Avatar: Frontiers of Pandora hat eine klare Stärke: die Welt. Pandora ist groß, farbig, dicht und optisch so stark, dass viele andere Open-World-Spiele daneben alt aussehen. Wer in erster Linie eine schöne Spielwelt erkunden will, bekommt hier viel fürs Auge.
Beim Spielen ist der Eindruck nüchterner. Schleichen, Schießen, Jagen, Sammeln und Crafting funktionieren sauber, aber selten überraschend. From the Ashes macht als Erweiterung vieles straffer und actionreicher. Aus einem Pflichtkauf wird das Paket dadurch aber nicht.
Was im Hauptspiel gut klappt
Das Grundgerüst ist solide. Du infiltrierst feindliche Lager, nutzt die Na’vi-Sicht, suchst Schwachstellen und zerlegst Soldaten, Maschinen und Anlagen. Wer planlos mit gezogener Waffe reinläuft, bekommt schnell Probleme. Wer sauber vorgeht, hat mehr Kontrolle.
Die Steuerung ist ein Pluspunkt. Laufen, Springen, Klettern, Reiten und Fliegen reagieren präzise. Das gilt laut Testeindruck sowohl mit Gamepad als auch mit Maus und Tastatur. Dazu kommen kurze Sprungpassagen, einfache Hacking-Minispiele und der Wechsel zwischen Bogen, Granaten und Schusswaffen.
Technisch wirkt das Spiel stark. Ein Testlauf auf einem i7-1195G7 mit RTX 3080 lief auf sehr hohen Einstellungen gut, mit DLSS und ohne Raytracing. Wichtiger ist aber der optische Gesamteindruck: Pflanzen, Wasser, Tiere und die riesigen Landschaften tragen das Spiel mehr als jede einzelne Mission.
Wo Frontiers of Pandora an Druck verliert
Die Geschichte bleibt schlicht. Menschen beuten Pandora aus, die Na’vi wehren sich, Natur wird zerstört und später wieder sichtbar gesünder. Das ist verständlich, aber nicht besonders fein gezeichnet. Grautöne gibt es kaum.
Auch die Figuren helfen wenig. Viele NPCs wirken wie feste Rollen statt wie interessante Charaktere. Der selbst erstellte Na’vi bleibt blass. Die Handlung ist zwar ohne Filmwissen verständlich, sie packt aber selten zu.
Gameplay-seitig fehlt auf Dauer Abwechslung. Ein Lager ähnelt dem nächsten. Der Talentbaum bietet Werte wie mehr Lebenspunkte, mehr Pfeile oder etwas mehr Schaden. Das ist nützlich, aber kein echter Antrieb. Crafting, Ausrüstung und Waffen bleiben überschaubar.
Wer nur der Hauptgeschichte folgt, landet bei gut 20 Stunden. Mit Nebenaufgaben lässt sich die Spielzeit auf über 40 Stunden strecken. Das lohnt sich nur, wenn du Pandora wirklich gern abläufst und nicht auf starke Missionsideen wartest.
From the Ashes ist direkter
Die Erweiterung setzt nach dem Hauptspiel an. Du kannst deinen Na’vi importieren, spielst aber den erfahrenen Krieger So’lek. Die frühere Hauptfigur rückt in die zweite Reihe und übernimmt zum Beispiel automatisch Nebenkram wie das Hacken von Türen.
Das tut dem Tempo gut. From the Ashes kommt schneller zur Sache, gibt Upgrades regelmäßiger aus und setzt mehr auf Kämpfe. Neue Finisher und Killmoves lassen Auseinandersetzungen flotter und härter wirken.
Die neuen Gegner vom Ascheclan bringen mehr Druck. Sie nutzen ein ähnliches Arsenal wie du und halten deutlich mehr aus. Cleverer werden sie dadurch nicht unbedingt, aber sie sorgen für mehr Widerstand als viele Gegner im Hauptspiel.
Auch die Story funktioniert besser. Die englischen Stimmen und Gesichtsanimationen transportieren mehr Gefühl als im Basisspiel. Die Rachegeschichte ist düsterer und zielgerichteter. Das passt besser zum höheren Action-Anteil.
Kein kompletter Neustart
From the Ashes nutzt dieselben Landstriche wie Frontiers of Pandora. Statt verschmutzter Gebiete siehst du verbrannte Areale mit Asche, Rauch und Feuer. Bekannte Passagen tauchen verändert wieder auf, teils länger und mit mehr Feinden.
Die Erweiterung verzichtet auf den Koop-Modus des Hauptspiels. Das ist kein großer Verlust, weil der Koop durch fehlenden nennenswerten Fortschritt für Mitspieler ohnehin eingeschränkt wirkt.
Mit rund sechs Stunden ist From the Ashes deutlich kürzer als das Basisspiel. Als alleinstehender Kauf ergibt es weniger Sinn. Als Nachschub für Leute, die Frontiers mochten und sich mehr Tempo gewünscht haben, ist es der bessere Teil des Pakets.
Wertung und Kaufempfehlung
Avatar: Frontiers of Pandora ist ein sauber spielbarer Open-World-Shooter mit fantastischer Optik, aber zu wenig Biss in Story und Systemen. From the Ashes verbessert Tempo, Action und Zwischensequenzen, löst aber nicht alle Grundprobleme.
- Gameplay: 3/5, solide Steuerung und gute Grundideen, aber viele Wiederholungen.
- Grafik: 5/5, Pandora ist der klare Star des Spiels.
- Story: 2/5, das Hauptspiel bleibt flach, der DLC ist deutlich stärker.
- Sound: 3/5, vor allem die englischen Stimmen im DLC machen einen besseren Eindruck.
Wenn du Avatar magst oder einen hübschen Shooter für kurze Sessions suchst, kannst du zugreifen, besonders im Angebot. Wenn du starke Missionsstruktur, clevere Gegner und eine packende Geschichte erwartest, bekommst du hier zu wenig Druck auf dem Feld.
Über den Autor
Von FIFA bis Call of Duty, von Farming Simulator bis Age of Empires – ich liebe Games, bei denen Skill, Planung und Reaktion zählen. Ob auf dem virtuellen Schlachtfeld oder im Stadion: Ich spiele smart, schnell und immer mit Spaß. Let’s play smarter, not harder!