Pragmata ist kein weiteres Sequel und kein Remake. Capcom baut hier ein lineares Actionspiel um eine einfache, aber starke Idee: Ein Astronaut kämpft, ein Androidenmädchen hackt, und nur zusammen kommen beide durch eine feindliche Mondbasis.
Der Test zeigt ein Spiel, das nicht durch Größe punkten will, sondern durch klare Systeme. Die Kämpfe fordern Aufmerksamkeit auf mehreren Ebenen, die Erkundung bleibt kompakt, und die Beziehung zwischen Hugh und Diana gibt dem Ganzen mehr Herz als erwartet.
Der Kern: schießen und hacken gleichzeitig
Du steuerst in Pragmata Hugh, einen Astronauten auf einer mysteriösen Mondbasis. Auf seinem Rücken hängt Diana, ein Androidenmädchen. Während Hugh Gegner anvisiert, ausweicht und mit Waffen Druck macht, nutzt Diana ihre Hacking-Fähigkeiten.
Das ist nicht nur ein erzählerischer Trick. Viele Roboter sind zunächst stark gepanzert. Erst ein erfolgreicher Hack legt ihre Schwachstellen frei. Danach kann Hugh ernsthaften Schaden anrichten. Zusätzlich lassen sich Gegner über Hitze für Finisher vorbereiten.
Spannend wird Pragmata, weil der Hack nicht automatisch passiert. Am rechten Bildschirmrand erscheint ein Feld aus Quadraten. Während du Hugh weiter bewegst, steuerst du den Cursor durch dieses Feld, sammelst Symbole ein und erreichst ein markiertes Ziel. Das klingt simpel. In laufenden Gefechten wird daraus aber ein sauberer Stresstest für Kopf und Hände.
Gute Kämpfe, weil der Plan selten lange hält
Pragmata baut sein Kampfsystem Schritt für Schritt aus. Am Anfang stehen wenige Feinde, einfache Hack-Felder und ein kleines Waffenarsenal. Danach kommen neue Hacking-Effekte, Boni, ein spezieller Kampfmodus und mehr Waffen mit eigenen Eigenschaften dazu.
Dadurch entsteht ein schöner Rhythmus. Du gehst mit einer Idee in den Kampf, musst aber schnell reagieren. Munition und Hacking-Möglichkeiten sind begrenzt. Nachschub kommt über zerstörte Roboter oder Kisten in der Umgebung. Was du bekommst, kannst du nicht direkt bestimmen. Also passt du dich an.
Auch die Arenen bleiben nicht nur Kulisse. Mal helfen Fallen, mal stören rotierende Laser, mal verhindern Signale Dianas Hack, wenn du sie nicht zerstörst. Das hält die Begegnungen frisch, ohne das Spiel mit unnötigen Systemen aufzublasen.
Nicht riesig, aber dicht gebaut
Die Mondstation ist linear aufgebaut, erlaubt aber Abzweigungen und spätere Rückkehr. Das passt gut zum Spiel. Pragmata will keine offene Welt sein. Es setzt eher auf kompakte Bereiche, versteckte Objekte und Checkpoints, die mit einem Schutzraum verbunden sind.
Dieser Schutzraum dient als Basis. Dort kaufst und verbesserst du Ausrüstung mit gefundenen Materialien, liest Informationen zu Gegnern, wechselst Outfits und startest optionale Herausforderungen. Nach dem Ende kannst du verpasste Sammelobjekte und Upgrades suchen oder in New Game Plus weiterspielen.
Die Kulissen profitieren von der Idee des Lunafilaments. Dieses Mondmaterial dient in der Anlage als universeller Baustein. Deshalb wirkt die Station nicht nur grau und technisch. Sie führt auch an ungewöhnliche Orte, darunter ein nachgebauter Times Square und ruhige Strandbereiche.
Hugh und Diana tragen die Geschichte
Pragmata nutzt eine bekannte Rollenverteilung: Eine erwachsene Schutzfigur begleitet ein kindliches Wesen. Der Unterschied liegt im Einsatz. Diana ist kein reiner Story-Anhang. Sie ist im Kampf notwendig und bleibt auch außerhalb der Action präsent.
Die Gespräche zwischen Hugh und Diana geben dem Abenteuer Wärme. Diana stellt naive Fragen, Hugh erklärt ihr die Welt. Der Test hebt positiv hervor, dass ihre Beziehung nicht über einen künstlichen Streit aufgeblasen wird. Sie wächst direkter und glaubwürdiger.
Ein Punkt bleibt schief: Dianas Outfits zeigen sie offenbar durchgehend barfuß. Die Erklärung innerhalb der Handlung erinnert an eine ähnliche, problematische Begründung aus Metal Gear Solid V. Das wirkt unnötig und lenkt von einer sonst starken Figur ab.
Schwierigkeit und Umfang
Auf normalem Schwierigkeitsgrad scheint Pragmata nicht übermäßig hart zu sein. Die ständigen Upgrades für Lebensenergie, Heilmittel und Ausrüstung federn viel ab. Wer sehr schnell mit Multitasking klarkommt, könnte den Standardmodus sogar als zu leicht empfinden.
Mehr Biss liefern optionale Herausforderungen nach dem Abspann und ein höherer Schwierigkeitsgrad. Dort verlangt das Spiel präziseres Spiel und bessere Planung. Für Actionfans ist das wichtig, weil Pragmata seine Systeme nicht nur in der Kampagne erklärt, sondern später stärker ausreizt.
Wertung
Pragmata ist genau die Art neues AAA-Spiel, die man selten bekommt: fokussiert, eigenständig und spielerisch klar begründet. Es braucht keine offene Welt, um groß zu wirken. Es braucht ein starkes System, und das hat es.
Wer lineare Actionspiele vermisst und Lust auf ein Kampfsystem hat, das Schießen, Ausweichen und ein aktives Hacking-Minispiel gleichzeitig verlangt, sollte Pragmata auf dem Zettel haben. Kleinere Irritationen beim Figurendesign ändern wenig daran, dass Capcom hier eine frische Marke mit viel Substanz liefert.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
