Assassin's Creed Black Flag Resynced wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Remake: bessere Technik, neue Engine, überarbeitete Systeme. Spannender ist aber, was Ubisoft an der Geschichte anfasst.
Statt Edward Kenway einfach noch einmal durch dieselbe Piratenkarriere zu schicken, soll Resynced Lücken schließen. Vor allem seine Beziehung zu Caroline rückt stärker nach vorn. Das kann dem alten Abenteuer gut tun, wenn Ubisoft dabei die Balance hält.
Mehr als ein hübscher Neuaufbau
Resynced basiert nicht nur auf einer optischen Auffrischung. Das Spiel wurde auf die Ubisoft-Anvil-Engine umgestellt, die auch bei Assassin's Creed Shadows zum Einsatz kam. Dazu kommen Änderungen am Kampfsystem und an weiteren Mechaniken.
Für viele Fans wird trotzdem die Frage zählen: Bleibt Black Flag noch Black Flag? Gerade dieses Spiel lebt nicht nur von Schiffen, Kämpfen und Beutezügen, sondern auch von Edward Kenway. Er ist kein sauberer Held. Er ist ehrgeizig, blind für die Folgen seiner Entscheidungen und lange mehr Abenteurer als Assassine.
Genau dort setzt Ubisoft offenbar an. Die Geschichte wird nicht nur nacherzählt, sondern ergänzt. Bestehende Figuren sollen mehr Raum bekommen, neue Kapitel kommen dazu, und sogar neue Mitglieder für Kenways Crew sind geplant.
Darby McDevitt kehrt als Berater zurück
Wichtig ist dabei ein Name: Darby McDevitt. Der Hauptautor des Originals arbeitet als Berater an Resynced mit. Für Black Flag erhielt er damals eine Nominierung der Writers Guild of America. Seine Rückkehr ist deshalb mehr als ein nettes Detail für die Pressemappe.
McDevitt hat für Resynced drei neue Zwischensequenzen geschrieben. Alle drei drehen sich um Caroline. Im Original ist sie für Edward ständig wichtig, aber selten wirklich anwesend. Sie erscheint vor allem als Person, der er nicht gerecht wurde.
Das Remake will diesen Eindruck erweitern. Edward soll nicht nur als Mann gezeigt werden, der seine Frau zurücklässt. Resynced will deutlicher machen, dass er glaubt, für sie sorgen zu müssen, und dass dieser Gedanke ihn in eine gefährliche Richtung schiebt.
Die Schokoladen-Szene erklärt Edwards Antrieb
Eine neue Szene setzt sehr früh an. Edward schenkt Caroline Schokolade. Das klingt klein, ist aber bewusst gewählt. Schokolade war in der Zeit der Handlung ein Luxus. Edward spart dafür und verbindet damit seinen Wunsch, ihr mehr bieten zu können.
Die Szene soll zeigen, dass Edward zu diesem Zeitpunkt nicht als Pirat denkt. Er sieht die Fahrt in die Neue Welt eher als Chance auf offiziellen, legalen Aufstieg. Freibeuterei ist für ihn noch nicht dasselbe wie Piraterie. In seinem Kopf klingt es nach einem Weg, schnell Geld zu verdienen und mit Status zurückzukehren.
Das ist ein interessanter Ansatz, weil er Edwards Fehler nicht entschuldigt, aber lesbarer macht. Sein Problem ist nicht nur Gier. Es ist auch Naivität. Er unterschätzt das Leben auf See, die Härte der Arbeit und die moralische Abwärtsspirale, die daraus entstehen kann.
Caroline soll länger präsent bleiben
Im Original gab es Rückblenden mit Caroline, doch ihre Präsenz verlor im Mittelteil an Gewicht. Resynced verschiebt einige dieser Momente und fügt neue Szenen ein, damit sie über einen größeren Teil der Handlung spürbar bleibt.
Eine weitere Ergänzung zeigt den Inhalt eines Briefes, den Edward ihr im Original schreibt. Außerdem wurde die letzte Begegnung mit Blackbeard Roberts angepasst. Da die Gegenwartsebene des Originals in Resynced nicht mehr dieselbe Rolle spielt, soll dieser historische Teil stärker auf Edwards Geschichte zurückgeführt werden.
Das ist ein klarer Eingriff. Die moderne Rahmenhandlung von Black Flag hing 2013 eng mit der damaligen Assassin's-Creed-Erzählung rund um Desmonds Tod zusammen. Für Resynced ist diese konkrete Gegenwart nicht mehr der passende Anker. Laut McDevitt bleibt die alte Wendung im Kanon des Originals bestehen, sie ist nur für diese Version nicht mehr so direkt relevant.
Warum das Remake hier vorsichtig sein muss
Für mich ist das der spannendste Punkt an Resynced. Technik altert sichtbar. Erzählrhythmus altert leiser. Manchmal merkt man erst Jahre später, wo ein Spiel zu schnell war oder eine Figur zu wenig Luft bekam.
Black Flag hat genug starke Momente, die man nicht glattbügeln sollte. Gerade Edwards rauer Weg funktioniert, weil er nicht sofort vollständig sympathisch ist. Wenn Resynced seine liebevolle Seite stärker zeigt, darf daraus kein sauberer, entschärfter Edward werden.
Die beschriebenen Ergänzungen klingen aber sinnvoll. Sie greifen keinen Nebenstrang aus dem Nichts auf, sondern stärken eine Motivation, die im Original bereits da war. Caroline war immer Teil von Edwards Denken. Resynced macht sie nur sichtbarer.
Was Fans erwarten können
- Eine technische Überarbeitung auf Basis der neueren Ubisoft-Anvil-Engine.
- Änderungen am Kampfsystem und an weiteren Spielmechaniken.
- Drei neue Zwischensequenzen von Darby McDevitt.
- Mehr Fokus auf Caroline und Edwards Wunsch, ihr ein besseres Leben zu bieten.
- Anpassungen an der Erzählung, weil die alte Gegenwartsebene nicht mehr denselben Platz hat.
- Zusätzliche Story-Inhalte, darunter neue Kapitel und neue Crew-Mitglieder.
Resynced wird damit nicht nur ein Test für Technik und Nostalgie. Es wird auch ein Test dafür, wie viel man an einem beliebten Spiel ergänzen kann, ohne dessen Erinnerung zu beschädigen. Wenn Ubisoft die neuen Szenen sauber einfügt, könnte Edward Kenway am Ende nicht anders wirken, sondern vollständiger.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.