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Review

Dragon's Dogma 2 im Test: Ein episches Abenteuer mit Schattenseiten

Dominik
  • 1 Min. Lesezeit

Zwölf Jahre habe ich auf diesen Augenblick gewartet. Dragon's Dogma 2 legt eine Welt vor, die einen nicht an die Hand nimmt. Nach gut 60 Stunden auf PS5, inklusive New Game+, weiß ich: Hier wird dein Abenteuer nicht diktiert, sondern erlebt. Ein Drache raubt nicht nur Herz, sondern auch Erinnerungen – und plötzlich bin ich Herrscher, verflochten in Intrigen, Kämpfen und einem ganz besonderen Feeling von Fantasy, das dich nachts auf Berge treibt, um Greifen bei Sonnenuntergang anzugreifen. Dafür schmeiß ich jedes lineare Rollenspiel sofort in die Ecke.

Welt und Tempo: Handbremse statt Schnellreise

Eine offene Welt ohne Kompass

Die Karte ist viermal größer als im Vorgänger. Du stromerst durch Vermund und Battahl, wühlst dich durch alte Ruinen, Hügel und trockene Ebenen. Schnellreise gibt‘s nur per teuren Kristall oder langsamen Eselskarren. Das entschleunigt alles. Ich fand so Miniquests, die im Interface nie auftauchten – kleine Geschichten oder verborgene Prüfungen. Es macht Spaß, einfach der Nase zu folgen. Viele Open-World-Titel geben ständig Waypoints vor. Hier fühlst du dich wie jemand, der tatsächlich etwas finden muss, statt es vorgesetzt zu bekommen.

Pacing mit Mut zur Lücke

Wer erwartet, alles per Klick zu erreichen, verzweifelt. Aber dieses gemächliche Tempo setzt dich auf eine Reise, die du dir selbst gestaltest. Und irgendwie fühlt sich die Welt glaubwürdiger an, wenn nicht jede Ecke blitzschnell erreichbar ist. Es ist ein Abenteuer mit Anstrengung – mittendrin statt nur dabeigeklickt.

Kampfsystem: Physik, Wucht, neue Möglichkeiten

Jeder Treffer zählt

Capcom liefert ein Kampfsystem ab, das wie ein Mix aus Souls und Monster Hunter wirkt – nur direkter. Greifen, Werwölfe, Golems – du tauschst Schläge, kletterst auf Monster, benutzt Umgebung und Kombos. Hybrid-Berufe wie die "Mystic Spearhand" Kombination sind exakt das, was ich gebraucht habe: Vielseitig, spektakulär, aber in der Luft manchmal eingeschränkt. Experimentieren lohnt sich, ich hab etliche Builds ausprobiert und fast immer neue Synergien entdeckt.

Taktik im Detail

Du spürst das Gewicht jedes Schrittes. Einen Greif aus den Wolken holen, per Speer werfen oder Goblins als Kugelstoßer missbrauchen – hier bleibt kein Angriff ohne Wirkung. Für Fans von Action-RPGs ein Fest.

Vasallen-System: Party mit Persönlichkeit

Nicht bloß NPCs, sondern echte Gefährten

Mein Hauptvasall, ein beastrenischer Krieger namens "Cat Dad", hat über 40 Stunden an meiner Seite Eintrittskarten für Rucksackmanagement, Schatzsuche und Comedy verteilt. Die ausgeliehenen Vasallen überraschen oft mit Skills, die ich für die nächsten Quests nutzen kann. Zwar leveln sie nicht mit, der Tausch bleibt trotzdem spannend – ein bisschen wie Pokémon sammeln, nur mit mehr Streitaxt und magischen Skills.

Die kleine Party-Revolution

Durch kluge Kommentare und Hilfen wirkten sie nie wie gesichtslose KI-Füllmasse – sondern wie Kumpels, die mitdenken. Wer Solo-Runs liebt, wird hier vielleicht nicht glücklich, aber als Teamspieler bekommst du dauernd was zu lachen oder zu staunen.

