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Onimusha: Way of the Sword: Die Rückkehr wird langsamer und düsterer

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Nach langer Pause bekommt Onimusha wieder ein neues Hauptspiel. Way of the Sword setzt auf Miyamoto Musashi, dämonische Genma und den bekannten Oni-Handschuh. Nach einer rund zweistündigen Demo ist vor allem klar: Das Comeback will nicht einfach nur ein schnelles Actionspiel sein.

Die Kämpfe haben Gewicht, das Setting ist unerwartet trostlos und das Einsaugen von Seelen bleibt ein wichtiger Teil jeder Auseinandersetzung. Capcom modernisiert die Serie, ohne ihre alten Bausteine komplett auszutauschen.

Kyoto steht nicht für Samurai-Romantik

Die Handlung führt in eine verdrehte Fassung des Kyoto der frühen Edo-Zeit. Genma haben die Stadt und ihr Umland überrannt. Musashi kommt in die Hauptstadt, um sich als Schwertkämpfer zu beweisen, wird dann aber an einen lebendigen Oni-Handschuh gebunden.

Das Kyoto der Demo wirkt krank und ausgezehrt. Verfallene Häuser, schmutzige Gassen und Menschen in bitterer Not bestimmen das Bild. Der Schrecken der Dämonen bleibt nicht bloß Hintergrund für Kämpfe. Er prägt sichtbar den Alltag der Bevölkerung. Kurze Blicke in eine blühende Vergangenheit machen den Verlust noch deutlicher.

Damit rückt das neue Onimusha atmosphärisch näher an die frühen Serienteile als an die späteren, deutlich schnelleren Ableger. Der Horror entsteht weniger durch einzelne Schockmomente als durch eine Welt, die schon lange nicht mehr zu retten scheint.

Duelle statt Tastendrücken

Die feste Kameraperspektive der frühen Spiele ist einer frei beweglichen Third-Person-Kamera gewichen. Das passt zu einem Kampfsystem, das Angriffsmuster gut lesbar machen will. Gegner kündigen ihre Schläge klar an, doch Musashi braucht selbst spürbar Zeit für viele Attacken.

Wer ohne Plan angreift, wird bestraft. Der Rhythmus erinnert in seiner Bedachtsamkeit an Soulslikes, bleibt bislang aber auf fokussierte Samurai-Duelle ausgerichtet. Besonders wichtig sind Paraden. Ein gelungener Konter eröffnet kurze, harte Gegenangriffe und sorgt für die stärksten Momente der Demo.

Ein Boss kann zu Beginn frustrieren, weil frühe Angriffe oder zu viel Gier sofort auffallen. Sobald die Abläufe sitzen, kippt der Kampf aber. Genau dieses Lernen wirkt hier überzeugend, weil es nicht über komplizierte Systeme erklärt werden muss, sondern direkt im Duell spürbar wird.

Der Oni-Handschuh zwingt zu Entscheidungen

Die Seelen besiegter Genma sind mehr als Beute. Musashi kann sie für Heilung, Spezialangriffe und Upgrades nutzen. Während des Einsaugens ist er jedoch schutzlos. Er kann weder blocken noch angreifen und benötigt danach noch einen Moment, um wieder bereit zu sein.

Das schafft ein simples, aber wirksames Risiko: Werden Seelen sofort eingesammelt, obwohl noch Gegner in Reichweite sind? Oder ist es klüger, den Kampf erst abzusichern? Bei größeren Feinden kommt zusätzlicher Druck hinzu, weil sie Seelen ebenfalls an sich nehmen können. Diese Mechanik gibt dem Spiel eine eigene Spannung und hält die Verbindung zur Seriengeschichte sichtbar aufrecht.

Mehr Freiraum, aber keine offene Welt

Das Lager liegt in einem heruntergekommenen Dorf. Von dort aus lassen sich mehrere kleinere Aufträge in eigener Reihenfolge angehen. Musashi hilft Bewohnern oder säubert verfluchte Orte von Genma. Die Wege bleiben klar geführt, doch innerhalb dieser Struktur gibt es mehr Auswahl als in den älteren Spielen der Reihe.

Schnellreise und Fortbewegungshilfen fehlen in der Demo. Das macht die Wege durch Kyoto langsamer, unterstützt aber auch die bedrückende Stimmung. Zwischen den Aufträgen liefern Gespräche mit Dorfbewohnern weitere Hinweise auf die Welt und ihre Bewohner.

Portale führen außerdem in eine geisterhafte Zwischenwelt. Dort schweben Gegenstände im Raum, Räume folgen keiner normalen Logik und die Umgebung lässt sich teilweise gegen Feinde einsetzen. Ein Schuss mit dem Bogen kann etwa Felsformationen herabstürzen lassen. Die dortigen Rätsel wirkten bisher allerdings sehr einfach. Hier dürfte die Vollversion gern mehr verlangen.

Skilltree mit vorsichtigem Einsatz

Neu ist ein Skilltree mit Fähigkeiten sowie Aufrüstungen für Waffen und Ausrüstung. Damit bekommt Musashi mehr Raum für eine eigene Entwicklung. In der Demo drängt sich das System nicht in den Vordergrund. Es ergänzt die Action, statt sie zu überlagern.

Das ist für Onimusha wichtig. Die Reihe lebte stets von klaren Wegen, Timing und einem überschaubaren Fortschritt. Ob die neuen Optionen langfristig wirklich sinnvoll bleiben, lässt sich nach zwei Stunden noch nicht sagen. Bislang wirkt Capcom bei den RPG-Elementen aber zurückhaltend.

Starke Technik, gemischter Eindruck bei den Stimmen

Die RE Engine setzt die kaputte Stadt wirkungsvoll um. Beleuchtung, Staub, Funken und Blut geben Treffern Wucht, ohne die Übersicht im Kampf zu verlieren. Auch Musashi bleibt im Gedächtnis: Er tritt rau und selbstsicher auf, zeigt in Begegnungen aber auch Mitgefühl.

Die deutsche und englische Sprachausgabe machen einen soliden Eindruck. Einzelne Monsterstimmen wirkten in der Demo jedoch etwas zu comicartig für die ernste Grundstimmung. Japanische Sprachausgabe mit Untertiteln könnte deshalb die passendere Wahl sein.

Auch die gezeigte Version für Nintendo Switch 2 hinterließ einen ordentlichen Eindruck. Im Handheld-Modus sind Details und Effekte reduziert, die Bildrate liegt niedriger. Dennoch wirkte die Fassung nicht wie ein deutlich abgespeckter Kompromiss.

Ein Comeback mit erkennbarem Kern

Onimusha: Way of the Sword nimmt sich Zeit. Das gilt für die Kämpfe, für die Wege durch Kyoto und für die bedrückende Welt. Gerade das unterscheidet die Vorschau von vielen aktuellen Actionspielen, die vor allem mit Tempo arbeiten wollen.

Entscheidend bleibt, ob die Vollversion den gezeigten Kampffluss, die düstere Welt und die neuen Fortschrittssysteme über viele Stunden zusammenhält. Die Demo liefert dafür gute Argumente. Vor allem der Oni-Handschuh und das Seelensystem sorgen dafür, dass sich dieses modernere Onimusha weiterhin wie Onimusha anfühlt.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.