Subnautica 2 macht im Early Access bereits vieles richtig. Es versteht, warum der erste Teil so stark war: fremde Ozeane, knapper Sauerstoff, leise Gefahr und das Gefühl, hinter jeder Felswand ein neues Stück Wahrheit zu finden.
Der Nachfolger spielt auf dem Planeten Zezura und setzt wieder auf Überleben statt Dauergefechte. Wer Subnautica wegen der Einsamkeit, der Basen und der langsam wachsenden Ausrüstung geliebt hat, bekommt hier keine komplette Neuerfindung. Eher einen zweiten Anlauf mit mehr Komfort und einigen sinnvollen Ideen.
Ein Nachfolger, der seine Stärken kennt
Der Start ist vertraut. Du tauchst, sammelst Wasser und Nahrung, suchst Rohstoffe und kommst anfangs nur kurz in die Tiefe. Verbesserungen für Sauerstoff und Flossen öffnen Schritt für Schritt größere Bereiche. Später hilft der Unterwassergleiter Tadpole dabei, weiter entfernte Orte zu erreichen.
Das passt gut zum Aufbau. Subnautica 2 wirkt wie ein offenes Metroidvania unter Wasser. Neue Ausrüstung bedeutet nicht nur bessere Werte, sondern Zugang zu neuen Höhlen, Basen und Rätseln. Die Welt zieht dich damit nicht über Questmarker allein, sondern über Neugier.
Die Geschichte entsteht aus gefundenen Spuren. Sprachaufnahmen und Hinweise erzählen von Forschern und Kolonisten, die auf Zezura Fuß fassen wollten. Das wirkt düster, aber nicht plump. Besonders stark ist, dass die Spielfigur selbst stumm bleibt. Dadurch setzt sich das Bild im Kopf zusammen.
Mehr Führung, aber weniger Verirren
Im Vergleich zum ersten Teil ist Subnautica 2 leichter zu lesen. Die Welt geht nicht ständig kilometerweit nach unten, sondern bleibt häufiger auf einer nachvollziehbaren Ebene. Versteckte Höhlen gibt es weiter, das harte Biom-Gewirr aus Teil 1 fällt aber weniger stark ins Gewicht.
Das ist ein Gewinn für Spieler, die Subnautica mögen, aber nicht jeden Abend eine Karte nebenbei führen wollen. Gleichzeitig nimmt das Spiel manchmal etwas zu viel vorweg. Wenn eine KI genau dann einen guten Platz für eine neue Basis empfiehlt, wenn man ihn selbst gerade entdeckt hat, kratzt das am Entdeckergefühl.
Eine Option für weniger Hilfestellung wäre hier sinnvoll. Gerade Serienveteranen brauchen nicht bei jedem Schritt einen Schubs.
Strömungen, Basenbau und gutes Überleben
Eine der besten neuen Ideen sind Strömungen. Sie funktionieren wie natürliche Schnellwege durch den Ozean und führen zu interessanten Orten. Gleichzeitig lassen sie sich für die Energieversorgung nutzen. Kleine Turbinen richten sich aus und speisen Basen mit Strom.
Auch der Kampf bleibt angenehm zurückhaltend. Bedrohliche Meeresbewohner umgeht man eher, statt sie zu töten. Verbesserungen wie schnelleres Schwimmen am Meeresboden oder ein Ausweich-Boost passen deshalb gut zum Kern des Spiels. Das Messer bleibt vor allem ein Werkzeug zum Ernten.
Beim Bauen zeigt Subnautica 2 deutlich mehr Komfort. Materialien müssen nicht mehr einzeln aus Kisten geholt werden, wenn sie in verbundenen Lagerräumen liegen. Automatisches Sortieren und das schnelle Verschieben gleicher Ressourcen sparen viel Kleinarbeit. Für ein Survival-Spiel ist das kein Nebenthema, sondern ein echter Zeitgewinn.
Der Basenbau ist zudem feiner geworden. Räume lassen sich in kleineren Schritten erweitern und formen. Fenster, Licht und Schatten spielen stärker zusammen. Trotz Unreal Engine 5 bleibt der typische Subnautica-Look erhalten, statt wie ein beliebiges modernes Engine-Projekt zu wirken.
Koop verändert das Spiel spürbar
Subnautica 2 unterstützt Koop für bis zu vier Spieler. Savegames können optional in Multiplayer-Spielstände umgewandelt werden. Xbox- und PC-Spieler können über Einladungscodes gemeinsam losziehen.
Das ist praktisch und kann Spaß machen. Es verändert aber den Ton des Spiels. Die Einsamkeit auf einem fremden Planeten ist im Team deutlich schwächer. Basen entstehen schneller, Vorräte sind leichter zu organisieren und Gefahren verlieren einen Teil ihrer Wirkung.
Dazu kommt: Wer nicht sauber kommuniziert, verpasst wichtige Details. Wenn ein Mitspieler eine Aufnahme findet oder einen Ort entdeckt und nichts sagt, muss der Rest später im Logbuch nacharbeiten. Für die Handlung ist ein Solodurchlauf deshalb die stärkere Wahl. Koop passt besser für feste Gruppen, die Absprachen mögen.
Early Access mit erstaunlich stabiler Basis
Subnautica 2 ist im Early Access für Xbox Series und Windows-PC erhältlich und kostet 30 Euro. Die Steam-Fassung lief laut Testeindruck auf Windows-PC und unter Bazzite mit Gamepad problemlos. HDR gibt es noch nicht. Bildrate und Details lassen sich in vier Stufen einstellen.
Nach rund 12 Stunden wirken die vier ineinander übergehenden Biome bereits sehr weit. In späteren Abschnitten zeigen sich kleinere Grafikfehler bei der Belichtung. Auch die Ressourcenverteilung scheint noch nicht final. Das Problem ist dabei eher Überfluss als Mangel.
Wichtig ist: Trotz Early Access bleibt das Spiel spielbar und stabil. Wer auf eine fertige, komplett ausbalancierte Version wartet, sollte Geduld haben. Wer Subnautica kennt und mit kleineren Baustellen leben kann, bekommt schon jetzt ein sehr starkes Tiefsee-Abenteuer.
Wertung
- Gameplay: 4 von 5, starke Erkundung, guter Komfort, aber noch Balance- und Führungsfragen.
- Grafik: 4 von 5, schöner Subnautica-Look mit moderner Technik, kleinere Lichtfehler und kein HDR.
- Story: 4 von 5, spannende Spurensuche auf Zezura, besonders solo stark.
- Sound: 4 von 5, vertraute Geräusche und gutes Unterwassergefühl.
GoodGame.Ruhr meint: Subnautica 2 ist noch nicht fertig, aber schon jetzt ein würdiger Nachfolger. Es bleibt nah am ersten Teil, verbessert den Alltag im Spiel deutlich und verliert den Kern nicht aus den Augen. Wer die Stille, die Gefahr und den Bau eigener Unterwasserbasen sucht, kann den Early Access bereits ernsthaft in Betracht ziehen.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
