Planet of Lana II: Children of the Leaf baut genau dort aus, wo der erste Teil am stärksten war: bei ruhiger Erkundung, schönen Bildern und der Zusammenarbeit zwischen Lana und Mui. Das Sequel wirkt größer und sicherer, ohne aus dem Puzzle-Platformer plötzlich ein schweres Rätselbrett zu machen.
Für alle, die gerne beobachten, ausprobieren und eine Geschichte ohne laute Daueraction erleben, ist das eine sehr angenehme Fortsetzung. Wer dagegen harte Kopfnüsse sucht, wird hier eher selten an seine Grenzen kommen.
Eine friedliche Welt bekommt neue Risse
Nach den Ereignissen des ersten Spiels scheint auf dem Planeten Novo wieder Ruhe eingekehrt zu sein. Lanas Stamm lebt am See, die Maschinen sind nicht mehr nur Bedrohung, sondern Teil des Alltags. Aus früher feindlicher Technik werden Transportmittel oder nützliche Geräte.
Diese Ruhe hält nicht lange. Der Stamm der Dijinghala beutet Rohstoffe aus und nutzt dafür umprogrammierte Maschinen. Als Lanas kleine Schwester durch giftige Gase eines Kristalls schwer erkrankt, machen sich Lana und Mui auf die Suche nach Zutaten für ein Heilmittel.
Das ist ein klarer, gut verständlicher Aufhänger. Gleichzeitig bleibt genug Raum für größere Fragen: Warum werden die Ressourcen so rücksichtslos abgebaut? Was ist früher zwischen Menschen und Maschinen passiert? Und welche Rolle spielt Mui in dieser Geschichte?
Lana und Mui bleiben das Herz des Spiels
Wie im Vorgänger löst du die Aufgaben fast immer zu zweit. Lana klettert, springt, taucht und rutscht unter Hindernissen hindurch. Mui ist beweglicher, erreicht höhere Plattformen und kann Maschinen mit elektromagnetischen Impulsen kurzzeitig ausschalten.
Das führt zu vielen kleinen Team-Momenten. Mui legt eine Energiequelle lahm, Lana huscht durch einen überwachten Bereich. Lana klettert weiter, Mui drückt an anderer Stelle einen Knopf. Später kommen ferngesteuerte Drohnen dazu, mit denen Lana etwa Gewichte transportiert oder Mui über Hindernisse bringt.
Die besten Rätsel entstehen, wenn beide Figuren abwechselnd kleine Aufgaben übernehmen. Dann wirkt Planet of Lana II nicht hektisch, sondern angenehm geplant. Du schaust dir den Raum an, erkennst Kabel, Sprossen, Schalter oder Wege und setzt Schritt für Schritt alles zusammen.
Mehr Abwechslung bei den Rätseln
Der zweite Teil bietet deutlich mehr Bausteine als der Vorgänger. Neben Drohnen gibt es steuerbare Aufzüge, Förderbänder, Gravitationsschalter, Kletterseile und größere Rätsel über mehrere Bildschirme hinweg. Mui darf sich nur begrenzt von Lana entfernen, deshalb bleibt die Zusammenarbeit immer im Mittelpunkt.
Besonders schön sind die Abschnitte im Wasser. Lana kann tauchen und Dinge vom Meeresgrund holen. Pflanzen dienen dem wasserscheuen Mui als Floß oder Taucherglocke. Dazu kommt ein kleines U-Boot, mit dem das Duo tiefer vordringen kann.
Eine weitere gute Idee sind kleine Tintenfische. Mui kann sie telepathisch aktivieren, danach steuerst du sie an passende Stellen und nutzt ihre Tinte als Schutz für Lana, etwa vor Elektrohaien oder Unterwasserkameras.
Solche Ideen halten das Abenteuer frisch. Die Rätsel sind meist leicht bis mittelschwer. Oft brauchst du keine lange Grübelpause, sondern ein gutes Auge und etwas Ausprobieren.
Nicht jedes Rätsel fühlt sich neu an
Ganz ohne Wiederholungen kommt Planet of Lana II nicht aus. Auch in der zweiten Hälfte tauchen kurze Standardaufgaben auf, die man in ähnlicher Form schon kennt. Das stört selten stark, kann aber ein kleines Déjà-vu auslösen, besonders wenn du den ersten Teil gut kennst.
Der Vorteil: Das Spiel verliert dadurch kaum Tempo. Zwischen größeren Denkaufgaben gibt es immer wieder Bewegungsphasen, in denen Lana und Mui durch Wälder, Industrieanlagen, Gebirge oder Inselwelten unterwegs sind. Das macht die Reise lebendiger und verhindert, dass alles nur aus Rätselräumen besteht.
Ein sehr hübscher Planet
Optisch legt Planet of Lana II klar zu. Die Landschaften sind detailreicher, das Licht wirkt feiner und die Figuren bewegen sich geschmeidiger. Novo bleibt eine farbenfrohe Welt, in der Natur und Maschinen direkt nebeneinanderstehen.
Mui profitiert davon besonders. Das kleine Begleitwesen wirkt noch ausdrucksstärker. Wenn Lana Mui streichelt, in der Fantasiesprache spricht und Mui zufrieden piepst, passt das sehr gut zum warmen Ton des Spiels.
Diese freundliche Stimmung ist wichtig, weil die Geschichte durchaus Bedrohung kennt. Scanner, Stromschläge, Maschinen und Rohstoffabbau sind ernst genug, aber das Spiel wirkt nie hart um der Härte willen. Auch deshalb kann es für Familien interessant sein, wenn alle mit leichten Gefahrensituationen umgehen können.
Fair, aber nicht schwer
Wenn Lana oder Mui von Maschinen erfasst werden, setzt das Spiel an fair verteilten Respawn-Punkten wieder ein. Du verlierst kaum Zeit und kannst direkt erneut ansetzen. Das nimmt Frust aus den Trial-and-Error-Momenten.
Für Einsteigerinnen und Einsteiger ist das gut. Auch wer Puzzle-Platformer mag, aber keine sehr harten Rätselketten möchte, dürfte sich hier wohlfühlen. Erfahrene Knobelfans sollten nur wissen: Die großen Herausforderungen bleiben aus. Planet of Lana II will eher flüssig, stimmungsvoll und abwechslungsreich sein als richtig streng.
Wertung
- Gameplay: 4 von 5, viele gute Team-Rätsel, nur einzelne Wiederholungen.
- Grafik: 5 von 5, sehr schöne, detailreiche Welt mit starken Figurenanimationen.
- Story: 4 von 5, klare Motivation, interessante Fragen und genug Spannung bis zum Ende.
- Sound: 4 von 5, die Fantasiesprache und Muis Laute tragen viel zur warmen Atmosphäre bei.
Für wen lohnt sich Planet of Lana II?
Planet of Lana II: Children of the Leaf ist eine starke Fortsetzung für alle, die den ersten Teil mochten und mehr von Lana, Mui und Novo sehen wollen. Neue Spieler finden ebenfalls gut hinein, auch wenn Vorwissen die Rückkehr in diese Welt natürlich schöner macht.
Die Fortsetzung bietet eine längere Reise, mehr Ideen und deutlich hübschere Schauplätze. Sie bleibt dabei freundlich, fair und gut lesbar. Nur wer sehr schwere Rätsel sucht, sollte die Erwartungen senken.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.