Die neue Steam Machine ist kein Angriff auf PlayStation 5 und Xbox Series X im klassischen Sinn. Valve positioniert sie als kleinen Einstiegs-PC fürs Wohnzimmer, und genau dort liegt ihre Stärke.
Der Haken ist der Preis. 1.049 US-Dollar für die Version mit 512 GB und 1.349 US-Dollar für das 2-TB-Modell sind deutlich mehr als bei den aktuellen Basiskonsolen. Als kompakter Gaming-PC wirkt die Rechnung aber weniger absurd.
Ein Mini-PC für das Wohnzimmer
Die Steam Machine ist ein kleiner Würfel mit rund sechs Zoll Kantenlänge. Unten sitzt eine RGB-Leiste, vorne gibt es zwei USB-A-Anschlüsse und einen MicroSD-Kartenleser. Hinten liegen HDMI, DisplayPort, Strom, Ethernet, zwei weitere USB-A-Ports und ein USB-C-Port.
Das klingt nüchtern, passt aber zur Idee. Die Box soll nicht wie ein großer Gaming-PC aussehen. Sie soll neben dem Fernseher stehen, starten und möglichst wenig Arbeit machen.
Interessant ist auch die Kühlung. Das Gerät nutzt einen Lüfter auf der Rückseite. Frische Luft kommt von vorn, warme Luft geht nach hinten raus. Der Innenraum besteht zu großen Teilen aus Aluminiumlamellen. Für ein enges TV-Rack ist das praktischer als ein Gehäuse, das seitlich viel Platz braucht.
Der Preis schmerzt, ist aber erklärbar
Mit 1.049 US-Dollar startet die Steam Machine klar oberhalb von PlayStation 5 und Xbox Series X. Für reine Konsolenspieler ist das schwer zu verkaufen.
Valve zielt aber auf einen anderen Vergleich. Die Hardware soll preislich mit einem ähnlich ausgestatteten Gaming-PC konkurrieren. Laut Test kommt ein vergleichbarer Selbstbau-PC auf etwa 1.050 US-Dollar, allerdings in einem deutlich größeren ATX-Gehäuse.
Ein Grund für den hohen Preis ist die aktuelle RAM-Lage. Die 16 GB Arbeitsspeicher im Gerät wurden im Testumfeld allein mit fast 250 US-Dollar angesetzt. Das macht die Steam Machine nicht billig, erklärt aber, warum sie nicht bei den früher erwarteten rund 800 US-Dollar landet.
Weniger Basteln als am typischen PC
Der große Vorteil liegt in der Bedienung. Die Steam Machine startet direkt in Steam Big Picture. Der Login funktioniert per QR-Code über die Steam-Mobile-App. Danach lädt man Spiele herunter und spielt los.
Viele Einstellungen bleiben trotzdem erreichbar. Über das Steam-Menü lassen sich etwa Auflösung und RGB-Beleuchtung anpassen. Im Schnellmenü können Bildwiederholrate und GPU-Leistung verändert werden.
Wer will, kann in den Linux-Desktop wechseln. Dort lässt sich die Box auch als kleiner Arbeitsrechner nutzen, etwa mit Tastatur und Maus für Schreiben oder Programmieren. Windows kann ebenfalls installiert werden. Für viele Nutzer dürfte das aber gar nicht nötig sein.
Mehr PC als Konsole
Genau dieser Punkt trennt die Steam Machine von einer klassischen Konsole. Sie ist nicht nur eine Spielebox mit ein paar Streaming-Apps. Sie ist ein Linux-PC, der bequem in Steam startet.
Das macht sie für zwei Gruppen spannend:
- Spieler, die in PC-Gaming einsteigen wollen, aber keinen großen Rechner bauen möchten.
- Steam-Nutzer mit bestehender Bibliothek, die einen kleinen PC fürs Wohnzimmer suchen.
Wer nur Netflix, Controller und feste Konsolenabläufe möchte, fährt mit einer klassischen Konsole wahrscheinlich einfacher und günstiger.
Leistung: 4K ist möglich, aber nicht kostenlos
In der Steam Machine steckt ein 6-Kern-Prozessor mit 12 Threads auf Zen-4-Basis. Dazu kommt eine RDNA-3-GPU mit 28 Compute Units. Im Test wird die Leistung grob mit Ryzen 5 7600 und Radeon RX 7600 verglichen.
Das reicht für viele moderne Spiele, aber nicht für sorgloses 4K-Gaming mit allen Details. Valves Aussage zu 4K60 mit FSR trifft nur dann zu, wenn man die Einstellungen passend wählt.
Die genannten Messwerte zeigen das deutlich:
- Cyberpunk 2077 lief in 4K mit Ray Tracing Ultra und FSR Performance nur mit 14 fps.
- Ohne Raytracing stieg Cyberpunk 2077 bei gleicher Auflösung auf 42 fps.
- Forza Horizon 6 erreichte in 4K mit Extreme-Preset ohne Raytracing und FSR Performance 30 fps.
- Total War: Warhammer 3 kam in 4K auf Ultra auf 23 fps.
Mit mittleren Einstellungen sieht es besser aus. Forza Horizon 6 kam auf 57 fps, Cyberpunk 2077 auf 64 fps. Auch andere getestete Spiele lagen oft im Bereich von 50 bis 60 fps. Death Stranding 2 wurde mit mittleren Einstellungen bei etwa 45 fps genannt.
Das ist kein High-End-PC. Es ist ein Wohnzimmer-PC, bei dem man Einstellungen anfassen muss. Wer das akzeptiert, bekommt offenbar ein brauchbares Ergebnis.
Mein Eindruck zur Einordnung
Die Steam Machine wirkt wie eine logische Fortsetzung der Idee hinter dem Steam Deck. Valve versucht nicht, den PC komplett zur Konsole zu machen. Valve nimmt nur die nervigsten Einstiegshürden weg.
Der Preis verhindert den Massenmarkt. Gegen eine PlayStation 5 oder Xbox Series X gewinnt die Box nicht über den Geldbeutel. Gegen einen kleinen Gaming-PC gewinnt sie eher über Bauform, Bedienung und den direkten Weg in die Steam-Bibliothek.
Für mich ist das kein Gerät für jeden Haushalt. Wer PC-Freiheit will, aber keinen Tower bauen oder pflegen möchte, sollte die Steam Machine ernst nehmen. Wer nur möglichst günstig spielen will, findet bessere Optionen.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
