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God Save Birmingham: Mittelalter-Survival mit Biss

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

God Save Birmingham nimmt eine bekannte Zombie-Idee und setzt sie an einen Ort, den Spiele selten ernsthaft nachbauen: ein mittelalterliches Birmingham im 14. Jahrhundert. Der Reiz liegt nicht nur im Schauplatz. Die gezeigte Pre-Alpha-Fassung deutet auf ein Survival-Spiel hin, das Komfort streicht und Spieler zwingt, mit dem auszukommen, was noch steht.

Das ist der spannende Punkt. Hier geht es nicht darum, aus ein paar Ästen in kurzer Zeit eine sichere Festung zu bauen. Du suchst Werkzeuge, Nahrung, Wasser, Kleidung, Wärme und ein Bett. Gleichzeitig bewegen sich Gruppen von Infizierten durch enge Gassen und Häuser. Allein sind sie machbar. In der Masse werden sie zum Problem.

Warum ausgerechnet Birmingham?

Ocean Drive Studios hat sich bewusst gegen riesige Hauptstädte entschieden. London oder Paris wären für einen möglichst glaubwürdigen Nachbau zu groß gewesen. Birmingham war im 14. Jahrhundert deutlich überschaubarer, soll aber genug Geschichte und Struktur für ein dichtes Survival-Gebiet bieten.

Die Siedlung war damals ungefähr einen Kilometer lang. Das Team peilt laut den vorliegenden Informationen an, die damalige Bevölkerung von rund 6000 Menschen als Untote abzubilden. Das ist eine klare Ansage: Der Schauplatz ist nicht nur Kulisse, sondern soll die Bedrohung direkt tragen.

Für mehr historische Nähe hat das Team die Stadt besucht und mit lokalen Museen sowie Historikern gearbeitet. Selbst bekannte Orte müssen dabei anders aussehen als heute. Die St. Martin’s Church steht zum Beispiel ungefähr dort, wo sie auf der Karte sein sollte, wird aber in einer älteren Form dargestellt, bevor sie später neu aufgebaut wurde.

Survival ohne bequemen Festungsbau

Viele Survival-Spiele führen dich schnell in Richtung Siedlungsbau. God Save Birmingham scheint einen anderen Weg zu gehen. In der Messefassung konnte man nicht einfach die nötigen Werkzeuge herstellen, um die Umgebung zu zerlegen und daraus alles neu aufzubauen. Wer Holz braucht, muss erst eine Axt finden. Wer Schutz braucht, muss ein vorhandenes Gebäude sichern.

Das verändert den Rhythmus. Eine verlassene Unterkunft ist kein sicherer Besitz, nur weil du sie betreten hast. Erst müssen Untote raus. Dann müssen Türen und Zugänge blockiert werden. Aus dem Bau einer eigenen Basis wird eher die Frage: Welches Haus lässt sich heute Nacht halten?

Gerade das passt stark zum Szenario. Nach einer Katastrophe ist nicht alles Material. Manche Dinge sind einfach da, beschädigt, nützlich, gefährlich. Du machst das Beste daraus.

Physik als Werkzeug und Risiko

Ein zentrales System ist das direkte Bewegen von Gegenständen. Fässer, leere Schränke oder Möbel können vor Türen gestapelt werden, um Zombies am Eindringen zu hindern. Gegenstände vor einem Gebäude können sogar als improvisierte Treppe dienen, um von außen in ein höheres Stockwerk zu kommen.

Diese Physik ist nicht nur für Verteidigung da. Wer Dinge aus der Höhe fallen lässt, kann Untote treffen. Eine Bank kann gegen Beine geschwungen werden. Wagenräder lassen sich werfen. Zombies können über niedrige Mauern und Zäune stolpern.

Das klingt stellenweise fast albern, bleibt aber nützlich. Survival lebt von improvisierten Lösungen. Wenn God Save Birmingham diese Freiheit stabil hinbekommt, kann daraus ein wichtiger Unterschied zu anderen Zombie-Spielen werden.

