Cairn ist kein Kletterspiel zum Nebenbei-Spielen. Es zwingt dich, jeden Griff zu prüfen, Vorräte einzuteilen und schlechte Entscheidungen auszuhalten.
Der Berg ist hier nicht Kulisse, sondern Gegner. Mount Kami bestraft Hektik, falsche Routen und schlechtes Timing. Das kann hart sein, aber genau daraus zieht Cairn seine Spannung.
Klettern als echte Entscheidung
In Cairn steuerst du Aava, eine erfahrene Bergsteigerin, die den Mount Kami solo bezwingen will. Das Spiel erscheint für PS5 und PC und setzt nicht auf automatisches Hochlaufen an Wänden. Du platzierst Hände und Füße nacheinander am Fels, achtest auf die Gewichtsverteilung und führst die Bewegung dann aus.
Das klingt langsam, spielt sich aber konzentriert. Wenn Aava ungünstig hängt, fängt sie an zu zittern und schwer zu atmen. Dann musst du schnell stabilisieren oder riskierst den Sturz. Kleine Sprünge zu entfernten Griffen sind möglich, kosten aber Energie. Wer einfach drauflos klettert, kommt nicht weit.
Stark ist, wie das Spiel dich trainiert. Am Anfang wirkt eine Wand oft wie eine glatte Sperre. Nach einigen Stunden erkennst du Risse, Kanten und mögliche Linien schneller. Die Kamera hilft dabei: Du kannst weiter herauszoomen oder seitlich auf die Wand schauen, um Neigung und Struktur besser zu lesen.
Karabiner, Risiko und drei Schwierigkeitsgrade
Die Sicherung ist ein zentraler Punkt. Auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad Alpinist hat Aava nur wenige Karabiner. Du musst entscheiden, ob du einen Haken setzt oder eine Passage ungesichert gehst. Ein gesetzter Haken kann nach einem Sturz retten, ist aber keine endlose Ressource.
Das Platzieren ist an ein kleines Timing-Minispiel gebunden. Misslingt es, verbiegt sich der Karabiner und muss später vom Climbot repariert werden. Dieser kleine Roboter sammelt auch benutzte Haken ein, verarbeitet Müll zu Kletterkreide und nimmt Funksprüche entgegen.
Wer weniger Druck will, spielt im Modus Entdecker. Dort gibt es mehr Haken und einfacheres Klettern. Wer das volle Brett sucht, wählt Free Solo: keine Karabiner, keine Speicherpunkte, Permadeath. Das ist konsequent, aber sicher nicht für jeden Feierabend geeignet.
Survival statt Komfort
Cairn dreht nicht nur an der Wand auf. Hunger, Durst, Temperatur und Energie laufen ständig mit. Im Rucksack liegen Vorräte, Medizin und Kreide, aber während des Kletterns kommst du nicht einfach an alles heran. Wasser am Gürtel hilft direkt, ist aber begrenzt.
Darum sind Biwaks wichtig. Dort kocht Aava Nahrung, bereitet Tee zu, tapet ihre Finger, recycelt Haken und ruht sich aus. Auch das Wetter musst du im Blick behalten. Regen macht den Fels rutschig, Wind kann Aava aus der Wand reißen, Kälte wird schnell gefährlich. Mit dem Barometer lässt sich abschätzen, was auf dich zukommt.
Das erzeugt gute Planung. Wartest du in einer Felshöhle auf besseres Wetter und verbrauchst Proviant? Kletterst du bei Nacht mit Leuchtstab weiter und riskierst Unterkühlung? Nimmst du eine direkte, harte Route oder suchst du einen längeren, sichereren Weg? Cairn stellt diese Fragen ständig.
Der Berg sieht stark aus
Optisch setzt Cairn auf eine Mischung aus Cel-Shading und natürlichem Look. Die Felswände sind nicht prozedural gebaut, sondern von Hand modelliert und getestete Kletterwege. Das merkt man an den Routen. Sie wirken nicht wie Zufall, sondern wie Aufgaben, die du lösen musst.
Die Naturbilder sind ein großer Teil der Wirkung. Sonnenaufgänge über Nebel, schneebedeckte Gebirge, grüne Täler, Bergseen bei Nacht und riesige Felswände geben der Tour Größe. Der Foto-Modus passt dazu, weil du Kamera, Filter und sogar Wetter einstellen kannst.
Der Sound bleibt eher zurückhaltend. Das passt. Wind, Regen und die Stille am Berg haben Platz. Die Musik wirkt mystisch, drängt sich aber nicht vor. So entsteht viel Einsamkeit, ohne dass das Spiel dauernd erklären muss, wie gefährlich alles ist.
Story ohne zu viel Druck von außen
Aava will den Kami schaffen, obwohl vor ihr viele gescheitert sind. Am Fuß des Berges erinnert ein Schild an 159 Todesopfer. Ihr PR-Manager funkt zwar wegen Fotos und Social-Media-Updates, doch Aava blendet das weitgehend aus.
Die Handlung bleibt nicht nur bei der Solo-Tour. Aava findet Spuren früherer Expeditionen und ist nicht die einzige Person mit dem Ziel, den Berg zu bezwingen. Mehr muss man nicht vorwegnehmen. Wichtig ist: Die Story stützt die Bergtour, statt das Klettersystem zu überfahren.
Was nervt
Cairn ist ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad happig. Das ist gewollt, kann aber anstrengend werden, wenn ein Fehler dich bis zum letzten Biwak zurückschickt. Wer wenig Frusttoleranz hat, sollte nicht aus Stolz auf Alpinist starten.
Dazu kommen aktuell noch Bugs. Bei Übergängen von Wänden auf Plateaus kann Aavas Klettertechnik haken. Nach einer Ohnmacht kann es passieren, dass das Spiel sie ungünstig in die Felswand setzt, was die Rückkehr zum letzten Speicherpunkt nötig macht. Das ist ärgerlich, auch wenn solche Probleme mit Patches lösbar wirken.
Für wen lohnt sich Cairn?
Cairn lohnt sich für Spieler, die klare Systeme mögen. Du planst, setzt Ressourcen ein, reagierst auf Wetter und lernst aus Fehlern. Das ist eher Taktik und Nervenstärke als lockeres Abenteuer.
Wenn du Klettern in Spielen sonst zu automatisch findest, ist Cairn spannend. Wenn du schöne Bergwelten willst, aber keine Lust auf harte Rückschläge hast, solltest du den leichten Modus wählen. Wer Geduld mitbringt, bekommt ein intensives Survival-Spiel mit sehr eigenem Profil.
Wertung: Cairn ist stark, weil es Klettern ernst nimmt. Die Steuerung fordert, die Ressourcen drücken, der Berg bleibt bedrohlich. Kleine technische Probleme stören, kippen den Eindruck aber nicht. Für Planer und Ausdauer-Spieler ist das ein klarer Blick wert.
Über den Autor
Von FIFA bis Call of Duty, von Farming Simulator bis Age of Empires – ich liebe Games, bei denen Skill, Planung und Reaktion zählen. Ob auf dem virtuellen Schlachtfeld oder im Stadion: Ich spiele smart, schnell und immer mit Spaß. Let’s play smarter, not harder!