Ein Spiel über den deutschen Herbst muss vorsichtig mit seinem Stoff umgehen. SOKO 1977 setzt offenbar nicht auf bloße Nacherzählung, sondern macht Überforderung, Unsicherheit und öffentlichen Druck zum Kern seiner Mechaniken.
Paintbucket entwickelt den Titel im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung. Trotzdem soll daraus kein reines Lernprogramm werden. Geplant ist ein spielbarer Mix aus Detektivarbeit, Polizeimanagement und taktischen Entscheidungen, der historische Zusammenhänge über seine Systeme vermittelt.
Hinweise sind da, Gewissheit fehlt
Der Einstieg führt in ein Ermittlungsbüro in Köln. Dort erhält die Spielfigur den Auftrag, eine Sonderkommission aufzubauen und Terrorzellen aufzuspüren. Der entscheidende Engpass sind dabei nicht fehlende Meldungen, sondern zu viele davon.
Hinweise aus der Bevölkerung müssen nach ihrer Glaubwürdigkeit sortiert werden. Erst daraus entstehen Suchprofile. Das greift eine zentrale Schwierigkeit der damaligen Ermittlungen auf: Auch ein korrekter Hinweis hilft wenig, wenn er in einer großen Menge aus unzuverlässigen oder unvollständigen Angaben untergeht.
Zusätzlichen Druck erzeugen Notfälle sowie Organisationen, die Unterstützung anbieten. Das Spiel verlangt damit offenbar regelmäßig Entscheidungen darüber, welchen Informationen und Akteuren die SOKO vertraut.
Einsätze planen, Fehler vermeiden
In einem weiteren Spielabschnitt schickt man Teams zu Fällen in der Stadt. Dabei zählen die Stärken der einzelnen Einsatzkräfte und die Anforderungen vor Ort. Ereignisse werden aus der Distanz entschieden, während die Folgen direkt auf die SOKO zurückfallen können.
Verletzte, Todesfälle und Schusswechsel sollen mögliche Konsequenzen sein, die es nach Möglichkeit zu verhindern gilt. Gelingt eine Festnahme nicht rechtzeitig, kann die gesuchte Zelle das Stadtgebiet verlassen. Dann werden Straßensperren, neue Meldungen und eine erneute Auswertung wichtig.
Der Ablauf klingt nach einem klaren Kreislauf: Informationen bewerten, Profile bilden, Einsätze steuern und auf Rückschläge reagieren. Dabei steht nicht nur der Fahndungserfolg auf dem Spiel. Sinkt das Vertrauen der Bevölkerung auf null, verliert die SOKO das Kommando und der Durchlauf endet.
Roguelike ohne dauerhafte Vorteile
SOKO 1977 übernimmt Roguelike-Strukturen, verzichtet zwischen den Durchläufen aber auf stärkere Fähigkeiten oder besseres Personal. Der dauerhafte Fortschritt liegt vor allem beim Wissen der Spielenden über Regeln, Risiken und Prioritäten.
Erhalten bleiben außerdem historische Informationsstücke zu realen Ereignissen des deutschen Herbsts. Die Fälle und Namen im Spiel sind dagegen fiktionalisiert und werden prozedural erzeugt. Das soll Wiederholungen vermeiden, trennt die Spielhandlung aber zugleich von einer direkten Rekonstruktion einzelner realer Vorgänge.
Geplant sind zudem Pressekonferenzen, Gespräche mit Geheimdiensten und Rasterfahndung. Gerade diese Themen machen deutlich, worauf die Vorschau hinausläuft: SOKO 1977 will nicht nur die Jagd auf Terrorzellen zeigen, sondern auch den Konflikt zwischen Sicherheitsdruck, Vertrauen und staatlichen Grenzen spielbar machen.
Wann erscheint SOKO 1977?
SOKO 1977 soll im ersten Quartal 2027 auf Steam erscheinen, auf Deutsch und Englisch. Auf der Gamescom 2026 ist eine öffentliche Anspielmöglichkeit in der Indie Arena vorgesehen.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
