Phantom Blade Zero will auf den ersten Blick beeindrucken: Klingen wirbeln, Gegner fliegen durch die Arena und Bosse verwandeln chinesische Folklore in bedrohliche Kampfchoreografien. Nach einer vierstündigen Gamescom-Demo bleibt aber vor allem etwas anderes hängen. Unter dem Stil steckt ein Action-RPG, das genaue Entscheidungen verlangt.
Der Kampf gegen Flame, einen Meister im Kostüm eines Festtagslöwen, macht das früh klar. Seine Angriffe wechseln Tempo und Reihenfolge. Wer nur weiter angreift, verliert schnell die Kontrolle. Wer Muster erkennt, pariert und im richtigen Moment ausweicht, schafft sich die nötigen Lücken.
Tempo mit klaren Regeln
Die Grundlagen sind leicht verständlich. Leichte Attacken bilden Kombos, schwere Sha-Chi-Schläge setzen gegnerische Deckung unter Druck. Der wichtige Kniff liegt in der gemeinsamen Ressource: Offensive und Verteidigung greifen auf dieselbe Sha-Chi-Leiste zu.
Zu viele schwere Angriffe können deshalb dazu führen, dass im falschen Moment keine Energie zum Blocken bleibt. Umgekehrt öffnet eine geleerte gegnerische Leiste ein großes Angriffsfenster. Besonders wertvoll sind Paraden. Sie kosten keine eigene Sha-Chi und schwächen den Gegner deutlich.
Blaue Angriffe lassen sich parieren, worauf ein Ghoststep hinter den Gegner möglich ist. Bei roten Angriffen hilft nur ein präzises Ausweichen. Das sorgt für klare Regeln, ohne die Begegnungen automatisch wirken zu lassen. Gerade die Bosse verlangen Aufmerksamkeit für Pausen, Täuschungen und Bewegungsrichtungen.
Waffenwechsel ist mehr als Schadensbonus
Soul führt zwei Hauptwaffen sowie zwei Phantom Edges. In der Demo waren darunter eine Axt zum Brechen von Schilden und eine Kettensichel für Distanz. Die Ausrüstung verändert Reichweite, Tempo und Kombolänge merklich.
Entscheidend ist der Wechsel zwischen den Hauptwaffen. Er füllt die Sha-Chi-Leiste komplett auf, ist aber nicht jederzeit verfügbar. Damit entsteht ein nachvollziehbarer Rhythmus: Druck aufbauen, rechtzeitig wechseln und die nächste Angriffskette vorbereiten. Zusätzlich sammelt Soul Essenz für waffenspezifische Power Surges, die starke Aktionen unterbrechen können.
Das System kombiniert mehrere Ressourcen, ohne während der Demo nach reiner Balkenverwaltung auszusehen. Die eigentliche Frage bleibt stets praktisch: Welche Waffe passt gerade, und wie viel Risiko ist der nächste Angriff wert?
Kein offenes Land, sondern Wege mit Rückbindung
Die Gebiete sind handgebaut und verzweigt. Abkürzungen verbinden Wege, Tuschekarten markieren Haupt- und Nebenaufgaben, lassen aber Geheimnisse offen. Soul kann zudem frühere Bereiche erneut besuchen.
Die Phantom Edges dienen dabei auch außerhalb des Kampfes. Die Axt trennt Ketten, die Kettensichel erschließt Ankerpunkte. Diese Funktionen bleiben nutzbar, auch wenn die jeweilige Waffe nicht aktiv ausgerüstet ist. Dadurch erhalten Erkundung und Fortschritt einen leichten Metroidvania-Einschlag.
Schleichen ist kein Hauptsystem, kann Gruppen aber entschärfen. Gegner lassen sich aus dem Gras oder von erhöhten Positionen angreifen. Das passt gut zu Situationen mit mehreren Feinden, in denen Vorbereitung sinnvoller sein kann als die längste Kombo. Glocken fungieren als Rast- und Schnellreisepunkte, füllen Heilmittel und Phantom-Edge-Energie auf und decken Teile der Karte auf.
Wuxia trifft auf verstörende Bilder
Die Geschichte setzt Soul unter Zeitdruck. Der ehemalige Kämpfer eines Ordens wird des Mordes an dessen Oberhaupt beschuldigt und von seinem Blutsbruder schwer verletzt. Ein künstliches Herz rettet ihn, hält ihn aber nur 66 Tage am Leben. In dieser Zeit muss er seine Unschuld beweisen und entscheiden, wem er in einer Welt aus Bündnissen und Feindschaften vertrauen kann.
Diese Wuxia-Ausgangslage verbindet Phantom Blade Zero mit einem deutlich düstereren Ton. Leichen, rote Fäden und Figuren, die wie Marionetten wirken, prägen die besuchten Orte. Der Boss Bai Chilian, die Lady of the Twin Serpents, treibt diese Seite besonders weit: Schlangenköpfe brechen aus ihrem Körper, während sie sich an Fäden durch die Arena bewegt.
Diese Mischung aus Kampfkunst, Industrieanlagen, Folklore und Horrorbildern gibt dem Spiel eine eigene Richtung. Sie ist nicht nur Kulisse für schnelle Kämpfe, sondern prägt auch die Gegner und Bosse. Eine offene Frage betrifft die Kamera, die bei besonders wilden Begegnungen zeitweise Mühe hatte, dem Geschehen zu folgen.
Ein vielversprechender erster Eindruck
Vier Stunden reichen nicht, um die gesamte Verschwörung oder die Abwechslung aller Gebiete zu bewerten. Sie reichen aber aus, um die zentrale Stärke zu erkennen: Phantom Blade Zero verlangt Konzentration, bleibt bei seinen Kampfsignalen aber nachvollziehbar.
Wenn das Zusammenspiel aus Erkundung, Waffenwechsel und Bosskämpfen über die gesamte Spielzeit trägt, könnte hier weit mehr als ein spektakuläres Actionspiel entstehen. Phantom Blade Zero erscheint laut Demo-Informationen am 29. Oktober für PS5 und PC.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
