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Yerba Buena Vorschau: Portal-Ideen in San Francisco

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Yerba Buena setzt auf eine starke Grundidee: Du kopierst Bewegungen und Eigenschaften aus der Spielwelt und überträgst sie auf andere Objekte. Daraus baut Mad About Pandas aus Berlin einen First-Person-Puzzle-Plattformer, der klar an Portal erinnert, aber nicht einfach Portale nachbaut.

Die bisher gezeigte Fassung wirkt wie ein Spiel für Leute, die gern stehen bleiben, den Raum lesen und dann einen Plan ausprobieren. Es geht nicht um schnelle Reflexe allein. Es geht um die Frage, welches Objekt sich wie verhält und was passiert, wenn du diese Logik an einer anderen Stelle einsetzt.

San Francisco 1976, aber nicht ganz sauber programmiert

Die Handlung startet in San Francisco im Jahr 1976. Barb ist 26, sucht Arbeit und hält sich unter anderem mit Flohmarktverkäufen über Wasser. Auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch bekommt ihr Fahrrad einen Platten. Ihr Taxifahrer-Freund Russell nimmt sie mit, doch aus der ruhigen Fahrt wird schnell ein Problem.

Im Radio geht es um den Yerba Buena Park, der geschlossen werden soll. Techmogul Noel Fischer will dort den Sutro Tower und einen neuen Work-Live-Space für Tech-Arbeiter durchsetzen. Barbs Freunde Jorge und Wanda protestieren gegen diese Pläne. Kurz darauf eskaliert die Situation: Ein bewaffneter Biker namens Bear reißt Barb aus dem Taxi, steigt ein und zwingt Russell zur Flucht. Nach einem Unfall ist Russell verschwunden, Bear ebenfalls, und ein mysteriöser Koffer bleibt zurück.

Spannend ist dabei nicht nur die Entführung. Schon früh fallen Fehler in der Welt auf. Figuren stehen reglos in T-Pose herum. Regale flackern. Polizisten wirken verdächtig gleichförmig. Yerba Buena spielt offen mit der Idee, dass Barb nicht einfach in einer normalen Stadt unterwegs ist. Später verdichtet sich das: Barb scheint ein NPC in einem fehlerhaften Spiel zu sein. Diese Ebene gibt den Rätseln einen passenden Rahmen, ohne dass sie bisher alles erklären muss.

Der Oscillator ist das Herz des Spiels

Im Koffer steckt der Oscillator. Das Gerät sieht wie eine Waffe aus, funktioniert aber anders. Es kopiert Bewegungsvektoren oder Eigenschaften von Objekten und überträgt sie auf andere Dinge. Ein Quader gleitet seitlich durch den Raum. Du kopierst diese Bewegung und gibst sie an ein Regal weiter. Das Regal rutscht weg, der Weg ist frei.

Das klingt simpel, wird aber durch klare Regeln interessant. Eine Scan-Funktion zeigt, womit du arbeiten kannst. Orange markierte Objekte liefern eine Eigenschaft. Blaue Objekte können sie übernehmen. Zu weit entfernte Dinge lassen sich nicht kopieren. Außerdem kannst du kopierte Eigenschaften nur über eine begrenzte Anzahl von Schritten mitnehmen. Das Spiel zeigt diese Grenze über die Anzeige am Fadenkreuz.

Dazu kommt ein Reset. Bereits veränderte Objekte lassen sich an ihre Ursprungsposition zurücksetzen. Transparente Drahtgittermodelle zeigen, wo sie vorher standen. Das ist wichtig, weil Yerba Buena nicht nur einzelne Schalterrätsel stellt. Oft veränderst du den Raum, verbaust dir dabei Wege und musst verstehen, wie du die Ausgangslage wieder kontrollierst.

Rätsel mit Bewegung, Höhe und Umwegen

Nach dem Tutorial öffnet Yerba Buena seine Räume stärker. Ein Beispiel: Eine Kellertür lässt sich öffnen, indem Barb die Rotation eines Deckenventilators auf die Tür überträgt. An anderer Stelle wird die Aufwärtsbewegung eines mechanischen Werbeschilds auf ein parkendes Auto gelegt. Stehst du auf dem Autodach, wird der Wagen zum Aufzug.

