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Review

Toxic Commando im Test: Koop-Chaos mit zähem Grind

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

John Carpenter’s Toxic Commando setzt nicht auf leisen Horror. Das Spiel wirft vier Spieler in eine giftige Schlamm-Apokalypse, schickt Horden von Untoten über offene Karten und lässt kaum Zeit zum Durchatmen.

Am stärksten ist der Koop-Shooter, wenn alles gleichzeitig passiert: Ein Fahrzeug steckt im Matsch, Zombies klettern an den Türen hoch, ein Teammitglied bedient das Geschütz und jemand sucht verzweifelt nach der richtigen Stelle für die Seilwinde. Genau dann hat Toxic Commando seine eigene Energie. Der Preis dafür sind ein zäher Fortschritt und Missionen, die mehr Abwechslung vertragen hätten.

Vier Klassen, viel Druck

Toxic Commando ist klar auf vier Spieler ausgelegt. Zur Wahl stehen Strike, Medic, Operator und Defender. Die Rollen sind einfach zu verstehen, greifen aber sinnvoll ineinander. Strike kann ganze Gruppen mit einem elektrischen Feuerball erwischen. Der Operator bringt eine Drohne mit, die Feuerschutz gibt und gefallene Mitspieler wieder auf die Beine holen kann. Der Defender baut Barrieren, was vor allem in Verteidigungsphasen wichtig wird.

Die Kämpfe leben von Masse und Wucht. Gegner kommen aus der Ferne, kriechen aus dem Boden oder reagieren auf Geräusche. Wer Schalter aktiviert, Ressourcen aufsammelt oder ein Fahrzeug startet, löst schnell neue Angriffe aus. Das hält die Spannung hoch, nutzt sich über längere Sitzungen aber auch ab.

Die Waffen fühlen sich kräftig an. Aufsätze wie Visiere, Griffe oder kürzere Läufe verändern die Werte spürbar. Wer eine Waffe oft nutzt, levelt sie schneller. Dazu kommen Skilltrees pro Klasse, die bis Level 40 reichen. Das motiviert grundsätzlich, doch der Weg ist lang. Nach dem ersten Durchspielen der Kampagne ist Level 13 als Zwischenstand möglich, was zeigt, wie stark Toxic Commando auf Wiederholungen und die geplante Content-Roadmap setzt.

Der Schlamm ist mehr als Kulisse

Der beste eigene Einfall liegt bei den Fahrzeugen. Toxic Commando übernimmt spürbar Technik aus den Offroad-Spielen von Saber Interactive. Der Boden verformt sich, Reifen graben sich in Matsch, schwere Wagen kommen besser durch schwieriges Gelände als leichtere Modelle. Das ist kein netter Nebeneffekt, sondern Teil der Planung.

Besonders stark ist die Seilwinde. Man zielt auf Bäume oder Trümmer, zieht den Wagen aus dem Schlick und hofft, dass die anderen in der Zeit die Türen freischießen. Nicht jedes Fahrzeug hat genug Kraft oder eine Winde. Deshalb zählt die Route. Das bringt in die offenen Karten mehr Entscheidung als ein normaler Marsch von Ziel zu Ziel.

Die Missionen bestehen aus acht großen Hauptaufträgen plus Tutorial. Viele Areale fühlen sich wie kleine offene Kampfzonen an, mit Nebenaufgaben und versteckten Ressourcen. Ersatzteile helfen innerhalb einer Mission, etwa um Geschütze zu reparieren oder starke Waffen aus Kisten nutzbar zu machen. Dauerhaft bleiben dagegen die Waffen-Upgrades.

Technik für große Horden

Die Swarm-Engine trägt viel zum Eindruck bei. Wie schon bei früheren Saber-Spielen können sehr viele Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm sein. Zombies bilden Türme, überwinden Hindernisse und klettern sogar auf langsam fahrende Fahrzeuge. Im Performance-Modus auf der PS5 Pro läuft das laut Testeindrücken flüssig, auch Verbindungsprobleme im Team traten dabei nicht auf.

