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Review

Pokémon Pokopia im Test: Ditto baut Kanto wieder auf

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Pokémon Pokopia ist ein ungewöhnlich warmes Pokémon-Spiel: Du spielst ein Ditto, das die Gestalt seines verschwundenen Trainers angenommen hat und eine zerstörte Version von Kanto wieder lebendig machen soll.

Das klingt zuerst nach einem netten Baukasten mit Taschenmonstern. Dahinter steckt aber mehr. Pokopia verbindet Sammeln, Bauen, kleine Alltagsaufgaben und eine langsam erzählte Geschichte zu einem Spiel, das besonders für kreative Pokémon-Fans viel bietet.

Ein kaputtes Kanto mit viel Gefühl

Der Start ist stärker, als man bei einem Bau- und Lebenssimulationsspiel erwarten würde. Ditto landet in einer Kanto-Region, die nicht mehr so aussieht, wie viele sie kennen. Fuchsia City liegt in Ruinen, die Umgebung ist trocken, Gebäude sind zerfallen.

Ein freundliches Tangoloss, das sich als Pokémon-Professor ausgibt, begleitet den Anfang. Von dort wächst die Reise auf mehr als 40 Stunden an. Das Ziel ist klar: Lebensräume zurückbringen, Pokémon ansiedeln und die Region wieder so attraktiv machen, dass Menschen und Pokémon zurückkehren können.

Die Story arbeitet dabei nicht nur als Hintergrund. Du findest Hinweise und Protokolle, die nach und nach erklären, was mit dieser Welt passiert ist. Für langjährige Fans können bekannte Orte dadurch eine andere Wirkung bekommen. Pokopia bleibt freundlich, trägt aber eine spürbar traurige Schicht unter der bunten Oberfläche.

Ditto ist hier mehr als ein Gag

Der beste Einfall ist die Hauptfigur. Ditto ist kein stiller Avatar, sondern der Kern vieler Spielideen. Wenn es Fähigkeiten anderer Pokémon nutzt, verändert sich sein Körper passend dazu. Bei Wasserkanone kommen Schiggy-Elemente dazu, bei Blattwerk wachsen grüne Rankenarme.

Das Spiel nutzt diese Idee auch für kleine Momente. Ditto kann Gegenstände in großen Mengen aufnehmen, indem es sie verschlingt. Fällt es aus großer Höhe, zerläuft es kurz zu rosa Masse und formt sich wieder zurück. Solche Details machen die Figur liebenswert, ohne dass das Spiel sie ständig erklären muss.

Bauen, sammeln, helfen

Pokopia dreht sich um viele kleine Aufgaben. Du stellst hohe Grasflächen und Blumenbeete her, damit neue Pokémon einziehen. Später kommen Gebäude, Möbel und größere Projekte dazu. Die Baumechanik ist blockbasiert: Blöcke abbauen, Materialien sammeln, neue Teile herstellen, Strukturen setzen und dekorieren.

Wichtig ist dabei, dass Pokémon nicht nur Dekoration sind. Schiggy hilft mit Wasserkanone gegen trockenen Boden. Bisasam bringt Blattwerk bei. Steinschlag zerstört Felsen, Schnitt räumt Laub weg. Später kommen größere Bewegungsmöglichkeiten dazu, etwa Surfen mit Lapras und Gleiten mit Dragoran.

Auch eingezogene Pokémon haben eigene Wünsche. Glumanda möchte es trockener und feuriger. Schiggy sucht Nähe zu Wasser. Bisasam braucht mehr Licht. Dadurch entstehen ständig neue kleine Ziele, die gut ineinandergreifen.

Die Gemeinschaft fühlt sich lebendig an

Pokopia ist besonders stark, wenn man den Pokémon einfach zusieht. Sie reagieren auf Gegenstände, spielen miteinander, schließen Freundschaften und geben dem eigenen Gebiet mehr Leben. Du kannst ihnen Geschenke machen, ihre Zuneigung steigern und bekommst oft selbst etwas zurück.

Manche Pokémon laden dich zu kleinen Spielen ein, zum Beispiel Verstecken. Später verändert eine Tarnfähigkeit diesen Ablauf noch einmal. Dazu kommen Quizfragen und viele kleine Begegnungen. Das ist kein riesiges Drama, aber es gibt der Welt einen freundlichen Rhythmus.

