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1666 Amsterdam Vorschau: Mehr Mystery als Assassin’s Creed

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

1666 Amsterdam trägt eine schwere Erwartung mit sich: Der Name Patrice Désilets, ein historisches Setting und Schleichen über Dächer lassen schnell an Assassin’s Creed denken. Der spielbare Prolog wirkt aber deutlich langsamer, mysteriöser und erzählerischer.

Die rund 30 Minuten lange Demo zeigt vor allem Stimmung, Dialoge und kleine Erkundungsaufgaben. Action gibt es bisher nur als Versprechen. Genau deshalb ist die wichtigste Frage nicht, ob 1666 Amsterdam das verlorene Assassin’s Creed wird, sondern ob es als eigenes düsteres Adventure stark genug steht.

Ein Prolog mit zwei Zeitebenen

Der Einstieg wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In der Vergangenheit sehen wir Noa Brooklyn, die während eines magischen Rituals zur Zaindaris wird. Dieser Orden kann die Kraft übernatürlicher Wesen aufspüren und aufnehmen.

Dazu kommt ein Katzengefährte. Die Katze soll helfen, Orte zu erreichen, die für Menschen nicht zugänglich sind. Im Prolog ist sie nicht nur Begleitung, sondern wird auch steuerbar.

Dann springt die Handlung in die Gegenwart. Die Studentin Clio untersucht mit ihrem Professor einen mysteriösen Brief ihres verstorbenen Vaters. Die Zeichen darauf bewegen sich, verschwimmen und lassen sich zunächst nicht lesen. Aus dem Dokument entsteht die Verbindung zur Zaindaris-Magie.

Diese Grundidee ist stark, weil Vergangenheit und Gegenwart enger verbunden wirken als bei vielen vergleichbaren Historien-Abenteuern. Der Orden, die Frage nach seiner wahren Rolle und die übernatürlichen Gegner geben dem Spiel früh eine klare Richtung.

Mehr langsames Erkunden als Parkour-Fantasie

Wer bei 1666 Amsterdam sofort an Klettern, Verfolgen und Ausschalten denkt, bekommt im Prolog noch wenig davon. Die Demo setzt auf lineare Wege, Gespräche, Hinweise und kleine Interaktionen.

Ein Abschnitt führt durch ein belebtes Hotel in Amsterdam. Dort folgt der Spieler eingeblendeten Texten und Erzählspuren. In einem Zimmer werden Schubladen durchsucht und Gegenstände vorbereitet. Das erinnert stärker an erzählerische Adventures als an ein offenes Action-Spiel.

Auch die Katzenpassagen bleiben bisher geführt. Der Pfad ist klar vorgegeben, und das Spiel zeigt, wann ein Knopfdruck nötig ist. Das kann sich in späteren Abschnitten ändern, aber der Prolog verkauft zuerst Atmosphäre, nicht Freiheit.

Die Steuerung wirkt noch zu umständlich

Ein Punkt fällt in der frühen Fassung negativ auf: einfache Aktionen brauchen viele Eingaben. Anvisieren, markieren, bestätigen und dann noch interagieren, das ist für kleine Aufgaben recht viel Handarbeit.

Das kann ein Versuch sein, mehr Kontrolle zu geben. Im Prolog wirkt es aber eher schwerfällig. Wenn eine magische Laterne erst über mehrere Schritte aktiviert werden muss, entsteht nicht automatisch mehr Tiefe.

Ähnlich läuft es in der Gegenwart. Clio sucht in einer Bibliothek nach der passenden Abteilung, markiert sie selbst und löst darüber die nächste Information aus. Die Idee, Hinweise eigenständig zu setzen, ist gut. Sie verliert aber Wirkung, wenn die Lösung gleichzeitig sehr deutlich angesagt wird.

Das historische Amsterdam bleibt das große Versprechen

Der Trailer deutet an, dass spätere Teile mehr Kampf, Magie, Ermittlungen und ein historisches Amsterdam bieten sollen. Dort verstecken sich die Ursprünglichen, düstere Zauberwesen in Menschengestalt. Wie frei man sie finden und ausschalten kann, zeigt der Prolog noch nicht ausreichend.

Optisch setzt 1666 Amsterdam bereits klare Akzente. Die Umgebungen sind detailreich, Bilder verändern sich leicht, kleine unheimliche Hinweise stören die Normalität. Licht und Animationen machen in der frühen Fassung ebenfalls einen guten Eindruck.

Gerade diese leisen Momente tragen den Prolog. Das Spiel wirkt dann am stärksten, wenn es nicht erklärt, sondern irritiert. Ein Hotel, ein Brief, ein Bild, das nicht ganz stimmt: Daraus entsteht mehr Spannung als aus dem bloßen Verweis auf bekannte Action-Adventure-Vorbilder.

Für wen die Vorschau wichtig ist

1666 Amsterdam startet noch dieses Jahr in den Early Access. Die Prolog-Demo ist deshalb kein endgültiges Urteil, aber sie setzt die Erwartungen neu. Das Spiel kann später offener, kampflastiger und freier werden. Der erste Eindruck spricht aber für ein Adventure mit starkem Mystery-Fokus.

Das ist keine schlechte Nachricht. Es ist nur eine andere. Wer vor allem ein neues Assassin’s-Creed-Gefühl sucht, sollte vorsichtig bleiben. Wer düstere Magie, historische Schauplätze, langsame Ermittlungen und übernatürliche Rätsel mag, sollte 1666 Amsterdam im Blick behalten.

Der spannendste Weg für das Spiel wäre nicht, alte Stärken zu kopieren. Es sollte die eigene Mischung aus Orden, Katzen, Gegenwart, Vergangenheit und unheimlichem Amsterdam ernst nehmen. Genau dort liegt im Moment das größte Potenzial.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.