Die Physik sorgt zusätzlich für Chaos. Granaten schleudern Körper durch die Luft. Explosive Fässer und Gasflaschen können unkontrolliert durch die Gegend fliegen, bevor sie einschlagen. Die Splattereffekte sind deutlich überzogen. Das passt zum B-Movie-Ton, macht aber auch klar: Das hier ist nichts für empfindliche Spieler.

Neben normalen Hordenzombies und selbstexplodierenden Gegnern fallen vor allem die Sludge Tendrils auf. Diese großen Tentakel schießen aus dem Boden und zwingen das Team, Prioritäten zu ändern. Manche greifen sogar aus der Entfernung mit Lasern an. Dazu kommen Wettereffekte wie ein giftiger Sturm, bei dem alle unter einer mobilen Schutzkuppel bleiben müssen.

Carpenter steckt eher im Ton als im Kern

Die Geschichte ist bewusst schräg. In naher Zukunft will die Firma Obsidian unter CEO Leon Dorsey Energie aus dem Erdkern gewinnen. Das Experiment geht schief und befreit den Sludge God. Die Erde versinkt in toxischem Matsch, Menschen werden zu Monstern, und statt teurer Profis schickt Dorsey eine günstige Truppe zweitklassiger Antihelden los.

John Carpenter war als Mentor für den Ton beteiligt. Dazu kommen viele Anspielungen auf seine Filme, unter anderem auf Escape from New York und They Live. Die Musik stammt von John Carpenter, Cody Carpenter und Gunship. Der Synth-Sound treibt die Kämpfe stark an und läuft teils sogar im Autoradio der Fahrzeuge.

Trotzdem fühlt sich Toxic Commando nicht durchgehend wie ein klassischer Carpenter-Stoff an. Die schnellen Sprüche, der große technische Aufwand und die sehr moderne Koop-Struktur stehen stärker im Vordergrund. Wer vor allem wegen des Namens Carpenter kommt, sollte seine Erwartungen anpassen. Wer trashige Horror-Action will, bekommt aber genau diese Richtung.

Was bremst

Der größte Schwachpunkt ist der Grind. Sludgite-Kristalle treiben Upgrades und kosmetische Freischaltungen an. Orange Varianten findet man regelmäßig für Standard-Upgrades. Purpurne und blaue Kristalle tauchen erst auf höheren Schwierigkeitsgraden von Normal bis Hard auf und dienen vor allem kosmetischen Dingen. Zusammen mit den langen Skilltrees entsteht ein Fortschrittssystem, das auf viele Wiederholungen ausgelegt ist.

Auch das Tempo hat ein Problem. Toxic Commando startet sehr laut und sehr groß. Dadurch kann es sich später kaum noch steigern. Eine Runde zwischendurch funktioniert besser als ein langer Abend am Stück, weil die Dauerbelastung sonst stumpf machen kann.

Bei den Schauplätzen gibt es starke Bilder: verlassene Kleinstädte, Canyons, Wälder und große Flächen voller giftigem Schleim. Geschlossene Räume kommen aber zu kurz. Höhlen und Gebäude gibt es, doch das Spiel nutzt sie nicht oft genug. Mehr enge Kämpfe hätten den offenen Massenschlachten gutgetan.

Wertung

John Carpenter’s Toxic Commando ist ein lauter, schmutziger Koop-Shooter mit starken Fahrzeugen, beeindruckenden Gegnerhorden und sehr guter Musik. Das Spiel funktioniert am besten mit drei festen Mitspielern, Crossplay zwischen PC, PS5 und Xbox Series X|S hilft dabei.

Wer World War Z mochte und Lust auf Offroad-Fahrten durch eine Splatter-Apokalypse hat, findet hier ein klares Profil. Wer schnelle Freischaltungen, taktische Ruhe oder viel Missionsvielfalt sucht, wird eher mit den Zähnen knirschen.

  • Gameplay: 4 von 5, stark im Koop, gute Waffen, gute Fahrzeuge, aber zäher Fortschritt.
  • Grafik: 4 von 5, technisch starke Horden und gute Schlammphysik, trotz teils generischem Stil.
  • Story: 3 von 5, unterhaltsamer Trash, aber der Carpenter-Einschlag bleibt begrenzt.
  • Sound: 5 von 5, treibende Synth-Musik und brachiale Gefechtskulisse.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.