The Adventures of Elliot: The Millenium Tales ist ein Action-Adventure im HD-2D-Look und zielt klar auf Menschen, die mit SNES-Abenteuern, Mana, Terranigma oder frühen Zelda-Spielen etwas anfangen können. Der Griff in diese alte Kiste funktioniert oft erstaunlich gut.
Der große Haken: Elliot bleibt zu vorsichtig. Viele Ideen sind sauber gebaut, aber selten mutig. Aus einem sehr angenehmen Abenteuer wird dadurch kein Pflichtspiel, sondern ein gutes Spiel mit klar sichtbarer Luft nach oben.
Ein Abenteuer mit sehr bekannten Wurzeln
Elliot startet als junger Abenteurer im Königreich Huther. Das Reich steht im Kampf gegen die Biestlinge unter Druck. Mysteriöse Ruinen sollen helfen, entpuppen sich aber als Tor in die Vergangenheit. Daraus entsteht eine Reise durch mehrere Zeitalter.
Spielerisch ist das sofort vertraut. Du bewegst Elliot aus der Top-down-Perspektive, erkundest die Welt, betrittst Dungeons, löst Umgebungsrätsel und kämpfst gegen kleine Gegnergruppen. Das Spiel macht keinen Hehl daraus, welche Klassiker es schätzt.
Das ist erst einmal kein Problem. Gerade die ersten Stunden haben einen guten Rhythmus. Du weichst vom Hauptweg ab, suchst Schätze, sammelst Splitter für mehr Lebensenergie, gibst Rubine in Läden aus und nutzt Maginit, um Juwelen für Waffen zu erstellen. Das ist klassische Abenteuerkost, aber sauber zusammengesetzt.
Werkzeuge, Waffen und Faie
Elliot bleibt nicht lange beim einfachen Schwert. Im Verlauf kommen unter anderem Speer, Kettensichel, Bogen, Bumerang, Bomben und Hammer dazu. Manche Werkzeuge helfen nicht nur im Kampf, sondern öffnen auch Wege. Brüchige Wände lassen sich sprengen, Nägel werden mit dem Hammer in den Boden geschlagen.
Wichtig ist auch Faie. Die Begleiterin gibt Hinweise und lässt sich unabhängig von Elliot steuern. Mit ihren Fähigkeiten entzündest du Fackeln, teleportierst dich über Lücken, bewegst dich über brüchige Flächen oder nutzt Doppelgänger. Auf dem Papier ist das eine starke Grundlage für Rätsel.
In den besten Momenten greifen diese Systeme gut ineinander. Dann fühlt sich Elliot direkt, klar und angenehm altmodisch an. Nicht träge, nicht überladen, sondern wie ein modernes Spiel, das verstanden hat, warum diese Art Abenteuer früher funktioniert hat.
Die Zeitreise nutzt sich zu wenig
Die Idee mit verschiedenen Zeitebenen klingt nach einem großen Versprechen. Genau dort wird Elliot aber schwächer. Die zentrale Stadt verändert sich sichtbar, die Weltkarte drumherum dagegen nur begrenzt. Kleinere Details und angepasste Farben reichen nicht aus, damit jede Epoche wirklich frisch wirkt.
Dadurch entsteht ein Problem: Du erkundest gefühlt zu oft ähnliche Orte erneut. Bei einem Action-Adventure, das stark vom Entdecken lebt, fällt das auf. Die Welt bleibt angenehm spielbar, aber sie überrascht zu selten.
Auch die Gegner wiederholen sich früh. Die Typen an sich haben Charme, etwa kämpfende Hähne, musikalische Frösche, mechanische Soldaten oder elefantenartige Humanoide. Nur ändern sie am Ablauf wenig. Viele Feinde setzen im Kern auf ein einzelnes Angriffsmuster. Nach kurzer Zeit liest du sie leicht aus.
Die Folge ist ein niedriger Druck. Wer möchte, kann sich eigene Ziele setzen, etwa lange ohne Treffer zu bleiben, um mehr Ressourcen mitzunehmen. Das ersetzt aber keine wirklich fordernden Gegner.
Dungeons sind ordentlich, Bosse machen mehr her
Die größeren Dungeons liefern das erwartete Paket: mehrere Ebenen, Schlüssel, Türen, Schätze, Rätsel und am Ende ein Boss. Spiegel lenken Lichtstrahlen um. Wasserstände verändern Wege. Das ist alles verständlich und meist hübsch gebaut.
Nur bleibt es zu oft bei der naheliegenden Lösung. Faies Fähigkeiten könnten deutlich stärker gefordert werden. Wer schwierige Rätsel sucht, bekommt hier eher leichte Aufgaben als echte Kopfnüsse.
Besser fallen die Bosskämpfe aus. Sie fragen Elliots Werkzeuge und Fähigkeiten kreativer ab. Zwar kannst du dich oft auch mit roher Gewalt und Tränken durchsetzen, aber wer die passende Strategie nutzt, hat mehr Spaß. Bei einem Bildschirmtod kann Faie Elliot gegen eine kleine Gebühr zurückholen. Das ist bequem, nimmt aber zusätzlich Spannung heraus.
Gut ist: Die Schwierigkeitsgrade lassen sich während des Abenteuers wechseln. Wer mehr Gegenwehr möchte, muss also nicht von vorn beginnen.
HD-2D bleibt die große Stärke
Optisch zeigt Elliot, warum HD-2D immer noch zieht. Pixelige Figuren, räumliche Tiefe und moderne Effekte passen gut zusammen. Die getestete Switch-2-Fassung wird mit scharfem Bild und stabiler Bildrate beschrieben. Nur im Handheld-Modus treten gelegentliche Ruckler auf.
Der Ton hilft ebenfalls. Die Dialoge sind vollständig vertont, kommen aber stellenweise etwas häufig. Der Soundtrack trägt die Abenteuerstimmung deutlich besser. Die Geschichte beginnt mit bekannten Genre-Mustern, führt ihre losen Teile später aber befriedigend zusammen. Nach dem Abspann gibt es zudem noch Dinge zu entdecken.
Wertung
- Gameplay: 3/5, direkt und angenehm, aber zu repetitiv und zu leicht.
- Grafik: 5/5, starker HD-2D-Look mit sauberer technischer Basis auf Switch 2.
- Story: 3/5, startet sehr vertraut, findet später aber mehr Halt.
- Sound: 4/5, guter Soundtrack und volle Vertonung, auch wenn die Dialogdichte auffällt.
The Adventures of Elliot: The Millenium Tales ist kein Fehlgriff. Es ist ein gutes, zugängliches Action-Adventure für Retro-Fans, die Lust auf HD-2D und klassische Dungeon-Kost haben. Wer aber erwartet, dass die Zeitreise die Welt stark verändert oder die Rätsel und Kämpfe richtig anziehen, wird Grenzen spüren. Für mich ist das Fundament stark genug, um neugierig auf mehr zu machen. Dieses erste Abenteuer bleibt aber zu zahm, um seine Vorbilder ernsthaft herauszufordern.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.