Der Humble Choice für August 2026 hat eine klare Handschrift: bekannte Action- und Rollenspielnamen stehen neben mehreren Spielen, die ihre Stärke aus Wiederholungen, Builds und wachsenden Runs ziehen. Das ist kein Paket, das jeden Geschmack gleichmäßig bedient. Wer mit Roguelites wenig anfangen kann, streicht gedanklich früh einiges weg. Wer genau dort gern hängen bleibt, bekommt dagegen ungewöhnlich viel Auswahl.
Für 12,99 Euro wirkt die Zusammenstellung vor allem dann überzeugend, wenn Like a Dragon: Infinite Wealth, Dead Cells + The Bad Seed DLC oder Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder's Revenge - Ultimate Edition ohnehin auf der eigenen Liste standen. Die kleineren Titel sind kein bloßes Beiwerk, aber sie verlangen eine klarere Vorliebe für ihre jeweilige Schleife. Ich würde diesen Choice deshalb nicht über die bloße Anzahl der Spiele bewerten, sondern über die Frage: Will ich gerade ein großes RPG, präzise Action oder wiederkehrende Runs?
Drei Spiele tragen die Auswahl
Like a Dragon: Infinite Wealth
Infinite Wealth ist der große Rollenspielposten und die naheliegendste Begründung, diesen Choice überhaupt ernst zu nehmen. Die Fortsetzung setzt auf Ichiban Kasuga und Kazuma Kiryu, eine Geschichte zwischen Japan und Hawaii, rundenbasierte Gruppen-Kämpfe samt Positionierung und Umgebungsinteraktionen sowie die für die Reihe typischen Nebenaktivitäten. Das ist bewusst größer und erzählerischer als der Rest des Pakets.
Entscheidend ist die Tonlage: Hier treffen Herz, kriminelles Milieu und absurde Jobs aufeinander. Wer ein klassisches, durchgehend ernstes RPG erwartet, sollte das im Kopf behalten. Alle anderen bekommen ein Spiel, das sich nicht auf seine Kampfschleife reduzieren lässt und der Auswahl den nötigen langen Atem gibt.
Dead Cells + The Bad Seed DLC
Dead Cells ist die verlässlichere Action-Empfehlung. Der Kern ist klar: ein sich wandelndes Schloss, verzweigte Wege, Plattforming, Nahkampf und der ständige Versuch, aus einem gescheiterten Lauf etwas mitzunehmen. The Bad Seed ergänzt zwei weitere Gebiete mit Gegnern und Bossen, die ausdrücklich auf spätere Spielphasen zielen.
Das Spiel verlangt Geduld mit Rückschlägen. Checkpoints gibt es nicht, und genau daraus zieht es seine Spannung. Wer diese Form von Lernen durch Wiederholung mag, erhält hier einen der stärksten Gründe für den August. Die Steam-Nutzerwertung von 97 Prozent bei über 132.000 Bewertungen ist ausnahmsweise erwähnenswert, weil sie zeigt, wie fest dieser Titel über längere Zeit in seinem Genre verankert ist.
Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder's Revenge - Ultimate Edition
Shredder's Revenge bringt etwas mit, das dem Paket sonst fehlt: direkten, unkomplizierten Arcade-Spaß. Das seitlich scrollende Beat 'em up orientiert sich sichtbar an der Zeichentrickserie von 1987, führt durch bekannte Schauplätze von Manhattan bis Coney Island und setzt auf Pixeloptik ohne falschen Modernisierungsdrang.
Wichtig ist die Ultimate Edition selbst. Sie enthält das Grundspiel sowie Dimension Shellshock und Radical Reptiles und ergänzt mit Mondo Gecko und Mona Lisa zwei Figuren. Neben dem großen RPG und Dead Cells ist das die angenehm andere Wahl: kein Mammutprojekt, kein endloser Build-Baukasten, sondern prügelnde Retro-Energie mit klarer Ansage.
Die Roguelite-Ecke ist keine Nebensache
Decktamer
Decktamer macht aus dem Kartendeck eine Monstergruppe. Gegner können besiegt oder eingefangen werden, die Karten treten der eigenen Gruppe bei und ein Verlust ist dauerhaft. Diese eine Entscheidung gibt dem Spiel sein Profil: Nicht jeder Kampf ist nur eine Frage des Sieges, sondern auch der Frage, welche Kreatur man behalten will und welches Risiko dafür vertretbar ist.
Das passt gut neben Dead Cells, obwohl beide völlig anders arbeiten. Dead Cells fordert Reaktion und Bewegung, Decktamer konzentriert sich auf rundenbasierte Entscheidungen und den Aufbau eines Teams. Wer Karten-Roguelikes nur dann interessant findet, wenn sie eigene Konsequenzen setzen, sollte hier genauer hinsehen.
