Blood Message wirkt wie ein Spiel, das sehr genau weiß, welche Art von Action es sein will: direkt, brutal, filmisch und eng an eine persönliche Geschichte gebunden. Die bisher gezeigte Demo führt nach Shazhou im Jahr 848 und stellt einen Vater in den Mittelpunkt, der seinen Sohn sucht, während eine Stadt kurz vor dem Aufstand steht.
Für mich ist daran weniger spannend, ob man hier einzelne bekannte Vorbilder erkennt. Entscheidend ist, ob Blood Message aus seinen Teilen ein eigenes Gewicht entwickelt. Nach dem gezeigten Material spricht einiges dafür, denn Kampf, Schleichen und Fluchtsequenzen greifen offenbar eng ineinander.
Eine historische Kulisse mit persönlichem Kern
Blood Message spielt im China des 9. Jahrhunderts. Der gezeigte Abschnitt führt in die Stadt Shazhou, ein strategisch wichtiger Ort an der Seidenstraße. In der Geschichte des Spiels steht die Stadt seit Jahrzehnten unter tibetischer Herrschaft. Die Lage ist angespannt, die Bevölkerung steht kurz vor einer Rebellion.
Im Zentrum steht Pei Changguan. Er kehrt nach Hause zurück, weil er seinen Sohn finden und mit ihm vor der Gewalt fliehen will. Begleitet wird er von seinem Bruder Arrtai. Doch die Stadt ist geplündert, der Sohn ist verschwunden und die Suche zieht Pei tiefer in den Konflikt hinein.
Der historische Rahmen ist nicht nur Dekoration. Shazhou existiert wirklich, und für das Jahr 848 wird der Aufstand unter Zhang Yichao als wichtiger Bezugspunkt genannt. Blood Message erzählt daraus keine offene Sandbox, sondern ein lineares, filmisches Abenteuer. Das passt zu dem, was bisher gezeigt wurde: ein klar geführter Weg, viel Druck, wenig Leerlauf.
Kämpfe mit wenig Abstand und viel Risiko
Die Nahkämpfe stehen sichtbar im Mittelpunkt. Pei nutzt leichte und schwere Angriffe, blockt, pariert und weicht aus. Das klingt erst einmal bekannt. Interessanter ist aber, wie schnell die Gefechte kippen können. Schon wenige Treffer reichen offenbar, um Gegner zu Boden zu bringen. Gleichzeitig hält Pei selbst nicht beliebig viel aus.
Damit wirkt Blood Message weniger wie ein Spiel, in dem man große Gruppen einfach abarbeitet. Gegner können Pei bedrängen, ihn zu Boden werfen und in Paaren angreifen. Soldaten mit Schilden blocken einfache Hiebe, also müssen schwere Angriffe die Deckung öffnen. Timing scheint wichtig zu sein, nicht nur Angriffslust.
Das gezeigte Material legt außerdem Wert auf kontextbezogene Aktionen. Pei nutzt die Umgebung, schleudert Gegenstände, setzt Gegner in engen Räumen unter Druck und beendet Kämpfe mit sehr harten Finishern. Das ist nichts für empfindliche Spielerinnen und Spieler. Blood Message zeigt Blut und Gewalt deutlich, passend zu seinem ernsten Ton.
Schleichen ist kein Bonus, sondern Überleben
Pei wird als fähiger Kämpfer gezeigt, aber nicht als unverwundbare Ein-Mann-Armee. Das ist ein wichtiger Unterschied. In manchen Szenen muss er Gegner umgehen oder leise ausschalten. Er kann sich ducken, Sichtlinien meiden und von oben zuschlagen, wenn Soldaten nichts ahnen.
Auch die Umgebung spielt dabei eine Rolle. Fallen wie hängende Kisten oder verstreute Gewürze können Gegner ablenken oder blenden. Solche Details sind wichtig, weil sie das Schleichen nicht nur zu einem langsameren Weg machen. Sie geben Pei Werkzeuge, wenn direkte Gewalt zu riskant wird.
Gleichzeitig scheint Blood Message nicht jedes Problem als Stealth-Puzzle zu behandeln. Die Demo wechselt zwischen leisen Momenten, offenen Kämpfen und Flucht. Genau dieser Wechsel könnte dem Spiel helfen, seine lineare Struktur spannend zu halten.
Unreal Engine 5 und viel Schmutz im Bild
Visuell setzt Blood Message auf die Unreal Engine 5. In der Demo fallen vor allem Licht, Texturen und kleine Oberflächen auf: Stoffe, Flammen, Schmutz, Schweiß und enge Innenräume. Das Spiel zielt klar auf eine sehr filmische Darstellung.
Wichtig ist dabei, dass die Action trotz der Detailfülle schnell wirken soll. Wenn ein Spiel so stark auf Nähe, Trefferwirkung und Chaos setzt, darf die Technik nicht nur schöne Standbilder liefern. Das bisher gezeigte Material macht zumindest den Eindruck, dass Blood Message Bewegung und Bildgestaltung gemeinsam denkt.
Die Vergleiche mit modernen Action-Abenteuern liegen nahe, besonders wegen der Mischung aus Nahkampf, erzählerischem Fokus und Begleiterfigur. Trotzdem hat Blood Message durch die historische Einordnung und die konkrete Situation in Shazhou eine eigene Grundlage. Ob das über mehrere Stunden trägt, lässt sich noch nicht seriös sagen.
Was noch offen ist
Blood Message ist für PC und Konsolen bestätigt. Ein Veröffentlichungszeitraum wurde noch nicht genannt. Auch wie lang das Abenteuer wird, wie stark sich Pei entwickelt oder wie frei die Wege durch einzelne Abschnitte sind, bleibt offen.
Für Action-Fans ist der Titel aber einer, den man im Blick behalten sollte. Nicht, weil er alles neu erfindet. Sondern weil er nach einem konzentrierten, erwachsenen Actionspiel aussieht, das seine Kämpfe ernst nimmt und seine Geschichte nicht vom Gameplay trennt.
Meine wichtigste Frage bleibt: Hält Blood Message diese Härte und Dichte auch abseits einer sorgfältig ausgewählten Demo durch? Wenn ja, könnte hier ein sehr spannender Titel für Spielerinnen und Spieler entstehen, die lineare Action-Abenteuer vermisst haben.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
