Ein Fund aus den Daten von Resident Evil 4 Remake zeigt, wie viele Ideen Capcom offenbar noch bis spät in die Entwicklung verfolgt hat. Community-Modder Keff0 hat auf der PS5-Start-Disc 671 vollständig vertonte und untertitelte Sprachzeilen entdeckt, die in der veröffentlichten Fassung nicht genutzt werden.
Die Aufnahmen betreffen unter anderem Leon, Luis, Ashley und den Händler. In der PC-Version sollen diese Daten nicht vorhanden sein. Besonders auffällig ist eine gestrichene Händler-Zeile, die eine direkte Brücke zu Resident Evil Village geschlagen hätte.
Der Händler kannte offenbar den Duke
In einer der gefundenen Zeilen spricht der Händler davon, dass die Spieler keine Neulinge in Dörfern seien. Danach erwähnt er den Duke und sagt, dieser habe Potenzial. Der Duke ist der Händler aus Resident Evil Village.
Das wäre eine nachträglich eingebaute Verbindung zwischen zwei Figuren gewesen, die ursprünglich aus weit auseinanderliegenden Teilen der Reihe stammen. Village hatte seinerseits schon einen kleinen Verweis auf den Händler aus Resident Evil 4: Beim Stöbern im Sortiment erinnert sich der Duke an den bekannten Verkaufsspruch eines alten Freundes.
Capcom hat die neue Zeile letztlich gestrichen. Das ist nachvollziehbar, denn ein sehr direkter Hinweis auf Village hätte sich mit der eher eigenständigen Atmosphäre von Resident Evil 4 beißen können. Für Fans der Serienkontinuität wäre es dennoch ein nettes Detail gewesen.
Der Händler sollte wohl sterben können
Der Datenfund enthält noch einen deutlich spielrelevanteren Hinweis. Keff0 entdeckte offenbar ungenutzte Animationen für den Tod des Händlers. Speicherdaten deuten darauf hin, dass sein Laden nach einem solchen Tod geschlossen geblieben wäre und die Figur für den Rest des Spiels verschwunden wäre.
Damit wäre das Remake näher am älteren Umgang der Reihe mit Händlern und Konsequenzen gewesen. Für eine moderne Neuauflage hätte diese Option aber auch Probleme geschaffen: Wer den Händler versehentlich ausschaltet, verliert einen wichtigen Anlaufpunkt für den weiteren Spielverlauf. Dass Capcom diesen Ansatz verworfen hat, wirkt deshalb wie eine bewusste Entscheidung für ein verlässlicheres Spielerlebnis.
Ungenutzte Inhalte sind kein fertiges Zusatzkapitel
Die 671 Zeilen sind interessant, aber sie belegen nicht automatisch, dass ein kompletter Handlungsstrang kurz vor der Fertigstellung stand. Solche Daten können aus frühen Fassungen stammen, für alternative Abläufe aufgenommen worden sein oder im Feinschliff als unnötig eingestuft worden sein.
Trotzdem liefert der Fund einen seltenen Blick auf Entscheidungen hinter einem großen Remake. Gerade die Duke-Zeile und die Pläne rund um den Händler zeigen, dass Resident Evil 4 zeitweise stärker mit anderen Serienteilen verknüpft sein und härtere Konsequenzen erlauben sollte.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
