Resonance: A Plague Tale Legacy verlässt den bisherigen Schwerpunkt der Reihe deutlich. Statt eines Stealth-Abenteuers steht ein lineares Action-Spiel im Mittelpunkt, das Kämpfe, Kletterpassagen, Erkundung und Rätsel miteinander verbindet. Das funktioniert über weite Strecken erstaunlich gut.
Die Vorgeschichte von Sophia ist zudem ohne Kenntnis der früheren Teile verständlich. Amicia und Hugo treten nicht auf. Wer A Plague Tale bisher nicht gespielt hat, kann also direkt auf die Insel des Minotaurus einsteigen und Sophias Suche nach dem Ursprung ihrer Visionen verfolgen.
Ein hohes Tempo in den Kämpfen
Sophia kämpft mit Schwert und Dolch gegen Soldaten. Das Grundsystem bleibt bewusst klar: Angriffe ergeben einfache Kombos, gehaltene Schläge werden kritisch, Tritte brechen Verteidigungen. Mit dem Enterhaken zieht sie Bogenschützen von erhöhten Positionen herunter. Gegenstände lassen sich zur Betäubung werfen, eine aufgeladene Spezialattacke trifft mehrere Gegner.
Das klingt vertraut, spielt sich aber schnell. Besonders wichtig ist, dass Resonance nicht auf reines Abwarten setzt. Sophia kann Gegner zu sich holen, Schilde aus dem Weg treten und geworfene Waffen sofort gegen weitere Feinde einsetzen. Die Arenen laden dazu ein, Abgründe und tödliche Fallen auszunutzen.
Der normale Schwierigkeitsgrad hält den Druck hoch. Sophia übersteht nur zwei Treffer, der dritte beendet den Versuch am letzten Checkpoint. Besiegte Gegner geben aber Lebenspunkte zurück. Dadurch entsteht ein aggressiver Rhythmus: Wer angeschlagen ist, muss nicht zwangsläufig fliehen, sondern kann sich mit einem entschlossenen Angriff retten.
Rätsel sind mehr als eine Pause zwischen Kämpfen
Der größere Teil der knapp 15 Stunden besteht nicht aus Gefechten, sondern aus Prüfungen in den Ruinen der Insel. Sophias Notizbuch liefert Skizzen und Hinweise, nimmt die Lösungen aber nicht vorweg. Nach den ersten Aufgaben ziehen die Anforderungen deutlich an.
Im Zentrum steht eine metallene Kugel einer untergegangenen Kultur. An Lichtquellen aktiviert, deckt sie verborgene Markierungen auf oder hilft dabei, farbige Laser auf passende Ziele zu lenken. Spiegel, Druckplatten und Fallen werden dabei zunehmend miteinander kombiniert.
Dieses System gibt den Rätseln Struktur. Neue Funktionen werden nicht nur kurz erklärt und wieder vergessen, sondern später in komplexeren Aufgaben erneut verlangt. Das erinnert eher an klassische Dungeon-Logik als an bloße Schalterrätsel. Wer gerne beobachtet, ausprobiert und Zusammenhänge erkennt, bekommt hier viel geboten.
Die Bedrohung trägt nicht jede Szene
In mehreren Abschnitten rückt Resonance wieder näher an die angespannte Seite der Reihe. Eine Kreatur verfolgt Sophia durch die Ruinen. Sie ist nicht zu besiegen, kann aber kurz mit Licht aufgehalten werden. Dann gilt es, den Weg von einer sicheren Stelle zur nächsten zu finden oder Verfolgungsjagden zu überstehen.
Die Regeln dieser Passagen bleiben nachvollziehbar. Es gibt meist mehrere Wege, genug Zeit für Reaktionen und Möglichkeiten, sich im letzten Moment in Deckung zu retten. Das verhindert, dass die Schleichabschnitte zur Geduldsprobe werden.
In der zweiten Hälfte nutzt das Spiel diese Idee allerdings zu häufig. Was zunächst für Spannung sorgt, verliert an Wirkung, sobald die Bedrohung vertrauter wird. Auch die spätere Einordnung der Ereignisse passt zwar zur Welt von A Plague Tale, nimmt dem Unbekannten aber etwas von seiner Kraft. Hier wäre ein strafferer Schluss wirkungsvoller gewesen.
Eine Insel, die im Gedächtnis bleibt
Die Insel des Minotaurus ist der große visuelle Trumpf. Gewaltige Ruinen, gefährliche Tiefen und die Beleuchtung der einzelnen Gebiete sorgen immer wieder für starke Ansichten. Resonance gehört damit zu den auffälligsten Spielen seines Jahres.
Nicht alles erreicht dieselbe Qualität. Sophias Animationen gehen gelegentlich unsauber ineinander über, und bei Interaktionen mit der Umgebung treten kleinere Fehler auf. Das bremst den Eindruck selten aus, zeigt aber, dass der Wechsel zum aufwendig inszenierten Action-Abenteuer nicht überall makellos gelingt.
Gut gefüllt, nicht immer präzise gestrafft
Resonance hat kein grundsätzlich schwaches Kapitel. Trotzdem wäre weniger an einigen Stellen mehr gewesen. Einzelne Rätsel, Kämpfe und Dialoge wiederholen ihre Funktion, obwohl das Spiel seine Aussage längst gemacht hat. Gerade weil die Kernideen stark sind, fallen diese Wiederholungen auf.
Der Genrewechsel ist dennoch geglückt. Resonance: A Plague Tale Legacy verbindet flotte Kämpfe mit durchdachten Rätseln und einer eindrucksvollen Kulisse. Es erreicht nicht in jeder Disziplin die Präzision der ganz großen Action-Abenteuer, hat aber eine eigene Identität und erweitert das A-Plague-Tale-Universum sinnvoll.
Wertung
- Gameplay: 4 von 5
- Grafik: 5 von 5
- Story: 4 von 5
- Sound: 4 von 5
Für wen lohnt es sich? Für Spielerinnen und Spieler, die lineare Action-Abenteuer mit Rätseln und einer dichten, düsteren Kulisse mögen. Wer vor allem ein reines Schleichspiel erwartet oder sehr kurze Spiele bevorzugt, sollte die längeren Rätsel- und Verfolgungsphasen im Blick behalten.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