Conquest Dark
Conquest Dark zielt auf schnelle Machtsteigerung im Action-RPG-Format. Klassen, Rituale, Zauber, Waffen und große Gegnerhorden bestimmen die Runs. Die Beschreibung verspricht keine vorsichtige Erkundung, sondern eine düstere Sword-and-Sorcery-Variante, in der Builds zügig wachsen und ganze Wellen verschwinden sollen.
Im Gesamtpaket ist das die sinnvolle Ergänzung zu Dead Cells: weniger präzises Seitwärtskämpfen, mehr Angriff nach vorn und Klassenbau. Wer an einem Abend lieber mehrere kompakte Läufe spielen als sich in ein langes RPG einarbeiten möchte, findet hier vermutlich den passendsten Rhythmus.
Gatekeeper
Gatekeeper erweitert die Roguelite-Seite um Koop für bis zu vier Personen. Neun Figuren, unterschiedliche Waffenarten, Erfahrung innerhalb der Runs, Kombi-Angriffe und mehr als hundert Artefakte liefern die Grundlage für gemeinsame Versuche gegen Chaos und dessen Truppen.
Der Titel ist vor allem als Verabredung interessant. Solo bleibt er ein weiterer Horden-Roguelite in einer Auswahl, die davon bereits zwei starke Varianten enthält. Mit einer festen Gruppe bekommt seine Fähigkeitssynergie dagegen mehr Gewicht. Ich würde ihn nicht zum Kaufgrund erklären, aber als gemeinsamen Lückenfüller zwischen den großen Namen kann er genau richtig liegen.
Strategie und Taktik mit unterschiedlichem Risiko
Pile Up!
Pile Up! wirkt zunächst wie die freundliche Pause zwischen Kämpfen und Untoten, bleibt aber ein Strategiespiel mit eigenen Stolperfallen. Häuser werden vertikal gestapelt, Bedürfnisse erfüllt und Gebäude verwaltet. Neue Blaupausen sollen weitere Kombinationen eröffnen, während die begrenzte Fläche und riskante Bauten den entspannten Eindruck immer wieder unterlaufen.
Das ist ein Titel zum genauen Hinschauen. Seine kontrollierte Unordnung kann reizvoll sein, aber das Spiel ist nicht einfach nur gemütliches Bauen. Wer klare Planbarkeit und saubere Optimierung sucht, könnte sich an dem vorgesehenen Chaos reiben. Wer lieber mit wackeligen Konstruktionen und spontanen Problemen arbeitet, erhält eine willkommene Gegenfarbe zur Action-Lastigkeit des Choice.
Dark Envoy
Dark Envoy bringt noch einmal ein taktischeres Party-RPG hinein: Reliktjäger, freie Erkundung, Klassen-Archetypen, Fähigkeitenbäume und fünf Schwierigkeitsgrade. Die Bezugspunkte liegen bei Gruppen-Rollenspiel, Taktik und einer nicht linearen Struktur. Das klingt auf dem Papier nach einem gehaltvollen Gegenstück zu Infinite Wealth, aber die beiden verfolgen klar verschiedene Schwerpunkte.
Hier ist Zurückhaltung angebracht. Die vorliegenden Steam-Bewertungen stehen bei 69 Prozent und damit nur im gemischten Bereich. Das macht Dark Envoy nicht wertlos, gerade weil die Party- und Taktikideen einen eigenen Reiz haben. Es ist aber der Titel, den ich vor dem Start nicht blind einplanen würde. Der Choice fängt dieses Risiko gut auf, weil seine stärksten Argumente nicht an Dark Envoy hängen.
Wem der August etwas bringt
Die beste Kombination steckt nicht zwingend darin, alle acht Spiele gleich intensiv spielen zu wollen. Infinite Wealth kann den langen RPG-Slot füllen, Dead Cells oder Conquest Dark bedienen den Wunsch nach wiederholbaren Action-Sessions, und Shredder's Revenge liefert den schnellen Retro-Ausgleich. Decktamer ist dabei die interessante Alternative, falls Karten und dauerhafte Verluste mehr reizen als Reflexe.
Weniger passend ist die Auswahl, wenn weder Rollenspiele noch Roguelite-Strukturen gerade gefragt sind. Pile Up! und Dark Envoy allein machen den Preis nicht zur sicheren Sache, Gatekeeper hängt stark daran, ob Koop tatsächlich zustande kommt. Steht aber mindestens einer der drei großen Namen schon auf der Wunschliste, ist das Paket sehr leicht einzuordnen: zugreifen, den Rest als Auswahl statt als Pflichtprogramm betrachten und ohne schlechtes Gewissen nur die Spiele installieren, die gerade zur eigenen Spielzeit passen.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