Praktisch ist auch das gute Folgen der Pokémon. Bis zu fünf Begleiter können mitlaufen. Selbst bei Aufzügen und Sky Lifts kommen sie verlässlich mit. Gerade weil du oft Pokémon an andere Orte führst, ist das mehr als ein Komfortdetail.

Ohne Kämpfe fehlt erstaunlich wenig

Pokopia verzichtet auf klassische Kämpfe. Das ist bei Pokémon erst einmal auffällig, stört hier aber kaum. Der Fortschritt kommt aus dem Wiederaufbau, aus neuen Lebensräumen, neuen Bewohnern und aus dem Sammeldrang.

Der Pokédex ist umfangreicher, als man bei diesem Konzept vielleicht erwartet. Das motiviert, bessere und speziellere Lebensräume zu bauen, damit seltenere Pokémon auftauchen. Wer Pokémon gern sammelt, bekommt also auch ohne Arena- oder Kampffokus einen klaren Antrieb.

Wo Pokopia hakt

Ganz sauber ist der Baualltag nicht. Die Platzierung von Blöcken kann ungenau wirken, besonders in engeren Räumen. Die Kamera hilft dabei nicht immer. Wer sehr präzise und frei bauen möchte, dürfte sich an diesen Grenzen schneller reiben.

Auch das Lager wird später anstrengend. Ditto hat ein erweiterbares Inventar, dazu kommen kleine und große Kisten. Weil es aber keinen gemeinsamen Speicher über alle Regionen gibt, suchst du im späteren Spiel öfter bestimmte Materialien. Dann geht es durch mehrere Gebiete, Ladebildschirme und Kisten, bis der richtige Gegenstand wieder auftaucht.

Das ist verständlich, solange neue Regionen eigene Lösungen verlangen sollen. Nach der Kampagne wäre ein verbundener Speicher aber deutlich angenehmer gewesen.

Viel Hilfe für weniger geübte Baumeister

Pokopia besteht aus vier Hauptregionen mit eigenen Themen, Lebensräumen und Pokémon. In diesen Gebieten stehen oft Ruinen oder vorbereitete Raumideen, an denen du dich orientieren kannst. Du darfst sie nutzen, umbauen oder abreißen.

Das ist gerade für Spielerinnen und Spieler schön, die nicht stundenlang jedes Dach selbst planen möchten. Vorgefertigte Strukturen können entstehen, wenn du Ressourcen lieferst und Arbeiter-Pokémon zuweist. So bekommst du ansehnliche Ergebnisse, ohne jeden Block einzeln setzen zu müssen.

Für freie Bauprojekte gibt es außerdem Palette Town als zusätzliche Region außerhalb der Story. Sie ist groß genug für sehr ambitionierte Ideen, von mehreren Städten bis zu riesigen Skulpturen. Für die Community könnte genau dort viel entstehen.

Musik und Stimmung

Der Soundtrack nutzt bekannte Melodien, verändert sie aber passend zur kaputten Welt. Dadurch entsteht ein schöner Kontrast: Man erkennt Pokémon, aber es fühlt sich nicht einfach nach einem fröhlichen Besuch in der Vergangenheit an.

Diese Mischung passt gut zur ganzen Stimmung. Pokopia ist niedlich und freundlich, aber nie ganz beliebig. Es nutzt Nostalgie, ohne nur auf Erinnerungen zu setzen.

Für wen lohnt sich Pokémon Pokopia?

Pokopia passt besonders gut, wenn du Pokémon magst, aber nicht zwingend kämpfen willst. Es ist ein Spiel für Sammler, kreative Baumeisterinnen, gemütliche Abende und alle, die gern kleine Aufgaben abhaken.

Wenn du vor allem präzises Bauen, perfekte Lagerverwaltung oder klassische Pokémon-Kämpfe suchst, musst du Abstriche machen. Wenn du aber Freude daran hast, eine Welt Stück für Stück zu reparieren und Pokémon als kleine Bewohner mit eigenen Eigenheiten zu erleben, ist Pokopia ein sehr starkes Paket.

Wertung: Pokémon Pokopia ist ein liebevolles Bau- und Sammelspiel mit überraschend viel Geschichte. Kleine Probleme bei Lagerung und Blockplatzierung bremsen den Alltag, zerstören aber nicht den starken Kern.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.