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Orbitals Vorschau: Koop-Anime nur zu zweit auf Switch 2

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Orbitals will kein Koop-Spiel sein, das man auch alleine irgendwie durchzieht. Es ist auf zwei Menschen gebaut, lokal im Splitscreen oder online über einen Gameshare-Modus, bei dem nur eine Person das Spiel besitzen muss.

Nach den vorliegenden Anspiel-Eindrücken wirkt der Switch-2-Titel wie ein bewusst altmodischer Anime zum Mitspielen: klare 3D-Platformer-Steuerung, asymmetrische Aufgaben, viel Kommunikation und eine Optik, die sehr gezielt an Serien erinnert, die früher im Kinderprogramm liefen.

Koop steht hier nicht nebenbei auf der Packung

Der wichtigste Punkt zuerst: Orbitals ist für zwei Spielerinnen oder Spieler gedacht und kann auch nur so gespielt werden. Das ist eine starke Ansage, aber sie passt zum Konzept. Maki und Omura sind beide vollwertige Figuren. Sie haben im Kern ähnliche Fähigkeiten, übernehmen ihre Rollen aber durch Werkzeuge, Stationen und Situationen.

Ein Beispiel aus der frühen Spielphase: Eine Figur nutzt einen Greifhaken, um eine schwere Metalltür zu öffnen. Die andere löscht dahinter mit einem Wasserstrahler einen Brand. An anderer Stelle sitzt eine Person im Cockpit, während die andere die Kanone bedient. Die Rollen sind also nicht fest an Maki oder Omura gebunden. Das kann helfen, weil Teams ausprobieren dürfen, wer welche Aufgabe lieber übernimmt.

Wichtig ist dabei die Kommunikation. Die ersten Rätsel geben zwar klare Hinweise auf Ziele und Interaktionen, aber sie liefern nicht sofort die komplette Lösung. Für ein Koop-Spiel ist das ein gutes Zeichen. Wenn beide nur nebeneinander herlaufen, verliert so ein Konzept schnell seinen Sinn.

Warum der Hazelight-Einfluss wichtig ist

Bei Orbitals steckt ein interessanter Name in der Leitung: Game Director Jakob Lundgren arbeitete zuvor bei Hazelight an A Way Out und It Takes Two mit. Genau diese Erfahrung erklärt, warum Orbitals so entschieden auf das Zwei-Spieler-Prinzip setzt.

Frühere Ideen für das Spiel gingen noch in eine andere Richtung, mit Singleplayer-Ansatz und KI-Begleiter. Daraus wurde ein reines Koop-Abenteuer mit zwei Hauptfiguren. Das klingt nach einer gesunden Design-Entscheidung. Ein Spiel wie dieses muss nicht alles können. Es muss nur sehr genau wissen, was es sein will.

Das Studio Shapefarm kommt aus Tokio und hat viele Jahre an anderen Marken gearbeitet. Genannt werden unter anderem Naruto to Boruto: Shinobi Striker und Samurai Jack: Battle Through Time. Diese Vorgeschichte passt zu Orbitals, weil das Spiel stark davon lebt, 2D-Anime-Gefühl in 3D glaubwürdig wirken zu lassen.

Raumstation, Sturm und zwei junge Hauptfiguren

Die Ausgangslage ist klar und gut lesbar. Maki und Omura leben auf einer beschädigten Raumstation. Vor 15 Jahren wurde sie durch einen kosmischen Sturm schwer getroffen und vom Rest des Universums getrennt. Jetzt zieht sich die Gefahr wieder zusammen. Das Duo muss mit einem zusammengeflickten Raumschiff durch die Sturmwand, um Hilfe zu finden.

