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Review

Onimusha: Way of the Sword im Test: Starke Bosse, zu wenig Druck

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Onimusha: Way of the Sword besitzt genau die Art von Kampfsystem, für die man die Reihe wiedersehen möchte. Paraden, Ausweichschritte, Konter und die Issen-Technik greifen sauber ineinander. Besonders gegen Bosse verlangt das Spiel Aufmerksamkeit, Timing und eine gute Position.

Im normalen Spielverlauf fehlt diesem starken Kern aber zu oft der nötige Widerstand. Die rund 25 Stunden lange Kampagne streckt ihre Reise durch ein dämonenverseuchtes Kyoto mit wiederkehrenden Kämpfen, bekannten Wegen und Aufgaben, die sich zu ähnlich anfühlen. Das ist schade, weil die besten Momente zeigen, wie gut dieses Onimusha sein könnte.

Kyoto als Hub, nicht als straffes Abenteuer

Miyamoto Musashi kehrt nach einer Begegnung am Tor zur Hölle mit einem magischen Oni-Handschuh ins Reich der Lebenden zurück. Sein Ziel ist klar: Genma-Dämonen bekämpfen und einen Weg aus seinem aufgezwungenen Schicksal finden. Dabei unterstützt er zunächst Ono no Takamura, der seit 700 Jahren ein Tor zum Jenseits bewacht.

Der Großteil der Handlung spielt in einem Distrikt von Kyoto zur Edo-Zeit. Neue Bereiche öffnen sich nach und nach. Musashi schließt Portale, beseitigt Miasma-Quellen, schützt Orte und erledigt Bosse. Dazu kommen optionale Nebenmissionen. Als Belohnung gibt es Materialien für Statuswerte und Fähigkeiten sowie Heilgegenstände.

Die Struktur hat einen Haken: Viele Wege führen immer wieder durch dieselben Straßen. Dort warten Gegner, die nach kurzer Zeit kaum noch gefährlich sind. Auch einige Bosse kehren mehrfach zurück. Was zunächst nach sinnvoller Rückkehr in bekannte Gebiete aussieht, wird gegen Ende oft zur Routine.

Das Kampfsystem kann viel mehr

Die Basis ist stark. Die klassische Issen-Technik belohnt einen Angriff im letzten Moment vor einem gegnerischen Treffer mit einem tödlichen Konter. Ergänzend gibt es Paraden aus der Deckung, Ausweichschritte, Konter gegen Griffe und das Umlenken von Klingenangriffen.

Gerade dieses Umlenken sorgt für die besten spontanen Szenen. Gegner lassen sich in Fallen, andere Dämonen oder explosive Objekte stoßen. Windmagie kann Feuer weitertragen und mehrere Feinde zugleich treffen. Solche Situationen machen deutlich, dass die Arenen und Systeme mehr Tiefe bieten, als viele Kämpfe später tatsächlich verlangen.

Das Problem ist nicht, dass Onimusha zu viele Werkzeuge verteilt. Das Problem ist, dass es sie außerhalb der Bosskämpfe zu selten braucht. Gegner greifen zögerlich an und überlappen ihre Attacken kaum. Selbst größere Gruppen warten oft nacheinander auf ihren Einsatz. Mit ruhigem Parieren oder Issen-Kontern lassen sich zahlreiche Begegnungen sicher und schnell beenden.

Die Bosse setzen den Maßstab

Bosskämpfe sind klar die Stärke des Spiels. Ihre Angriffe sind gut animiert und unterscheidbar. Beim ersten Versuch können schnelle Kombinationsfolgen überwältigen, doch die Kämpfe wirken nicht unfair oder unlesbar. Wer Muster lernt und seine Reaktionen anpasst, kommt sichtbar weiter.

Hier entsteht endlich der Druck, der den normalen Kämpfen fehlt. Positionierung, Timing und die Wahl der passenden Abwehr zählen. Der Kontrast fällt dadurch umso stärker auf: Die Bosse fordern die Fähigkeiten, die das Spiel zuvor großzügig vermittelt, während viele Genma in den Straßen von Kyoto nur noch Hindernisse auf dem Weg zum nächsten Ziel sind.

Zu viele Erleichterungen nehmen Spannung heraus

Auch das Seelensystem verliert einen Teil seiner früheren Bedeutung. Beim Einsammeln von Seelen kann Musashi weiterlaufen, später sogar während Angriffen absorbieren. Gelbe Seelen heilen, blaue unterstützen magische Zusatzwaffen. Weil das Aufsaugen kaum noch eine bewusste Entscheidung verlangt, entsteht selten ein Risiko zwischen Angriff, Rückzug und Ressourcenverwaltung.

Der freischaltbare Carnage-Schwierigkeitsgrad erhöht zwar den gegnerischen Schaden, verändert aber weder Verhalten noch Zusammensetzung der Feinde. Wer sich vor allem spannendere Standardkämpfe erhofft, erhält damit keine grundlegend andere Erfahrung.

Für wen lohnt es sich?

Fans der Reihe und Spieler, die präzise Action mit gut lesbaren Bossen mögen, finden hier viel Substanz. Die linearen Abschnitte und einige besondere Orte, darunter ein an das erste Onimusha erinnerndes Labor, zeigen die Klasse, die in diesem Projekt steckt.

Wer eine konstant fordernde Kampagne erwartet, sollte seine Erwartungen bremsen. Onimusha: Way of the Sword ist kein Rückschritt ohne Ideen. Es ist ein Spiel mit sehr guten Ideen, das sie im Alltag zu oft selbst entschärft. Die starken Bossduelle tragen die Empfehlung, aber sie können die zähe Mitte nicht vollständig ausgleichen.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.