Crimson Desert im Test: Größe ist hier nicht alles
Crimson Desert ist ein großes Spiel mit großen Ideen. Genau das ist seine Stärke und sein Problem. Die Welt lädt zum Erkunden ein, die Kämpfe können richtig Druck machen, doch viele Systeme greifen nicht sauber genug ineinander.
Wer ein sauber geführtes Open-World-Rollenspiel mit starker Geschichte sucht, wird hier schnell Reibung spüren. Wer dagegen gern eigene Ziele setzt, Umwege nimmt und auch unfertige Kanten akzeptiert, findet in Crimson Desert ein ungewöhnliches, oft faszinierendes Action-RPG.
Eine Welt, die aus der Ferne stark wirkt
Am PC macht Crimson Desert technisch zuerst einen guten Eindruck. Die Performance bleibt stabil, Ruckler und deutliche Frame-Einbrüche fallen im Testbild nicht ins Gewicht. Gerade zum Start zeigt das Spiel mit vielen Effekten, dass die BlackSpace Engine große Szenen tragen kann.
Optisch ist das Bild aber nicht durchgehend sauber. Aus der Distanz wirkt die Welt beeindruckend, mit vielen markanten Orten, Pflanzen, Tieren und einer starken Vertikalität. Aus der Nähe fallen dagegen schwächere Texturen, unsaubere Details, Kantenflimmern und Schlieren in kontrastreichen Bereichen auf.
Das eigentliche Problem liegt weniger in der Grafik als in der Belohnung. Viele spannende Orte schicken dich erst einmal wieder weg. Andere bieten eher Schnellreisepunkte oder kleine Rätsel statt erinnerungswürdiger Geschichten. Crimson Desert hat Raum, sehr viel Raum sogar. Es füllt ihn aber nicht immer mit Dingen, die sich wichtig anfühlen.
Die Hauptgeschichte gibt Richtung, aber wenig Halt
Im Zentrum steht Kliff, ein Mitglied der Graumähnen. Nach den Ereignissen am Anfang muss er seine verstreuten Gefährten wieder zusammenbringen. Das ist als Rahmen verständlich, trägt emotional aber nur bedingt.
Viele Figuren bleiben blass. Einzelne Momente sind witzig, teils gewollt, teils durch Bugs oder Physik-Eigenheiten. Eine starke Bindung zur Gruppe entsteht daraus selten. Die Handlung verlässt sich oft auf Markierungen und Gespräche mit bestimmten NPCs, statt ihre nächsten Schritte sauber aus der Situation heraus zu entwickeln.
Dialogoptionen gibt es nicht. Dafür ist die Vertonung vollständig vorhanden, wahlweise auf Englisch, Koreanisch oder vereinfachtem Chinesisch. Das hilft der Präsentation der Geschichte, löst aber nicht das Problem, dass der Spannungsaufbau zu oft stockt.
Fortschritt kommt spät und manchmal zäh
Crimson Desert hat viele Systeme, doch es lässt sich Zeit damit. Nach vielen Stunden kann man noch im Startgebiet stecken, ohne das Gefühl zu haben, wirklich voranzukommen. Wer die Hauptquest ignoriert, findet zwar Beschäftigung, aber nicht immer Fortschritt.
Neue Bewegungsmöglichkeiten wie Gleiten oder ein Greifhaken machen das Erkunden später dynamischer. Sie werden aber durch Ausdauer begrenzt und kommen nicht so früh oder so frei zum Tragen, wie man es nach den Trailern erwarten könnte. Besonders auffällige Fortbewegungsarten bleiben lange entfernt.
Auch das Lager wirkt zuerst wie ein sinnvolles Zentrum. Du kannst es ausbauen und Funktionen freischalten. Gerade hier fällt aber eine große Lücke auf: Items lassen sich nicht lagern. Bei einem kleinen Inventar und sehr vielen sammelbaren Gegenständen nervt das schnell. Updates zu diesem Bereich wurden angekündigt, ein konkreter Zeitpunkt bleibt offen.
Die Steuerung arbeitet gegen das Spiel
Crimson Desert will viel auf einmal abbilden. Das merkt man an der Steuerung. Manche Eingaben fühlen sich umständlich an, etwa wenn der Greifhaken über eine ungewohnte Kombination auf dem Controller genutzt wird. Das Spiel verlangt Gewöhnung, aber nicht immer auf eine gute Art.
In ruhigen Momenten ist das lästig. In Kämpfen wird es kritisch. Standardgegner, am Anfang vor allem Banditen, sind meist keine große Hürde. Sobald Tempo, Kamera und viele Kommandos zusammenkommen, wird die Bedienung aber unübersichtlich.
Bei Bossen dreht Crimson Desert deutlich auf. Es gibt 76 Bossgegner, und einige verlangen Geduld, saubere Reaktionen und ein gutes Verständnis der eigenen Möglichkeiten. Hier kann das Kampfsystem seine beste Seite zeigen. Unterschiedliche Waffen, spürbare Treffer, kräftige Animationen und abwechslungsreiche Angriffe sorgen für starke Momente.
Gleichzeitig fühlt sich nicht jede Eingabe zuverlässig an. Die Kamera hilft nicht immer. Heilende Speisen können das Überleben verlängern, doch selbst damit kippen manche Kämpfe schnell. Das Kochen selbst wirkt zudem hakelig. Wer harte Bosse liebt, kann hier viel finden. Wer klare Lesbarkeit und präzise Kontrolle erwartet, wird sich ärgern.
Viele Ideen, nicht alle am richtigen Platz
Crimson Desert steckt voller Nebenbeschäftigungen. Angeln, Armdrücken, Gemüseanbau und sogar Haustiere durch Streicheleinheiten passen in dieses breite Systembild. Es gibt auch ein Kriminalitätssystem, das Diebstahl bestraft, selbst wenn niemand zusieht. Solche Details zeigen, wie viel das Spiel versucht.
Mehrere spielbare Charaktere bringen später zusätzliche Kampfstile. Das klingt stark, ist aber eingeschränkt. Abgesehen von der ersten neuen Figur liegen weitere Optionen sehr weit hinten im Spiel. Außerdem kann die Hauptquest nur mit Kliff fortgeführt werden. Dadurch wirkt ein eigentlich spannendes Feature unnötig begrenzt.
Auch Bugs und Abstürze trüben den Eindruck. Besonders ärgerlich ist, dass Zwischensequenzen beim erneuten Anlauf nicht einfach übersprungen werden können, sondern nur vorgespult werden. Bei langen oder wiederholten Passagen kostet das Geduld.
Wertung
Crimson Desert ist kein glatt geschliffenes Open-World-Abenteuer. Es ist groß, eigenwillig und voller Reibung. Die PC-Performance überzeugt, die Welt hat starke Ansichten und die Bosskämpfe können packen. Dagegen stehen eine schwache Geschichte, eine überladene Steuerung, Komfortlücken und ein Fortschritt, der oft zu langsam greift.
Für neugierige Open-World-Spieler mit hoher Fehlertoleranz kann Crimson Desert trotzdem spannend sein. Es hat genug eigene Ideen, um nicht wie eine reine Kopie bekannter Vorbilder zu wirken. Nur sollte man kein rundes Gesamtpaket erwarten. Dieses Spiel fordert nicht nur im Kampf Geduld, sondern auch im Umgang mit seinen vielen Ecken.
- Gameplay: 3 von 5
- Grafik: 3 von 5
- Story: 2 von 5
- Sound: 3 von 5
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