Orbitals nutzt dabei bekannte Motive: Freundschaft, Mut, Rettung der Heimat. Interessant wird es durch die Stimmung. Die Station wirkt nicht nur wie Kulisse, sondern wie ein Ort, an dem Menschen und andere Wesen mit einer dauerhaften Krise leben. Kleine Szenen übernehmen viel Erzählung: eine Katze reagiert je nach Figur anders, im Aufenthaltsraum kann ein Schlagzeug genutzt werden, und auf der Station lassen sich Details entdecken, ohne dass das Spiel alles mit Text erklärt.

Maki ist impulsiver, direkter und eher die Mechanikerin mit Vorwärtsdrang. Omura wirkt ruhiger, vorsichtiger und kontrollierter. Gerade diese Unterschiede sind für ein Koop-Spiel wichtig. Wenn beide Figuren nur zwei Skins für dieselbe Rolle wären, würde viel Reibung fehlen.

Der Anime-Look ist mehr als ein Filter

Orbitals läuft in der Unreal Engine 5, setzt aber nicht auf realistische Oberflächen. Die Figuren und interaktiven Objekte nutzen einen rauen Cel-Shading-Stil, der bewusst an klassische Animation erinnert. Die Hintergründe orientieren sich an Gouache-Malerei. Dazu kommt eine auf 24 fps getrimmte Animationssprache, die den Look handgezeichneter Serien nachbilden soll.

Spannend ist der technische Aufwand hinter diesem Stil. Bei Frisuren, Accessoires und Silhouetten passt das Spiel Modelle offenbar so an, dass sie aus verschiedenen Kamerawinkeln weiterhin wie gezeichnete Figuren wirken. Das ist eine dieser Arbeiten, die im besten Fall kaum auffällt. Man merkt sie erst, wenn sie fehlt.

Auch die deutsche Synchronisation wurde in den Anspiel-Eindrücken ausdrücklich positiv hervorgehoben. Sie soll den Ton älterer japanischer Animationsserien sehr gut treffen. Neben Deutsch sind auch Englisch, Japanisch und weitere Sprachen vorgesehen.

Switch 2, Cartridge und Deluxe-Edition

Orbitals ist exklusiv für Switch 2 geplant. In der gezeigten TV-Session lief das Spiel reibungslos. Aussagen zum Handheld-Modus, zum finalen Audiomix und zur Online-Kommunikation über Gameshare lassen sich daraus aber noch nicht sicher ableiten.

Interessant ist die Veröffentlichungspolitik. Orbitals soll nicht nur digital erscheinen, sondern auch als physische Cartridge, auf der das komplette Spiel liegt. Keine reine Code-in-Box-Lösung. Für Sammlerinnen und Sammler ist das ein klarer Pluspunkt.

Zusätzlich ist eine digitale Deluxe-Edition mit Skins für Figuren und Schiff sowie Soundtrack geplant. Die Basisversion wird mit 40 Euro genannt. Das ist in der aktuellen Preislandschaft zumindest auffällig moderat.

Worauf es jetzt ankommt

Die ersten 45 Minuten deuten auf ein fokussiertes Koop-Abenteuer hin. Besonders stark wirkt die Mischung aus freier Erkundung, kleinen Rätseln und erzählerischen Momenten. Der Splitscreen scheint dabei genug Freiheit zu lassen, damit beide nicht ständig aneinanderkleben.

Die offene Frage bleibt die gleiche wie bei vielen Koop-Spielen: Hält Orbitals seine Ideen über die volle Spieldauer frisch? Wenn spätere Rätsel nur Werkzeuge tauschen, aber keine neuen Denkweisen verlangen, kann das Konzept nachlassen. Wenn Shapefarm die Kommunikation zwischen beiden Personen weiter ernst nimmt, könnte Orbitals aber einer der interessanteren Switch-2-Koop-Titel werden.

Für Spielerinnen und Spieler, die gerne gemeinsam knobeln und mit Retro-Anime etwas anfangen können, gehört Orbitals damit auf die Merkliste. Nicht als sichere Sensation. Aber als Spiel mit klarer Haltung, gut erkennbarem Stil und einer selten konsequenten Koop-Ausrichtung.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.