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Sony schreibt 765 Millionen Dollar auf Bungie ab

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Sony meldet für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Wertminderung von 120,1 Milliarden Yen auf Bungie. Umgerechnet sind das rund 765 Millionen US-Dollar. Der Grund liegt bei den schwächeren Ergebnissen des Studios, besonders rund um Destiny 2 und Marathon.

Für PlayStation ist das kein kleiner Kratzer in der Bilanz. Sony zahlte Anfang 2022 rund 3,6 Milliarden US-Dollar für Bungie. Nun muss der Konzern einräumen, dass der Wert des Studios in den eigenen Büchern niedriger angesetzt wird als zuvor.

Was die Abschreibung bedeutet

Eine Wertminderung heißt nicht, dass Sony diese Summe direkt überwiesen oder verloren hat wie bei einer einzelnen Rechnung. Es geht um die Bewertung von Bungie als Vermögenswert. Wenn die erwarteten Erträge sinken, muss Sony den Buchwert anpassen.

Genau das passiert nun erneut. Bereits im zweiten Quartal des Geschäftsjahres hatte Sony 31,5 Milliarden Yen abgeschrieben, etwa 204,2 Millionen US-Dollar. Im vierten Quartal kamen weitere 88,6 Milliarden Yen hinzu, etwa 565 Millionen US-Dollar.

Zusammen ergibt das die gemeldeten 120,1 Milliarden Yen für das Geschäftsjahr, das am 31. März 2026 endete. Betroffen ist Sonys Bereich Game & Network Services, also der PlayStation-Bereich.

Marathon steht im Mittelpunkt

Marathon erschien Anfang März und fiel damit noch in das letzte Geschäftsjahr. Das ist wichtig, weil die zusätzliche Wertminderung ebenfalls in diesem Quartal auftaucht.

Der Extraction-Shooter soll laut Berichten ein Budget von mehr als 250 Millionen US-Dollar gehabt haben. Analysten gehen davon aus, dass Marathon die Umsatzerwartungen nicht erfüllt hat. Damit wird das Spiel für Sony zu einem Problem, obwohl es nicht als Totalausfall beschrieben werden muss.

Marathon setzt stark auf harte Runs, Risiko und Lernkurven. Bungie versucht zwar, den Einstieg mit neuen Werkzeugen zu erleichtern. Gleichzeitig baut das Studio Inhalte ein, die klar auf sehr engagierte Spieler zielen.

Das Kernproblem: Für wen ist Marathon gedacht?

Der raidähnliche Inhalt Cryo Archive zeigt diesen Spagat gut. Er richtet sich an Spieler, die viel Zeit investieren, Bedingungen erfüllen und sich durch komplexe Abläufe arbeiten wollen. Genau diese Tiefe kann für Fans reizvoll sein.

Für Gelegenheitsspieler kann sie aber auch abschrecken. Der frühere Counter-Strike-Spieler Shroud lobte Cryo Archive als sehr aufwendige Extraction-Shooter-Erfahrung, stellte aber zugleich die Frage, ob Umfang, Komplexität und Grind für normale Spieler zu viel sind.

Das ist für Bungie gefährlich. Macht das Studio Marathon deutlich einfacher, verliert es möglicherweise jene Spieler, die gerade den harten Anspruch mögen. Bleibt Marathon zu streng, wächst die Community langsamer. Für ein teures Live-Service-Spiel ist beides schwierig.

Destiny 2 bleibt ebenfalls ein Faktor

Marathon ist nicht der einzige Belastungspunkt. Sony hatte die frühere Wertminderung im zweiten Quartal auch mit der schwachen Performance von Destiny 2 verbunden. Bungie hängt also nicht nur an einem neuen Spiel, sondern auch an einem älteren Live-Service-Titel, der nicht mehr zuverlässig die früheren Erwartungen erfüllt.

Das erklärt, warum die Lage für Sony unangenehm ist. Bungie sollte nach der Übernahme Live-Service-Erfahrung und starke Marken in den Konzern bringen. Aktuell muss Sony aber Geldwerte korrigieren, weil die Erträge offenbar hinter den Annahmen liegen.

PlayStation selbst steht stabiler da

Interessant ist der Blick auf den gesamten PlayStation-Bereich. Trotz der Bungie-Abschreibung blieben die Umsätze im Segment Game & Network Services laut Sony im Wesentlichen unverändert. Das Betriebsergebnis stieg sogar um 12 Prozent.

Das heißt: Bungie belastet die Bilanz, aber PlayStation als Ganzes bricht dadurch nicht ein. Für Sony ist es trotzdem ein Warnsignal. Teure Studioübernahmen zahlen sich nicht automatisch aus, nur weil ein Team Erfahrung mit großen Online-Spielen hat.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Sony ein unverändertes Betriebsergebnis. Gleichzeitig spricht der Konzern von höheren Investitionen in die Plattform der nächsten Generation. Das deutet klar darauf hin, dass intern die Zeit nach der PS5 vorbereitet wird, ohne dass daraus schon konkrete Details entstehen.

Bei der PS5-Hardware will Sony die Verkaufsmenge im Geschäftsjahr 2026 daran ausrichten, wie viel Speicher zu angemessenen Preisen beschafft werden kann. Die Hardware-Rentabilität soll im Wesentlichen auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2025 bleiben.

Was Bungie jetzt liefern muss

Bungie braucht bei Marathon eine klarere Antwort auf die Spielerfrage. Wer soll dauerhaft bleiben? Die Hardcore-Gruppe, die schwere Inhalte will. Oder eine breitere Masse, die ein teures Online-Spiel finanziell tragen kann.

Beides gleichzeitig geht nur, wenn der Einstieg verständlicher wird, ohne die Spitzeninhalte zu entschärfen. Ob zusätzliche PvE-Inhalte, ein klassischer PvP-Modus oder andere Anpassungen helfen würden, ist offen. Sicher ist nur: Sony wird nach dieser Abschreibung genau hinsehen, ob Bungie aus Marathon noch ein stabileres Geschäft machen kann.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.