Quests: Hinweise mit Kopf und Konsequenz

Detektivarbeit statt Markierungen

Hier hilft kein Questmarker, sondern Zuhören, Hinterfragen und Beobachten. Hinweise gibt’s durch NPCs, kleine Dialoge oder einen Orakel-NPC gegen Bares. Einmal ist meine Kaiserin gestorben – Quest vorbei, keine zweite Chance, keine Gnade. Das tut weh, bleibt aber hängen. Du musst aufmerksam sein, weil Fehler echten Einfluss auf den Verlauf haben.

Abenteuer für Schlaumeier

Die Quests sind ein Aufruf zum Kombinieren – kein Abklappern von Icons, sondern Nachdenken. Wer Open-Worlds mit Führungsleine gewohnt ist, wird hier gefordert. Und belohnt.

Mikrotransaktionen: Unschöne Überraschung

Loot gegen Echtgeld

Capcoms Shop ist nach Release aufgepoppt wie ein Mimikry-Monster: Teleportationskristalle, Münzen, Heilungen gegen Echtgeld. Spieler fühlen sich ausgebremst, wenn plötzlich der Store schneller erreichbar ist als der Story-Fortschritt. Wer sich auf fairen Grind und verdiente Items gefreut hat, kriegt hier einen Beigeschmack serviert.

Pay2Skip statt Pay2Win

Zwar bekommst du alles auch durch Spielen – trotzdem wirkt es wie ein Manöver, Neugierige abzukassieren. In Foren wurde schnell klar: Die Community ist gespalten.

Technik: Grafikpracht mit Framerate-Bremsen

Optik top, Stabilität flop

Auf PS5 läuft alles flüssiger als auf dem PC, trotzdem ruckelt es in Städten und bei vielen Effekten. Schlechte Schatten, matschige Spiegelungen und die Suche nach den perfekten Einstellungen kosten Zeit und Nerven. Crashes auf RTX-Grafikkarten sind kein Einzelfall. Immerhin bessert Capcom fleißig nach, aber selbst nach Patches bleibt das Gefühl, dass alles noch ein paar Monate Politur vertragen hätte.

Akustik und Atmosphäre

Trotzdem: Soundtrack, Umgebungsgeräusche und Monster-Schreie passen wie Arsch auf Eimer und machen die Welt zum Erlebnis, in das man direkt eintauchen möchte.

Wert, Vergleich und Empfehlung

Wer sollte zugreifen, wer lieber Finger weg?

Dragon's Dogma 2 ist kein Massenware-RPG. Fans des ersten Teils, Souls-Spieler und alle, die sich nach entschleunigten Abenteuern sehnen, schlagen zu. Komfort-Fans und Schnellreisende könnten aber fluchen. Am nächsten dran ist Elden Ring – trotzdem macht Dragon’s Dogma 2 vieles eigenständig und bleibt kompromisslos Oldschool.

Darum lohnt sich das Abenteuer

Wenn du ein Fantasy-RPG suchst, das dich nicht verwöhnt, sondern fordert, ist das Spiel einen Versuch wert. Du bekommst Ecken, Kanten und echte Emotionen – inklusive Frust und Euphorie. Authentisch, packend, aber mit technischen Macken.

Dragon’s Dogma 2 ist ein Spiel für Leute, die sich nach richtigem Abenteuer sehnen. Ich sitze nach epischen Bossfights, rauen Nächten im Eis und Momenten voller Gänsehaut noch immer staunend vorm Bildschirm. Trotz Rucklern, fragwürdiger Monetarisierung und kleiner Komfortsünden bleibt es ein echtes Erlebnis. Wer damit umgehen kann, bekommt Fantasy pur, dreckig und packend – genau so, wie ich zwölf Jahre darauf gewartet habe.

Über den Autor

Dominik Autor

Von FIFA bis Call of Duty, von Farming Simulator bis Age of Empires – ich liebe Games, bei denen Skill, Planung und Reaktion zählen. Ob auf dem virtuellen Schlachtfeld oder im Stadion: Ich spiele smart, schnell und immer mit Spaß. Let’s play smarter, not harder!