Das ist genau die Art Puzzle-Logik, die bei guten First-Person-Knoblern zählt. Nicht jedes Objekt ist wichtig, aber jedes wichtige Objekt muss verstanden werden. Wie bewegt es sich? Kann ich diese Bewegung tragen? Wo brauche ich sie wirklich? Und was passiert, wenn ich selbst darauf stehe?

Auch Plattforming spielt eine Rolle. Yerba Buena verlangt Sprünge und Wege über Dächer, Hinterhöfe und verschobene Objekte. Bei Abstürzen setzt das Spiel Barb wieder an die Stelle des Falls zurück. Das passt zur NPC-Idee, denn Barb wurde offenbar so programmiert, dass sie nicht sterben kann. Praktisch ist es ebenfalls, weil ein rätsellastiges Spiel nicht durch lange Wiederholungen nerven sollte.

Mehr als nur Kisten schieben

Die Mechanik bleibt nicht bei Bewegung stehen. In einem späteren Abschnitt taucht ein großer Pachinko-Automat in einer schwebenden Zirkus-Traumwelt auf. Dort muss eine Metallkugel in ein bestimmtes Fach gelangen. Dafür werden Metallstifte verschoben oder ganz entfernt. Das Entfernen hängt mit einer weiteren Oscillator-Funktion zusammen: Eigenschaften von Dampf können auf Objekte übertragen werden, wodurch sie sich auflösen.

Solche Ideen sind wichtig. Ein Puzzle-Spiel mit einer starken Kernmechanik steht und fällt damit, ob diese Mechanik über Stunden neue Fragen stellt. Yerba Buena scheint genau darauf zu zielen. Bewegung, Rotation, Zurücksetzen, Auflösen und das Kombinieren mehrerer Eigenschaften auf einem Objekt geben dem System genug Raum, um zu wachsen.

Gleichzeitig muss das fertige Spiel aufpassen. Wenn die Regeln zu viele Sonderfälle bekommen, kippt die Freude am Verstehen schnell in Versuch und Irrtum. Die bisher genannten Beispiele wirken logisch, weil sie aus sichtbaren Bewegungen und klar markierten Objekten entstehen. Das sollte Yerba Buena bis zum Ende durchhalten.

Der Look trägt viel 70er-Stadtgefühl

Optisch setzt Yerba Buena auf einen stilisierten Look, der an Hitchhiker: A Mystery Game erinnert, das vorherige Spiel von Mad About Pandas. Diesmal wirkt die Umgebung detaillierter. Bunte Häuserzüge, steile Straßen, Graffiti, ruhiger Verkehr und bekannte Orte wie die Lombard Street geben der Stadt ein eigenes Gesicht.

Die 70er-Jahre sind dabei mehr als Dekoration. Die Debatte um Parkschließung, Tech-Visionen und Stadtentwicklung hängt direkt an Barbs Motivation. Noel Fischer bleibt als überheblicher Techmogul bewusst überspitzt, aber die Grundidee ist klar: Yerba Buena verbindet persönliche Rettungsaktion, politische Stadtgeschichte und Meta-Spielerei.

Was wir vor dem Release im Blick behalten

Die Hands-on-Fassung umfasste vier von insgesamt 14 Kapiteln. Das ist genug, um das Potenzial der Mechanik zu sehen, aber noch nicht genug, um die Balance des ganzen Spiels zu bewerten. Entscheidend wird, ob die späteren Kapitel weiter gute Räume bauen, statt nur mehr Schritte in dieselben Abläufe zu packen.

Für Knobelfans sieht Yerba Buena trotzdem vielversprechend aus. Es hat eine klare zentrale Idee, eine Stadt mit Wiedererkennungswert und eine Geschichte, die die Glitches nicht nur als Effekt benutzt. Wer Portal mochte, sollte hier nicht denselben Trick erwarten, aber eine verwandte Denkweise: Beobachten, verstehen, ausprobieren.

Yerba Buena soll am 26. Mai 2026 für PC, PS5 und Xbox Series X/S erscheinen. Für PC gibt es bereits eine Demo auf Steam. Wenn du gern First-Person-Rätsel löst und dich nicht daran störst, auch mal vor einem Raum zu stehen und wirklich nachdenken zu müssen, gehört das Spiel auf deine Merkliste.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.