Diablo 4 braucht kein weiteres Endgame, das nur zwei Wochen trägt. Genau an diesem Punkt setzt Lord of Hatred an. Die zweite Erweiterung baut nach dem Kampf gegen den Herrn des Hasses eine neue Struktur um bekannte Aktivitäten, schnellere Wechsel und klarere Belohnungswege.
Der wichtigste Eindruck: Blizzard scheint die alte Schwäche ernst zu nehmen. Diablo 4 hatte bereits gute Endgame-Bausteine, von Helltide bis Nightmare Dungeon. Oft fehlte aber der Rahmen, der diese Inhalte über längere Zeit interessant verbindet. Lord of Hatred versucht genau das mit War Plans.
War Plans verbinden bekannte Aktivitäten schneller
War Plans sind eine Art verzweigter Ablaufplan für das Endgame. Statt selbst auf der Karte nach der nächsten passenden Aktivität zu suchen, wählst du in einem Baum aus mehreren Optionen und wirst direkt zur Aufgabe geschickt.
Ein Lauf kann dich etwa erst in ein Helltide-Event schicken, danach in einen Nightmare Dungeon und anschließend in die Pit. Insgesamt greift das System auf sechs bestehende Endgame-Aktivitäten aus Diablo 4 zurück.
Der praktische Vorteil liegt auf der Hand: weniger Verwaltung, mehr Kämpfen. Du musst nicht erst nach einem passenden Dungeon-Zugang suchen oder schauen, wo gerade die nächste Helltide läuft. Nach einer abgeschlossenen Aufgabe geht es direkt weiter.
Mehr Kontrolle über Beute und Spielweise
Zu den War Plans gehören eigene Aufwertungsbäume für einzelne Aktivitäten. Diese verändern entweder das Verhalten innerhalb einer Aktivität oder beeinflussen die Belohnungen.
Bei Nightmare Dungeons kann ein Vorteil dafür sorgen, dass Schatzkobolde eine bestimmte Beuteart fallen lassen. Bei Helltide kann ein Vorteil die Geschwindigkeit verdoppeln, mit der Kills den Bedrohungsgrad erhöhen, wenn ein Schrein aktiv ist.
Wichtig ist: Du kannst nicht alles freischalten. Einige Entscheidungen schließen sich außerdem praktisch gegenseitig aus. Das ist gut für ein Action-RPG, weil Builds und Ziele dadurch mehr Gewicht bekommen. Wer gezielt farmen will, trifft andere Entscheidungen als jemand, der möglichst viel Druck im Kampf sucht.
Echoing Hatred prüft deinen Build ohne Umwege
Neben War Plans bringt Lord of Hatred den Modus Echoing Hatred. Das ist eine endlose Arena, die erst endet, wenn dein Charakter fällt. Der Modus startet auf der niedrigsten Schwierigkeit und zieht nach genug besiegten Gegnern weiter an.
Zwischendurch tauchen Bosse auf, später auch mehrere gleichzeitig. Du musst nicht nur überleben, sondern auch schnell genug töten. Eine Overwhelmed-Anzeige füllt sich, wenn neue Gegner erscheinen. Räumst du nicht schnell genug auf, ist der Lauf vorbei.
Das passt gut zu Diablo 4. Der Modus macht sofort sichtbar, ob dein Build nur auf dem Papier funktioniert oder auch unter dauerhaftem Druck standhält. Spannend ist zudem, dass Echoing Hatred unabhängig von deiner aktuellen Weltstufe arbeitet und dich im Verlauf durch die Stufen führt.
Das wird wichtiger, weil Lord of Hatred die maximale Weltstufe von Torment 4 auf Torment 12 erhöht. Bei so vielen Stufen kann ein klarer Belastungstest helfen, ohne dass du lange raten musst, ob der nächste Sprung schon sinnvoll ist.
Die offene Frage: Wie gut funktioniert das in Gruppen?
Ein Punkt bleibt noch unscharf: das Zusammenspiel. Wenn War Plans individuelle Aufgabenlisten nutzen, stellt sich die Frage, wie sauber das im Team aufgeht.
Bekannt ist, dass Mitspielende Anerkennung und Belohnungen erhalten sollen, wenn sie gemeinsam War Plans abschließen. Trotzdem bleibt interessant, ob sich alle aktiv beteiligt fühlen oder ob die Gruppe vor allem dem Plan der führenden Person folgt.
Gerade für Diablo 4 ist das wichtig. Viele spielen Saisons und Endgame nicht allein, sondern mit festen Gruppen. Wenn War Plans im Solo-Spiel Tempo bringen, müssen sie im Koop genauso sauber greifen.
Angeln in Diablo? Ja, wirklich
Die kurioseste Ergänzung ist Angeln. In Lord of Hatred kannst du Regionen nach Wasser- und Lavateichen absuchen und dort Fische sammeln.
Nach den bisherigen Eindrücken wirkt das nicht wie ein großes eigenes System. Pro Zone gibt es nur einige Fische, und das Minispiel scheint sehr simpel zu sein: Sobald ein Fisch am Haken ist, reicht ein Tastendruck.
Trotzdem ist die Idee nicht völlig abwegig. Diablo 4 ist ein Spiel voller kurzer Wiederholungen, Beute und kleiner Ziele. Eine leichte Nebenbeschäftigung kann zwischen Dungeon-Läufen funktionieren, solange niemand erwartet, dass daraus ein eigenes Cozy-Spiel wird.
Warum das Endgame diesmal bessere Chancen hat
Lord of Hatred löst das Endgame-Problem nicht durch eine einzelne große Attraktion. Der interessantere Ansatz ist die Struktur. War Plans nehmen vorhandene Inhalte, schneiden Leerlauf heraus und geben dir mehr Kontrolle über Belohnungen.
Echoing Hatred ergänzt das mit einem klaren Stresstest für Builds. Die erhöhte Zahl an Torment-Stufen macht so einen Modus sinnvoller, weil Fortschritt feiner gemessen werden kann.
Ob das Monate trägt, entscheidet sich erst nach längerer Spielzeit. Für den Moment wirkt Lord of Hatred aber so, als würde es nicht nur mehr Endgame liefern, sondern das vorhandene Endgame besser sortieren. Genau das hat Diablo 4 am dringendsten gebraucht.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.