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Palworld-Klage: Für Nintendo könnte es nur um Kleingeld gehen

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Der Rechtsstreit zwischen Nintendo, The Pokémon Company und Pocketpair bleibt wichtig, aber womöglich nicht wegen des Geldes. Nach Einschätzung des IP-Experten Florian Müller könnte Nintendo selbst im Erfolgsfall nur auf eine vergleichsweise geringe Summe kommen. Genannt werden höchstens 5 Millionen Yen, also rund 27.000 Euro, plus mögliche Zinsen.

Der Grund liegt im Zuschnitt der Klage und in den Änderungen, die Pocketpair nach den rechtlichen Drohungen an Palworld vorgenommen hat. Für die aktuelle Fassung des Spiels sieht Müller keinen realistischen Weg mehr zu einer einstweiligen Verfügung mit spürbarer Wirkung.

Worum es in der Klage geht

Nintendo und The Pokémon Company gehen in Japan gegen Pocketpair vor. Im Zentrum stehen Patente, die sich um Spielmechaniken zum Fangen und Einsetzen von Kreaturen drehen. Palworld nutzte ursprünglich eine Mechanik, bei der Spieler ein ballähnliches Objekt, die Pal Sphere, auf Monster im Feld warfen, um sie zu fangen.

Diese Nähe zu Pokémon Legends: Arceus war früh ein Thema. Die Klage läuft aber nicht über Urheberrecht an Designs, sondern über Patentrecht. Das ist ein wichtiger Unterschied. Es geht nicht darum, ob ein Pal wie ein Pokémon aussieht, sondern ob bestimmte technische Spielabläufe unter geschützte Patente fallen.

Pocketpair hat Palworld bereits umgebaut

Pocketpair reagierte auf den Druck mit Änderungen am Spiel. Mit Patch v0.3.11 im November 2024 wurde entfernt, dass Pals durch geworfene Pal Spheres beschworen werden. Stattdessen erscheinen sie statisch neben der Spielfigur. Auch andere Mechaniken wurden angepasst.

Später änderte Pocketpair außerdem das Gleiten. Statt mit Pals gleiten Spieler nun mit einem Gleitschirm. Das Studio bezeichnete solche Schritte als Kompromisse, die nötig seien, um weitere Störungen bei Entwicklung und Verkauf zu vermeiden.

Warum die Summe so niedrig ausfallen könnte

Laut Müller haben Nintendo und The Pokémon Company den Umfang ihrer Ansprüche Ende 2025 angepasst. Der Fall soll sich demnach auf ältere Versionen von Palworld beziehen, nicht mehr auf alle Fassungen des Spiels. Genau dadurch schrumpft der wirtschaftliche Kern des Streits.

Für Schadenersatz zählt nur ein begrenzter Zeitraum und nur der japanische Markt. Nintendo reichte die betreffenden Teilpatentanmeldungen erst nach dem Palworld-Start im Januar 2024 ein. Pocketpair änderte die betroffenen Mechaniken im November desselben Jahres. Dazu kommt: Ein japanisches Patent liefert keine Grundlage, um weltweite Verkäufe in Japan geltend zu machen.

Damit bleibt, selbst bei einem theoretischen Erfolg gegen ältere Versionen, ein enger Ausschnitt übrig. Für Konzerne dieser Größe wäre ein Betrag im Bereich von rund 27.000 Euro kein wirtschaftlicher Treffer, sondern eher ein Nebenschauplatz.

Der Fall ist trotzdem nicht egal

Für Spieler ist weniger die mögliche Zahlung spannend, sondern die Frage, wie stark Patente künftig Spielmechaniken berühren können. Wenn einfache Aktionen wie Fangen, Beschwören oder Kämpfenlassen von Figuren rechtlich eng ausgelegt werden, kann das Druck auf andere Studios ausüben.

Gleichzeitig zeigt der Fall auch die Grenzen solcher Strategien. In den USA wurde ein umstrittenes Pokémon-Patent zum Beschwören und Kämpfenlassen eines Charakters im April abgelehnt, nachdem es deutliche Kritik aus der IP-Rechtswelt gab. Müller hält neue Klagen in anderen Ländern zwar für möglich, sieht aber praktische Hürden, weil Patente auf Spielregeln schwer durchzusetzen sein können.

Was als Nächstes ansteht

Das japanische Verfahren soll noch 2026 weiter vorankommen. Für den 1. Oktober ist eine Beweisaufnahme angesetzt. Am 9. November 2026 soll eine Stellungnahme folgen.

Parallel nähert sich Palworld 1.0. Diese Version soll am 10. Juli erscheinen. Nach der aktuellen Einschätzung dürfte der laufende Streit vor allem ältere Fassungen betreffen. Für die Spieler der aktuellen Version wäre das die wichtigste Nachricht: Der Rechtsstreit bleibt laut, aber sein direkter Einfluss auf Palworld könnte deutlich kleiner sein, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.