Mina the Hollower wirkt zuerst wie ein Fundstück aus der Game-Boy-Zeit. Nach kurzer Zeit zeigt sich aber ein viel moderneres Spiel: schnell, streng, voller versteckter Wege und mit genug Systemtiefe, um auch nach dem Abspann interessant zu bleiben.
Der alte Look wird nicht jedem gefallen. Wer damit leben kann, bekommt ein dichtes Dungeon-Adventure mit Souls-Elementen, cleveren Werkzeugen und einem bemerkenswert flexiblen Schwierigkeitsgrad.
Alte Ansicht, moderne Härte
Mina the Hollower setzt auf eine Vogelperspektive und erinnert klar an klassische Abenteuer auf Nintendos Handhelds. Dazu kommt ein viktorianisches Grusel-Setting mit Monstern, Türmen und einer Heldin, die sich durch Erde graben kann.
Das Ziel ist klar: Eine große Welt mit mehr als 1.200 Bildschirmen erkunden, sechs Türme aufsuchen, Monster bekämpfen und Generatoren reparieren. Dabei sammelt Mina Ausrüstung, findet versteckte Passagen und wird Schritt für Schritt stärker.
Das klingt zunächst sehr traditionell. Der entscheidende Punkt ist das Tempo. Mina verlangt genaue Bewegungen, gutes Timing und die Bereitschaft, eigene Fehler zu akzeptieren. Gerade Sprungpassagen können härter wirken als manche Bosse.
Der Tod tut weh, aber nicht unfair
Beim Sterben verliert Mina ihre Knochen. Sie dienen als Währung und Erfahrung. Danach gibt es eine Chance, sie wieder einzusammeln. Das kennt man in ähnlicher Form aus Souls-Spielen.
Gespeichert und wiederbelebt wird an unterirdischen Laboren. Von dort aus geht es erneut in die Welt. Wer genug Knochen sammelt, kauft Ausrüstung oder stärkt Werte wie Angriff, Verteidigung und Spezialwaffen.
Wichtig ist Minas Fähigkeit zum Graben. Sie kann kurz im Boden verschwinden, Angriffe umgehen und geheime Stellen entdecken. Das ist kein kleines Extra, sondern ein Kernsystem. Viele Wege und Schätze versteht man erst, wenn man alle Werkzeuge ernst nimmt.
Viele Waffen, viele Builds
Mina hat fünf Hauptwaffen. Dazu zählen unter anderem schnelle Dolche, eine Peitsche mit Stachelkugel und ein Schild. Der Schild ist besonders interessant, weil er schützt, angreift und mit gutem Timing sogar als Sprungplattform dient.
Dazu kommen Sekundärwaffen wie Wurfäxte, Fassbomben, beschwörbare Begleiter und ein Lanzenfahrrad mit Klingel. Außerdem lassen sich 60 Schmuckstücke finden. Manche verbessern einfache Werte. Andere verändern den Spielstil stärker.
Bis zu sechs Schmuckstücke können gleichzeitig getragen werden. So entstehen Builds, die zu deiner Spielweise passen. Mehr Verteidigung, mehr Beschwörungen, schnelle Nahkampfangriffe oder andere Kombinationen, das Spiel lässt dir viel Raum zum Ausprobieren.
Schwer, aber sehr anpassbar
Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist Mina the Hollower fordernd. Das Spiel kann aber stark angepasst werden. Du kannst Mina mehr Lebensenergie, mehr Sprungkraft, mehr Währung oder sogar Unverwundbarkeit geben.
Du kannst es dir auch schwerer machen. Feinde lassen sich stärker einstellen, Rücksetzpunkte können entfernt werden und Mina kann geschwächt werden. Das ist ungewöhnlich offen.
Der Haken: Wer das Spiel leichter stellt, erhält bestimmte Heldentaten nicht mehr. Diese Auszeichnungen gibt es für besondere Erfolge wie seltene Funde oder besiegte Bosse. Das ist ein guter Kompromiss. Niemand wird ausgesperrt, aber die harte Variante behält ihren Reiz.
Die Welt belohnt Neugier
Mina the Hollower lebt von Entdeckungen. Wer aufmerksam spielt, findet Abkürzungen, Händler, optionale Inhalte und schwere Bonuskämpfe. Viele Truhen oder Wege wirken zuerst unerreichbar, sind es aber nicht.
Das Spiel erklärt nicht alles direkt. Manche Fähigkeiten und Möglichkeiten musst du selbst testen oder im digitalen Handbuch nachlesen. Das kann kurz nerven, sorgt aber auch für starke Aha-Momente.
Nach dem ersten Durchlauf ist nicht Schluss. Es gibt sieben New-Game-Plus-Runden. Erst werden Gegner stärker. Später nimmt das Spiel Rücksetzpunkte weg oder verteilt Items per Zufall neu in der Welt. Für Fans harter Wiederholungen ist das viel Stoff.
Technisch sauber, optisch Geschmackssache
Technisch macht Mina the Hollower einen sehr stabilen Eindruck. Im Testmaterial werden keine Bugs, Abstürze oder Aussetzer genannt. Das ist gerade bei einem so genauen Action-Adventure wichtig.
Der Look bleibt der größte Streitpunkt. Die Pixelgrafik ist sehr einfach und absichtlich alt. Zwischensequenzen lockern das auf, aber wer mit NES- oder Game-Boy-Optik nichts anfangen kann, wird hier wahrscheinlich nicht warm.
Die deutsche Übersetzung ist nutzbar, wirkt aber nicht sauber. Es gibt Flüchtigkeitsfehler und sperrige Begriffe. Da das Spiel nicht extrem textlastig ist, zerstört das den Eindruck nicht. Auffallen kann es trotzdem.
Wertung
- Gameplay: 5 von 5, starkes Kampfsystem, viele Werkzeuge, harte Prüfungen und viel Freiheit bei Builds.
- Grafik: 3 von 5, konsequent retro, aber sehr schlicht und nicht für jeden schön.
- Story: 4 von 5, das Grusel-Setting und die Türme tragen die Erkundung, ohne das Spiel mit Text zu überladen.
- Sound: 3 von 5, aus dem vorliegenden Testmaterial ergeben sich keine starken Detailpunkte nach oben oder unten.
Mina the Hollower ist kein Spiel für alle. Es ist hart, manchmal ruppig und optisch sehr altmodisch. Genau darin liegt aber auch seine Stärke. Die Systeme greifen sauber ineinander, die Welt ist dicht gefüllt und der Wiederspielwert ist hoch.
GoodGame.Ruhr-Wertung: 9 von 10. Wer Retro-Abenteuer mag und gerne an schwierigen Stellen wächst, sollte Mina the Hollower auf dem Zettel haben.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
