Auch Performance-Updates stehen noch auf der Liste der geplanten Arbeiten.

Was noch kommen soll

22cans hat für die Early-Access-Phase mehrere Punkte umrissen. Genannt wurden Gamepad-Support, bessere Steam-Deck-Optimierung, mehr Sprachen, eine Überarbeitung des Kampfsystems, neue optionale Quests, weitere Gegnertypen, zusätzliche Regionen, lebhafteres Stadtleben, Mod-Support und mehr Kerker-Action.

Das ist wichtig für die Einordnung. Masters of Albion ist kein fertiges Spiel mit ein paar kleinen Kanten. Es ist ein Early-Access-Projekt, das viele Ideen bereits spielbar verbindet, aber an mehreren Stellen noch Reibung hat.

Für wen lohnt sich der frühe Blick?

Wenn du mit God Games aufgewachsen bist oder Molyneuxs alte Mischung aus großen Versprechen, seltsamen Ideen und eigenem Humor magst, solltest du Masters of Albion im Blick behalten. Es hat genug Eigenwillen, um nicht wie eine einfache Kopie zu wirken.

Wenn du dagegen eine sauber ausbalancierte Aufbau-Simulation oder ein fertiges Action-Rollenspiel erwartest, ist Geduld sinnvoll. Der Early Access zeigt Potenzial, aber auch klar unfertige Systeme.

Mein Eindruck aus den vorliegenden Informationen: Masters of Albion ist gerade dann spannend, wenn man seine Macken als Teil eines laufenden Entwicklungswegs akzeptiert. Der Charme ist da. Die Frage ist, wie konsequent 22cans die offenen Baustellen in den kommenden Monaten angeht.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.