Der Start von The Lord of the Rings: War in the North im November 2011 stand offenbar unter keinem guten Stern. Während Bethesdas The Elder Scrolls V: Skyrim schon vor dem Release enorme Aufmerksamkeit bekam, erschien das Herr-der-Ringe-Actionspiel in derselben Woche.
Christian Allen, damals Design Director bei WB Games Seattle, erinnert sich nun daran, intern gegen diesen Termin argumentiert zu haben. Seine Einschätzung: Das Spiel würde neben Skyrim kaum wahrgenommen werden. Mit seiner Position setzte er sich offenbar nicht durch.
Skyrim zog die Aufmerksamkeit auf sich
Im Rückblick wirkt die Sorge nachvollziehbar. Skyrim wurde später mehr als 65 Millionen Mal verkauft. War in the North dagegen scheiterte kommerziell und geriet laut Allen schnell in den Schatten des deutlich größeren Fantasy-Rollenspiels.
Besonders problematisch sei gewesen, dass viele Besprechungen das Spiel direkt an Skyrim maßen. Allen erinnert sich zudem an sehr wenig Berichterstattung in der Veröffentlichungswoche und an kaum sichtbares Marketing. Für ein Spiel mit einer bekannten Lizenz war das eine schlechte Ausgangslage.
Quartalsziele statt besserem Termin?
Allen sieht hinter solchen Entscheidungen vor allem den Druck von Quartalsumsätzen. Ein späterer Start hätte einem Spiel möglicherweise mehr Raum verschafft, hätte aber Ergebnisse in ein anderes Geschäftsquartal verschoben. Gerade bei großen Konzernen können solche Vorgaben wichtiger werden als ein sinnvoller Markttermin.
Das ist keine neue Erkenntnis, aber ein konkretes Beispiel dafür, wie stark Veröffentlichungstermine über die Chancen eines Spiels entscheiden können. Selbst eine große Marke hilft wenig, wenn ein Titel zeitgleich gegen einen klaren Blockbuster antreten muss.
Eine späte zweite Chance
Die aktuelle überraschende Neuveröffentlichung von War in the North, die von Aspyr stammt, hat diese Erinnerung wieder hervorgeholt. Allen freut sich darüber, dass das Spiel nun erneut sichtbar wird und nach seiner Ansicht eine angemessenere Veröffentlichung erhält.
Nach dem Misserfolg ging Snowblind in Monolith Productions auf. Dort entstanden später unter anderem Mittelerde: Schatten von Mordor und Mittelerde: Schatten des Krieges. Warner Bros. schloss Monolith im vergangenen Jahr, nachdem das geplante Wonder-Woman-Spiel eingestellt worden war. Allen arbeitet heute als Design Director an Project Zomboid.
Für Spieler ist die Geschichte vor allem eine Erinnerung daran, dass Verkaufszahlen nicht nur über Qualität entscheiden. Sichtbarkeit, Marketing und ein klug gewähltes Veröffentlichungsfenster können genauso entscheidend sein.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
