Zurück zu den News
Review

Orbitals im Test: Starkes Koop-Abenteuer im Retro-Anime-Look

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Orbitals ist kein Spiel für den Abend allein auf dem Sofa. Es gibt weder einen Solo-Modus noch eine KI-Begleitung. Stattdessen baut das Science-Fiction-Abenteuer alles um zwei Geschwister und zwei gleichwertige Mitspielende auf. Wer eine feste Koop-Person hat, bekommt hier ein besonders stimmiges gemeinsames Erlebnis.

Die rund sechs bis sieben Stunden lange Kampagne verbindet Plattformen, Rätsel, kurze Action-Abschnitte und Erkundung. Ihr verlasst eine von einem kosmischen Sturm abgeschnittene Kolonie, um Hilfe und wichtige Technik zu finden. Die ernste Ausgangslage wird dabei nicht düster ausgespielt. Orbitals bleibt neugierig, freundlich und voller kleiner Momente, die die Welt lebendig machen.

Koop ist hier wirklich die Hauptsache

Maki und Omura haben keine dauerhaft exklusiven Fähigkeiten. Stattdessen arbeitet ihr mit Werkzeugen, die zwischen beiden Figuren getauscht werden können. Das ist eine kluge Entscheidung: Wenn eine Aufgabe einer Person gerade nicht liegt, kann die andere das passende Werkzeug übernehmen und den nächsten Versuch machen.

Ein Greifhaken zieht etwa Plattformen heran, öffnet Luken oder hilft über Abgründe. Ein Laser repariert Stromkreise, beseitigt Gase und aktiviert Schalter. Die Rätsel verlangen, dass beide genau hinschauen, Hinweise austauschen und ihre Aktionen abstimmen. Mal schafft eine Person den Weg frei, mal schützt sie die andere, mal muss ein Ablauf im richtigen Moment ausgelöst werden.

Das bleibt angenehm verständlich. Das Spiel erklärt seine Grundideen, lässt euch bei Symbolen, Geräuschen und Reaktionen der Umgebung aber selbst überlegen. Gerade für Koop-Duos ist das schön: Man spricht miteinander, statt nur einem vorgegebenen Weg zu folgen.

Viele Ideen, ohne unnötig kompliziert zu werden

Orbitals wechselt regelmäßig die Perspektive und das Tempo. Neben der 3D-Ansicht gibt es 2D-Plattformpassagen, Fahrten auf schwebenden Fahrzeugen und Raumschiff-Abschnitte. In diesen Action-Szenen steuert eine Person, während die andere einen Geschützturm bedient. Beide sehen unterschiedliche Dinge und müssen ihre Informationen schnell zusammenbringen.

Die Shooter- und Bosssequenzen sorgen für die größten Geschicklichkeitsmomente. Sie bleiben durch die begrenzte Bewegungsfläche des Schiffs gut kontrollierbar, können Einsteigerinnen und Einsteiger aber fordern. Besonders wenn viele Geschosse gleichzeitig unterwegs sind, hilft klare Absprache mehr als hektisches Drücken.

Stark ist vor allem die Abwechslung. Werkzeuge tauchen mehrfach auf, werden aber mit neuen Umgebungen und Aufgaben kombiniert. Dazu kommen kleinere Szenen wie ein Tanzspiel, Seilspringen oder Verfolgungsabschnitte. Die Kampagne wirkt dadurch nicht wie eine lange Reihe ähnlicher Rätselräume.

Eine Welt mit eigenem Charakter

Der Look macht Orbitals sofort wiedererkennbar. Handgemalte Hintergründe treffen auf cel-geshadete 3D-Figuren, bewusst reduzierte Animationen und einen leichten VHS-Effekt. Das kann auf modernen Bildschirmen zunächst ungewohnt wirken, passt aber sehr konsequent zur Retro-Anime-Ausrichtung.

Auch der Ton zieht diese Idee durch. Die Effekte erinnern an ältere TV-Produktionen, dazu kommen ein Opening und Ending von Mami Ayukawa. Acht Sprachfassungen sind vorhanden, darunter Deutsch. Die deutsche Synchronisation ist absichtlich etwas theatralisch gehalten und fügt sich gut in den Stil ein.

Zwischen den Missionen kehrt ihr in eure Kolonie und auf euer Schiff zurück. Bewohner gehen ihren Aufgaben nach, ein Radio spielt Musik und versteckte Kreaturen können an Bord gebracht werden. Selbst die Bordkatze reagiert unterschiedlich auf Maki und Omura. Diese Kleinigkeiten geben den Geschwistern und ihrer Heimat viel Persönlichkeit.

Gut für gemeinsame Runden, mit einer wichtigen Hürde

Die Geschichte stellt Zusammenarbeit über Kampf. Gefährlich sind vor allem kaputte Anlagen, Umweltgefahren und Verteidigungssysteme, nicht eine dauernde Jagd nach Gegnern. Fehlschläge werfen euch dank fair gesetzter Rücksetzpunkte nicht weit zurück. Das macht Orbitals auch für ältere Kinder mit Elternteil oder älterem Geschwisterkind interessant, sofern die Shooter-Passagen nicht abschrecken.

Die größte Einschränkung bleibt das reine Zwei-Personen-Konzept. Wer keine regelmäßige Koop-Begleitung hat, kann die Kampagne nicht allein erleben. Global Friend’s Pass und GameShare senken die Einstiegshürde immerhin, weil theoretisch nicht beide Personen das Spiel besitzen müssen.

Auf der Nintendo Switch 2 ist außerdem der Fernseher klar die bessere Wahl. Der ständig aktive Splitscreen lässt Hinweise und Oberflächenelemente im Handheld-Modus kleiner wirken. Die dauerhafte Einblendung von Missionszielen auf beiden Bildschirmhälften ist ebenfalls nicht immer nötig und nimmt etwas Platz weg.

Für wen sich Orbitals lohnt

Orbitals ist eine klare Empfehlung für eingespielte Duos, die gemeinsam knobeln möchten und einen besonderen Stil mögen. Das Spiel vertraut darauf, dass ihr kommuniziert, statt eine Person zur Nebenrolle zu machen. Seine Retro-Anime-Optik ist mehr als Dekoration, weil Bild, Musik, Figuren und Welt in dieselbe Richtung arbeiten.

Wer allein spielt oder vor allem ein schnelles Actionspiel sucht, wird mit der festen Koop-Pflicht weniger glücklich. Mit der richtigen Person an deiner Seite bietet Orbitals aber ein abwechslungsreiches Abenteuer, das Zusammenarbeit angenehm konkret macht.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.