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Review

Monster Hunter Stories 3 im Test: Starkes RPG mit Einstiegshürde

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection ist kein kleiner Seitenarm der Reihe. Das Spiel setzt auf rundenbasierte Kämpfe, Monster-Aufzucht und eine deutlich größere Erzählung als man es von diesem Ableger vielleicht erwartet. Wer die Hauptreihe nur wegen Echtzeitjagden kennt, muss hier umdenken.

Der stärkste Punkt ist die Tiefe. Genau dort liegt aber auch die Hürde. Twisted Reflection erklärt viel, wirft früh viele Systeme auf den Tisch und verlangt, dass du aufmerksam bleibst. Danach entsteht ein sehr runder Spielfluss.

Zwei Nationen, ein Rathalos und viel mehr Geschichte

Die Handlung dreht sich um Azuria und Vermeil, zwei Nationen unter wachsendem Druck. Eine zunehmende Kristallisation bedroht beide Reiche. Gleichzeitig schlüpfen Rathalos-Zwillinge, was Erinnerungen an einen früheren Bürgerkrieg weckt. In dieser Lage übernimmt der Prinz von Azuria nicht nur Verantwortung als Ranger-Kapitän, sondern wird auch als Rider wichtig.

Vor dem Start lässt sich die Hauptfigur umfangreich anpassen. Aus dem Prinzen kann eine Prinzessin werden, dazu kommen viele Optionen für das Aussehen. Das ist kein Kernpunkt des Spiels, aber ein sauberer Einstieg, weil Twisted Reflection die Bindung zur eigenen Figur und zum ersten Rathalos früh ernst nimmt.

Die Geschichte führt durch mehrere unterschiedliche Gebiete. Neben der großen Bedrohung gibt es lokale Probleme, persönliche Nebenstränge und Begleiter, die mehr sind als reine Stichwortgeber. Der Ton bleibt klar im Anime-RPG-Bereich, wirkt aber reifer und aufwendiger als in den Vorgängern.

Das Kampfsystem braucht deine Aufmerksamkeit

Twisted Reflection kämpft nicht in Echtzeit. Die Begegnungen laufen rundenbasiert ab und bauen auf einem Schere-Stein-Papier-System mit drei Angriffstypen auf. Bestimmte Monster lassen sich mit dem passenden Typ besser kontern. Ein schnelles Monster verlangt andere Antworten als ein kräftiges.

Dazu kommen Fähigkeiten, Elemente, Waffenarten und Monsterteile. Wer einen Schwanz brechen will, greift besser zur Klinge. Für andere Körperteile passt eher der Hammer. Fähigkeiten können außerdem spezielle Leisten der Gegner angreifen. Sind diese erschöpft, entsteht ein Zeitfenster für schwere Treffer.

Das klingt nach viel, und es ist viel. Das Tutorial zieht anfangs spürbar Tempo an. Gerade neue Spielerinnen und Spieler können sich dabei überladen fühlen. Der wichtige Punkt ist aber: Diese Mechaniken sind nicht nur Dekoration. Wenn du sie ignorierst, werden Kämpfe zäh oder gefährlich.

Monsties machen aus Planung echte Stärke

Als Ranger kämpfst du nicht allein. Bis zu sechs Monsties begleiten dich, jedes mit eigenen Angriffstypen und Elementen. Im Kampf wechselst du sie je nach Gegner aus. Du kannst ihnen Befehle geben oder sie selbst agieren lassen.

Wer Schwächen ausnutzt und die Angriffstypen sauber liest, schaltet starke Partnerangriffe frei. Auch das Reiten auf Monsties spielt wieder eine Rolle und sorgt für besonders harte Aktionen. Das System belohnt Vorbereitung, nicht nur Reaktion.

Spannend werden vor allem die unbändigen Monster. Diese Varianten verändern bekannte Routinen durch neue Angriffsmuster, Schwächen und Resistenzen. Dann zählt, ob Ausrüstung, Waffe und Monstie-Gruppe zum Gebiet passen.

Sammeln, Züchten, Optimieren

Wie in Monster Hunter üblich wandern Monsterteile und Ressourcen zum Schmied. Daraus entstehen Waffen und Rüstungen mit Resistenzen und Boni. Twisted Reflection hält damit den Kreislauf aus Kampf, Belohnung und besserer Vorbereitung am Laufen.

Der Monsterstall wächst über Eier aus Monsternestern. Dabei kommt ein Zufallsfaktor ins Spiel, weil du auf starke Exemplare bestimmter Arten hoffst. Überschüssige Monsties lassen sich wieder in die Wildnis entlassen. Dadurch steigen Ränge, und bekannte Monster können in Varianten mit anderem Element-Fokus in der Umgebung auftauchen.

Hinzu kommt das Gen-System. Monsties lernen Fähigkeiten, Gene lassen sich tauschen und auf einem Raster anordnen. Wer passende Muster baut, bekommt Bingo-Boni. Du musst nicht jede Optimierung bis ins letzte Feld ausreizen, um die Geschichte zu schaffen. Wer gern plant, findet hier aber viele Stunden Feinarbeit.

Eine Welt, die zum Abweichen einlädt

Die Reise führt durch Blumenwiesen, verschneite Berge, Sümpfe, Wüsten und weitere Orte. Dabei gibt es immer wieder Gründe, vom Hauptpfad abzuweichen. Du reitest, gleitest und schwimmst auf Monsties, hilfst Leuten in den Gebieten, suchst verlorene Ferkelchen oder nimmst an kleinen Rennen teil.

Ein schöner Ansatz ist der stärkere Blick auf Ökosysteme. Invasive Monsterarten können Lebensräume durcheinanderbringen. Werden sie vertrieben, erholen sich Biome und andere Arten kehren zurück. Das passt gut zur Ranger-Idee, auch wenn Twisted Reflection natürlich weiterhin sehr oft über Kämpfe funktioniert.

Optisch stark, auf Switch 2 mit Abstrichen

Auf PS5 macht Twisted Reflection einen sehr guten Eindruck. Die Figuren haben einen weichen, klaren Anime-Look, die Monster sind detailreich, und die Gebiete wechseln sichtbar ihre Stimmung. In Kämpfen sorgen dynamische Kamerafahrten und saubere Animationen für viel Bewegung.

Die PS5-Fassung läuft laut Testeindruck meist stabil mit 60 Bildern pro Sekunde. Die Switch-2-Version ist gelungen portiert, bringt aber typische Abstriche mit. Die Auflösung wirkt weicher, die Bildrate liegt bei 30 fps und kann gelegentlich schwanken. Dafür bleibt der Vorteil, das Abenteuer unterwegs spielen zu können.

Wertung und Einordnung

Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection ist ein starkes rundenbasiertes RPG für Spielerinnen und Spieler, die Systeme wirklich lernen wollen. Das Spiel ist nicht schwer, weil es unfair wäre. Es ist anspruchsvoll, weil viele Teile ineinandergreifen.

Die Einstiegshürde ist der größte Kritikpunkt. Das Tutorial packt viel in die ersten Stunden, und nicht jede Erklärung sitzt sofort. Wer diese Phase durchsteht, bekommt ein großes Abenteuer mit guten Kämpfen, viel Monster-Planung, ordentlicher Geschichte und einer hübschen Welt.

GoodGame.Ruhr-Wertung: 4 von 5. Twisted Reflection ist bisher der rundeste Eindruck dieser Spin-off-Reihe. Kein Ersatz für die Hauptserie, sondern eine eigene, starke RPG-Linie daneben.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.