Kämpfe: Abstand zählt mehr als Mut

Die Untoten sind einzeln nicht die größte Gefahr. Das Problem entsteht, wenn mehrere Gegner gleichzeitig Druck machen. Dazu kommt ein Greif-System: Wird dein Charakter gepackt, wird er stark verlangsamt und muss sich erst losreißen. Der eigentliche Schaden ist dabei nicht immer sofort tödlich. Aber die verlorene Zeit reicht, damit weitere Zombies näherkommen.

Auch die Ausdauer spielt eine Rolle. Wer zu oft gehalten wird und sich zu lange wehrt, ermüdet. Dann kippt eine kleine Begegnung schnell in eine ausweglose Lage.

Die Kämpfe setzen außerdem auf gezielte Treffer an Körperteilen. Klingen können Gliedmaßen abtrennen. Ein sauberer Kopftreffer kann einen Kampf direkt beenden. Ein Stich gegen ein Bein kann einen Gegner stoppen, bevor er dich erreicht. Das wirkt taktischer als reines Draufschlagen, vor allem wenn jede Sekunde zählt.

Hunger, Durst, Gestank und Infektion

Die Versorgung klingt unangenehm bodenständig. Essen war in der Demo offenbar an passenden Orten wie Küchen und Vorratskammern zu finden, etwa Brot, Käse, Würstchen und Kräuter. Wasser war deutlich knapper. Im gezeigten Kartenabschnitt gab es zwei Brunnen, sie waren aber nicht einfach zu finden und potenziell gefährlich gelegen.

Dazu kommen weitere Zustände. Waschen soll wichtig sein, weil Gestank die Horde anziehen kann. Kratzer und Bisse bringen ein Infektionsrisiko. Wird eine Infektion nicht behandelt, endet das tödlich. Das HUD zeigte in der frühen Fassung bereits viele Statusanzeigen, die noch nicht alle leicht zu lesen waren.

Interessant ist auch eine mögliche Schuld-Mechanik. Das Team denkt darüber nach, den psychischen Druck abzubilden, wenn ein normaler Mensch seine früheren Nachbarn töten muss, um zu überleben. Daraus könnte ein System entstehen, das die Wahrnehmung der Spielfigur beeinflusst. Fest eingebaut ist das laut aktuellem Stand aber noch nicht.

Pre-Alpha mit Bugs, aber klarer Richtung

Die gezeigte Version war eine Pre-Alpha. Bugs gehören in diesem Stadium dazu. Wichtig ist eher, dass God Save Birmingham schon jetzt eine erkennbare Linie hat: langsameres Plündern, gefährliche Gruppen, wenig Komfort, starke Physik und ein Schauplatz, der nicht nur Dekoration sein will.

Der spielbare Bereich entsprach ungefähr einem Viertel der geplanten Vollversion. Das reicht noch nicht, um den ganzen Umfang einzuschätzen. Es zeigt aber, worauf das Spiel hinauswill.

Für wen das spannend werden könnte

God Save Birmingham wirkt nicht wie ein gemütliches Bastel-Survival. Es richtet sich eher an Spieler, die Druck mögen und denen klassische Zombie-Szenarien zu berechenbar geworden sind.

  • Spannend für dich: wenn du Survival mit knappen Ressourcen und improvisierten Lösungen magst.
  • Weniger passend: wenn du vor allem freie Basisbau-Systeme und planbare Sicherheit suchst.
  • Noch offen: wie stabil Physik, Statuswerte und Infektionssystem im Early Access zusammenspielen.

Der stärkste Eindruck bleibt die Konsequenz. Mittelalter, Zombies und Physik-Spielereien klingen erst wie ein Gag. In Kombination können sie aber ein Survival-Spiel ergeben, das weniger nach Routine aussieht und mehr nach echter Notlage.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.